
Migräne: Welcher Arzt ist zuständig und wie bereitest du deinen Termin vor?
Du hast schon wieder einen Tag im abgedunkelten Zimmer verbracht und fragst dich, ob das noch „normal“ ist. Oder du googelst „Migräne welcher Arzt“, weil du nicht weißt, ob du zur Hausärztin, zum Neurologen oder gleich in ein Kopfschmerzzentrum gehen sollst. Die kurze Antwort: Die Hausarztpraxis ist meist ein guter erster Schritt, und bei Bedarf geht es von dort zur Neurologie oder zu einer Kopfschmerz-Spezialeinrichtung.
In diesem Artikel erfährst du, wer wofür zuständig ist, wann du nicht abwarten solltest, wie du mit einem klaren Verlauf zum Termin kommst und welche Fragen sich lohnen. Einen Überblick über alle Behandlungsmöglichkeiten findest du in unserem Ratgeber zur Migräne-Behandlung. Eine Diagnose aus der Ferne können wir dir nicht stellen, das macht immer eine Ärztin oder ein Arzt.
Kurz gesagt
- Für den Anfang reicht in der Regel die Hausarztpraxis, sie kann Migräne einordnen und dich bei Bedarf weiterleiten.
- Zur Neurologie oder in ein Kopfschmerzzentrum gehst du typischerweise, wenn die Attacken häufig sind, die Behandlung nicht ausreicht oder die Diagnose unklar bleibt.
- Plötzliche, ungewohnt heftige Kopfschmerzen oder Ausfälle wie Sprach- oder Sehstörungen gehören sofort in ärztliche Hände.
- Ein Kopfschmerztagebuch über vier bis sechs Wochen macht den Termin deutlich konkreter und hilft bei der Diagnose.
Migräne: Welcher Arzt ist die erste Anlaufstelle?
Die erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Dort kennt man dich und deine Vorgeschichte, und Hausärztinnen und Hausärzte sind für viele Menschen mit Kopfschmerzen die ersten Ansprechpartner.
Auch dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin kann ein guter Gesprächspartner sein, wenn deine Attacken mit dem Zyklus zusammenhängen oder du über die Pille nachdenkst. Dazu lohnt sich ein Blick auf Pille und Migräne und auf die menstruelle Migräne.
Was passiert beim ersten Termin?
Beim ersten Termin steht das Gespräch im Mittelpunkt. Laut Neurologen und Psychiater im Netz lässt sich Migräne im Gespräch mit dem Facharzt in der Regel eindeutig an den Krankheitszeichen erkennen. Weitere Untersuchungen sind demnach nur nötig, wenn der Verdacht besteht, dass die Kopfschmerzen nicht von einer Migräne kommen. Bildgebung wie MRT oder CT ist also nicht automatisch Teil jedes Termins.
Wenn du dich fragst, ob das bei dir überhaupt Migräne ist oder „nur“ Kopfschmerz, hilft dir der Beitrag Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied? bei der ersten Orientierung.
Wie kommst du an einen Facharzttermin?
Wenn du einen Termin bei einem Facharzt oder einer Fachärztin brauchst, kann die Hausarztpraxis dir eine Überweisung ausstellen. Wer über den 116117-Terminservice buchen möchte, braucht dafür eine Überweisung mit Vermittlungscode. Davon ausgenommen sind unter anderem Termine bei Haus- sowie Kinder- und Jugendärzten, Augenärzten und Gynäkologen. Wie die Terminvergabe in deiner Region genau läuft, erfährst du am besten direkt in der Praxis.
Wann solltest du nicht abwarten?
Bei plötzlichen, ungewohnt heftigen Kopfschmerzen oder neurologischen Ausfällen gehst du sofort zum Arzt oder rufst den Notruf. Das MSD Manual nennt als Warnzeichen unter anderem Veränderungen des Sehvermögens, Schwäche, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Sprechschwierigkeiten, Fieber mit steifem Nacken sowie Kopfschmerzen, die wie ein Donnerschlag einsetzen.
Innerhalb etwa einer Woche solltest du dich nach derselben Quelle ärztlich vorstellen, wenn die Kopfschmerzen nach dem 50. Geburtstag erstmals auftreten oder wenn sie schlimmer oder häufiger werden. Mehr dazu, was ein Notfall ist und was nicht, steht in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?.
