
Migräne bei Kindern und Jugendlichen: Der Ratgeber für Eltern
Dein Kind kommt aus der Schule, ist blass, mag kein Licht und kein Geräusch und legt sich direkt hin. Oder es klagt über Bauchweh und Übelkeit, und der Kopfschmerz kommt kaum vor. Oder deine Tochter ist 14, verschwindet immer öfter im dunklen Zimmer und sagt nur: „Mein Kopf.“ Hinter solchen Szenen kann Migräne bei Kindern stecken.
Migräne bei Kindern ist häufiger, als viele denken, und sie sieht oft anders aus als bei Erwachsenen. Das macht sie schwer zu erkennen. In diesem Artikel erfährst du, woran du sie erkennst, wann du zum Arzt gehen solltest, was bei einer Attacke helfen kann und was in der Schule wichtig ist. Mehr zum Umgang mit Migräne findest du auch in unserem Bereich Leben mit Migräne.
Ein Hinweis vorab: Dieser Text ersetzt keine Diagnose und keine ärztliche Beratung. Welche Behandlung für dein Kind passt, klärst du immer mit der Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt.
Kurz gesagt
- Laut den Neurologen und Psychiatern im Netz tritt Migräne im Kindesalter bei etwa 4 bis 5 Prozent der Kinder auf, und sie sieht oft anders aus als bei Erwachsenen: häufig beidseitig, kürzer und mit starker Übelkeit oder Bauchweh.
- Bei plötzlichem, sehr starkem Kopfschmerz mit Fieber und Nackenschmerzen sollten Eltern laut kindergesundheit-info.de sofort ärztliche Hilfe holen.
- Kindergesundheit-info.de rät, Migräne bei Kindern möglichst ohne Medikamente zu behandeln und Mittel für Erwachsene nicht zu geben. Welche Behandlung passt, klärt die Kinder- und Jugendärztin oder der Kinder- und Jugendarzt.
- Ein Kopfschmerztagebuch macht Muster sichtbar und hilft bei Diagnose und Behandlung, wie die Migräne-Liga schreibt.
Wie häufig ist Migräne bei Kindern?
Nach den Neurologen und Psychiatern im Netz tritt Migräne im Kindesalter bei etwa 4 bis 5 Prozent der Kinder auf. Auch kindergesundheit-info.de nennt bis zu 5 Prozent und schreibt, dass die Häufigkeit mit dem Alter zunimmt.
Kopfschmerzen insgesamt sind noch viel verbreiteter. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), die kindergesundheit-info.de zitiert, hat im Vorschulalter etwa jedes fünfte Kind Kopfschmerzen, am Ende der Grundschulzeit sind es mehr als die Hälfte. Die häufigste Form ist der Spannungskopfschmerz, nicht die Migräne.
Dein Kind ist also nicht allein, und du hast nichts falsch gemacht. Ob Migräne in der Familie liegt, kannst du in unserem Artikel Migräne erblich? nachlesen.
Wie zeigt sich Migräne bei Kindern?
Bei Kindern sieht eine Migräne oft anders aus als bei Erwachsenen. Das ist einer der Gründe, warum sie manchmal lange nicht erkannt wird. Typisch sind laut Neurologen und Psychiatern im Netz:
- Beidseitiger Schmerz: Er sitzt häufig auf beiden Seiten oder an der Stirn, nicht nur auf einer Seite wie bei vielen Erwachsenen.
- Kürzere Attacken: Oft ist eine Attacke nach etwa zwei Stunden vorbei, sie kann aber auch bis zu 48 Stunden dauern.
- Starke Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen und Schwindel können stärker sein als der Schmerz selbst.
- Manchmal eine Aura: Das sind Sehstörungen oder andere Ausfälle vor oder während der Attacke.
Dazu kommen oft Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit. Viele Kinder wollen dann einfach liegen, in Ruhe, im abgedunkelten Raum.
Was ist Bauchmigräne?
Manche Kinder haben vor allem Bauchschmerzen. Die Neurologen und Psychiater im Netz beschreiben die „Bauchmigräne“ (abdominelle Migräne) mit Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Eine solche Episode kann zwischen einer Stunde und bis zu drei Tagen dauern.