Wenn du etwas zum ersten Mal erlebst, zum Beispiel Lichtblitze oder Sehstörungen, lass es lieber abklären. Hilfreich zum Verständnis ist Lichtblitze im Auge: Migräne-Aura oder Augenproblem?, ersetzt aber keine Untersuchung.
Weitere Gründe, bald einen Termin zu machen
Auch ohne Alarmzeichen gibt es gute Gründe, nicht mehr nur „durchzuhalten“:
- Die Attacken werden häufiger, stärker oder dauern länger. Wie lange Attacken typischerweise dauern, liest du in Wie lange dauert eine Migräne? und in Migräne dauert mehrere Tage.
- Du hast an sehr vielen Tagen Kopfschmerzen. Dazu passt der Beitrag Jeden Tag Kopfschmerzen: Mögliche Ursachen.
- Du nimmst oft Schmerz- oder Migränemittel. Bei Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen gilt eine Einnahme an 15 oder mehr Tagen im Monat als zu häufig, bei Triptanen schon an zehn Tagen. Das Phänomen heißt Kopfschmerz durch Medikamenten-Übergebrauch und betrifft laut gesundheitsinformation.de etwa 1 bis 2 von 100 Menschen. Wer an mehr als zehn Tagen im Monat solche Mittel nimmt, bespricht das am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt.
- Deine Migräne bestimmt deinen Alltag: Uni, Job, Verabredungen, Schlaf.
Wann ist ein Neurologe sinnvoll?
Zur Neurologie gehst du, wenn die Diagnose unklar ist, die bisherige Behandlung nicht reicht oder die Attacken dich stark einschränken. Die Neurologie ist das Fachgebiet für Erkrankungen des Nervensystems, dazu zählt auch die Migräne.
Typische Anlässe für einen Termin beim Neurologen oder bei der Neurologin:
- Deine Attacken sind häufig oder sehr belastend.
- Die Mittel, die du bisher bekommen hast, helfen nicht ausreichend oder du verträgst sie schlecht.
- Es gibt Symptome, die nicht ganz typisch wirken und die du einordnen lassen möchtest.
- Du möchtest über eine vorbeugende Behandlung sprechen.
Was kann dort besprochen werden?
Das Spektrum ist breit: Akutmedikamente wie Triptane, vorbeugende Therapien, nicht medikamentöse Verfahren und bei chronischer Migräne auch Botox nach dem PREEMPT-Schema. Ob etwas für dich passt, entscheidet nicht dieser Artikel, sondern die Ärztin oder der Arzt nach deiner persönlichen Situation.
Zu neueren Vorbeugungsansätzen: Monoklonale Antikörper gegen CGRP oder den CGRP-Rezeptor gehören heute zu den Optionen, über die Fachleute sprechen. Wie diese Antikörper funktionieren, erklärt CGRP-Antikörper bei Migräne.
Für wen ist ein Kopfschmerzzentrum gedacht?
Ein Kopfschmerzzentrum oder eine Kopfschmerzambulanz ist vor allem für komplexe oder schwer behandelbare Verläufe gedacht. Dort arbeiten Fachleute verschiedener Richtungen zusammen. Bei der sogenannten multimodalen Schmerztherapie kommen laut gesundheitsinformation.de zum Beispiel Schmerzmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie zusammen. Sie kommt vor allem infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben oder die Lebensqualität im Alltag stark leidet.
Wenn du eine spezialisierte Anlaufstelle suchst, hilft der Expertenfinder der DMKG. Er listet Ärztinnen, Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten und Kliniken mit Kopfschmerz-Sprechstunde nach Postleitzahl. Die Liste beruht bislang auf Angaben der DMKG-Mitglieder und soll durch eine Liste von Fachleuten mit dem DMKG-Kopfschmerzzertifikat ersetzt werden.
Ob und wann ein Zentrum für dich sinnvoll ist, klärst du am besten mit deiner Hausarzt- oder Facharztpraxis.
Wie kommst du mit einem klaren Verlauf zum Termin?
Der wichtigste Schritt ist ein Kopfschmerztagebuch. Laut Neurologen und Psychiater im Netz hilft es für Diagnose und Therapie, über vier bis sechs Wochen einen Kopfschmerzkalender zu führen. Darin notierst du Zeitpunkt, Art, Stärke, Dauer, Begleiterscheinungen, mögliche Auslöser und eventuelle Medikamente.
Das Migräne-Tagebuch von gesundheitsinformation.de nennt die Basics: das Datum, die Uhrzeit des Beginns, wie lange die Attacke dauerte, wie stark der Kopfschmerz war, ob und welche Medikamente du genommen hast und was an dem Tag los war (Stress, Schlafprobleme, Essen und Trinken). So siehst du auch, wie oft du Medikamente brauchst. Ausführlicher steht das in Migränekalender: Was du notieren solltest.
Papier, App oder beides?
Beides funktioniert. Die DMKG bietet einen kostenlosen Kopfschmerzkalender zum Ausdrucken und eine eigene App an. Auch der DMKG-Kopfschmerzfragebogen soll die Vorbereitung erleichtern: Wenn Informationen zu Häufigkeit, Stärke, Begleitsymptomen, Schmerzmitteleinnahme und Alltagsbeeinträchtigung schon vorab zu Hause zusammengestellt werden, bleibt in der Sprechstunde mehr Zeit für das persönliche Gespräch. Der Fragebogen selbst ist nach Registrierung für Fachkreise verfügbar, du kannst deine Praxis darauf ansprechen.
Diese Angaben sind für den Termin besonders nützlich
- Häufigkeit: Wie viele Migränetage hattest du pro Monat?
- Dauer und Stärke: Wie lange dauern die Attacken, wie stark sind sie auf einer Skala von 0 bis 10?
- Begleitsymptome: Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Aura. Mehr dazu in Migräne mit Aura und Migräne Übelkeit.
- Mögliche Auslöser: Stress, Schlaf, Zyklus, Essen, Bildschirmzeit, Wetter. Hilfreich ist Migräne Auslöser erkennen.
- Medikamente: Was hast du genommen, wie oft, und wie gut hat es gewirkt?
- Alltag: Wie oft fällst du in Uni, Job oder Freizeit aus?
Und eine ehrliche Einschränkung: Ein Tagebuch ist ein Werkzeug, kein Beweis. Wenn es Lücken gibt, bring es trotzdem mit, auch ein halb ausgefüllter Kalender ist besser als gar keiner.
Welche Fragen kannst du in der Sprechstunde stellen?
Gute Fragen machen aus dem Termin ein Gespräch statt einer Abfrage. Du musst nicht alles im Kopf haben, schreib dir die Fragen vorab auf. Hier ein paar Anregungen:
- Spricht aus Ihrer Sicht alles für Migräne, oder müssen wir noch etwas ausschließen?
- Welche Art von Migräne habe ich, und was bedeutet das für mich? (Ein Überblick steht in Migräne Arten: Die Formen im Überblick.)
- Wie sollte ich vorgehen, wenn eine Attacke beginnt, und ab wann sollte ich mich melden?
- Wie oft darf ich Schmerz- oder Migränemittel nehmen, ohne dass es ein Problem wird?
- Wäre bei meiner Häufigkeit eine vorbeugende Behandlung ein Thema?
- Gibt es Maßnahmen ohne Medikamente, die zu mir passen? (Eine Einordnung gibt Migräne Hausmittel: Was ohne Medikamente wirklich hilft.)
- Was spricht für oder gegen die Pille oder andere Verhütungsmittel bei meiner Migräne?
- Wann sollte ich wiederkommen, und was soll ich bis dahin im Tagebuch festhalten?
Frag auch nach, wenn du etwas nicht verstanden hast. Es ist völlig in Ordnung, Fachbegriffe erklären zu lassen, im Migräne-Glossar kannst du viele davon nachschlagen.
Und bei Kindern und Jugendlichen?
Bei Kindern und Jugendlichen ist die Kinder- und Jugendarztpraxis meist der erste Weg. Migräne ist bei ihnen nicht selten: Laut gesundheitsinformation.de haben etwa 4 bis 5 von 100 Kindern Migräne, Mädchen und Jungen sind ähnlich häufig betroffen. Bei Kindern stehen manchmal Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen im Vordergrund.
Auch hier spielt das Kopfschmerztagebuch eine große Rolle: Für die Diagnose bei Kindern gehört nach Neurologen und Psychiater im Netz vor allem die Auswertung eines Tagebuchs dazu. Eltern und Kinder führen es am besten gemeinsam. Mehr Hintergründe findest du im Ratgeber Migräne bei Kindern und Jugendlichen. Ob ein erblicher Zusammenhang eine Rolle spielt, erklärt Migräne erblich?.
Was machst du nach dem Termin?
Nach dem Termin geht es darum, den Plan im Alltag auszuprobieren und weiter zu beobachten. Schreib dir direkt auf, was besprochen wurde, und halte dich bei Medikamenten genau an die Anweisungen deiner Ärztin oder deines Arztes. Änderungen entscheidest du nicht allein.
Ein paar praktische Schritte:
- Führe das Tagebuch weiter, auch wenn es dir besser geht. So lässt sich später beurteilen, ob eine Maßnahme wirkt.
- Notiere Nebenwirkungen oder Fragen sofort, damit du sie beim nächsten Termin nicht vergisst.
- Vereinbare den Kontrolltermin, wenn einer vorgesehen ist.
- Wenn du dich nicht gut aufgehoben fühlst, ist eine zweite Meinung oder die Suche über den DMKG-Expertenfinder völlig legitim.
Falls du dich gerade eher für Zahlen und Hintergründe interessierst, zum Beispiel wie verbreitet Migräne ist, hilft dir Migräne Statistik: Was die Zahlen aus Studien zeigen weiter. Und für die Ursachen im Gehirn lohnt sich Migräne Ursachen: Was in deinem Gehirn passiert.
Fazit: Wo fängst du an?
Wenn du dir bei „Migräne welcher Arzt“ unsicher bist, starte bei der Hausarztpraxis. Bring ein Kopfschmerztagebuch mit und schildere offen, wie die Migräne deinen Alltag beeinflusst. Wenn die Diagnose unklar ist, die Behandlung nicht reicht oder die Attacken sehr häufig sind, ist die Neurologie oder ein Kopfschmerzzentrum der nächste Schritt.
Plötzliche, ungewohnt starke Kopfschmerzen oder Ausfälle wie Sprach- oder Sehstörungen sind kein Fall für „erst mal abwarten“. Alles andere kannst du in Ruhe vorbereiten: ein bis zwei Monate beobachten, Fragen aufschreiben, Termin machen.
Häufige Fragen
Muss ich bei Migräne zum Neurologen?
Nicht zwingend. Die Diagnose lässt sich oft schon in der Hausarztpraxis stellen, eine Neurologin oder ein Neurologe kommt ins Spiel, wenn die Diagnose unklar ist, die Behandlung nicht ausreicht oder die Attacken sehr belasten. Das entscheidest du am besten gemeinsam mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.
Wie lange sollte ich ein Kopfschmerztagebuch führen, bevor ich zum Arzt gehe?
Neurologen und Psychiater im Netz empfehlen, den Kopfschmerzkalender über vier bis sechs Wochen zu führen. Wenn dich die Beschwerden stark belasten oder Warnzeichen auftreten, wartest du damit nicht, sondern gehst sofort zum Arzt.
Brauche ich für einen Termin im Kopfschmerzzentrum eine Überweisung?
Das hängt vom Zentrum und von deiner Versicherung ab. Frag am besten telefonisch bei der Einrichtung nach und lass dir von deiner Hausarztpraxis helfen. Über den 116117-Terminservice ist für Facharzttermine in der Regel eine Überweisung mit Vermittlungscode nötig.
Kann ich mit meinem Mellow-Verlauf zum Arzt gehen?
Ja, ein sauber geführter Verlauf mit Häufigkeit, Dauer, Intensität und Auslösern ist genau das, was in der Sprechstunde hilft. Mellow ist ein Werkzeug zum Festhalten und Auswerten, die Einordnung und Behandlung übernimmt immer dein Arzt oder deine Ärztin.
Hilft mir die Apotheke bei Migräne weiter?
Apotheken können dich zu rezeptfreien Mitteln beraten. Wenn du aber regelmäßig an mehreren Tagen im Monat etwas brauchst, ist ein Arztgespräch sinnvoll, denn gesundheitsinformation.de rät, eine Einnahme an mehr als zehn Tagen im Monat ärztlich zu besprechen.
Quellen
- Migräne » Diagnostik »
- Migräne-Tagebuch
- Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen
- Migränevorbeugung für Kinder und Jugendliche
- Der neue DMKG-Kopfschmerzfragebogen
- DMKG
- DMKG
- Überblick über Kopfschmerzen - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- 116117 Terminservice: Arzttermine für gesetzlich Versicherte online buchen
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
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