Woher sie kommt, ist laut derselben Quelle noch nicht geklärt. Im Verdacht stehen unter anderem eine Überempfindlichkeit des Darms, ungewöhnliche Darmbewegungen und eine genetische Veranlagung. Wenn dein Kind immer wieder Bauchweh hat und nichts Körperliches gefunden wird, lohnt es sich, den Verdacht auf Migräne beim Arzt anzusprechen.
Ab welchem Alter kann Migräne beginnen?
Migräne kann schon im Vorschulalter anfangen. Mit zunehmendem Alter wird sie häufiger, wie kindergesundheit-info.de schreibt. Kleinere Kinder können oft nicht sagen, was sie spüren. Dann fällt eher auf, dass sie plötzlich blass werden, sich zurückziehen, nicht mehr spielen wollen oder sich übergeben.
In der Pubertät verändert sich das Bild. Was dein Kind persönlich betrifft, kann dir nur die Ärztin oder der Arzt sagen.
Wann solltest du mit deinem Kind zum Arzt?
Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Kopfschmerzen bei Kindern sind harmlos. Trotzdem sollten wiederkehrende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden, vor allem wenn sie neu auftreten, häufiger werden, ungewöhnlich stark sind oder sich ihr Muster verändert. Das empfiehlt auch t-online in einem Überblick zu Warnzeichen.
Wann ist es dringend?
kindergesundheit-info.de nennt einige Warnzeichen, bei denen du nicht abwarten solltest:
- plötzlich auftretender, sehr starker Kopfschmerz, besonders zusammen mit Fieber, starken Nackenschmerzen und Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche (das kann auf eine Hirnhautentzündung hindeuten)
- Kopfschmerzen, die länger als drei Tage dauern oder immer stärker werden
- ein Kind, das schwer krank wirkt
Auch Kopfschmerzen, die dein Kind regelmäßig nachts aus dem Schlaf wecken, oder Erbrechen am Morgen auf nüchternen Magen sind laut t-online nicht typisch für Migräne und sollten ärztlich angeschaut werden. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. Bei akuter Not erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder den Notruf 112.
Welcher Arzt ist zuständig?
Erste Anlaufstelle ist in Deutschland meist die Kinder- und Jugendarztpraxis. Dort wird zuerst gefragt, wie die Kopfschmerzen aussehen, wie oft sie kommen und was dabei passiert. Dazu kommt eine körperliche und neurologische Untersuchung.
Bei Kopfschmerzen, die schwer einzuordnen sind oder stark belasten, gibt es spezialisierte Anlaufstellen. Die Kinderklinik der Uniklinik Köln etwa bietet in ihrem Sozialpädiatrischen Zentrum eine Sprechstunde für Kopfschmerzen und Migräne an. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann dich bei Bedarf überweisen.
Ein Labortest, der Migräne beweist, existiert nicht. Die Diagnose stützt sich auf die Beschreibung und die Untersuchung. Ob zusätzlich zum Beispiel ein EEG oder ein MRT nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
Was hilft bei einer Attacke?
Zuerst die Reize reduzieren. Die Therapie besteht nach der Zusammenfassung von esanum aus Ruhe, einem abgedunkelten Zimmer und gegebenenfalls Schmerzmitteln. Bei kurzen Attacken kann ein kühler Lappen auf Stirn und Schläfen, kombiniert mit Ruhe und Schlaf, schon ausreichen.
Und Medikamente?
Hier ist Vorsicht wichtig. kindergesundheit-info.de rät, Kopfschmerzen und Migräne bei Kindern möglichst ohne Medikamente zu behandeln. Mittel für Erwachsene solltest du deinem Kind nicht geben, weil sie in Zusammensetzung und Dosierung auf Erwachsene ausgelegt sind.
Zur Einordnung, was Fachleute sagen: Die Cochrane-Zusammenfassung zur Akutbehandlung kommt zu folgendem Ergebnis. Ibuprofen kann bei Migräneanfällen helfen, ernsthafte Nebenwirkungen traten in den Studien nicht auf. Ein Nasenspray mit Sumatriptan half Kindern und Jugendlichen ebenfalls. Ob Paracetamol wirklich lindert, ist laut Cochrane unklar, die Datenlage ist dünn.
Das ist Information, keine Empfehlung für dein Kind. Welches Mittel, wann und in welcher Menge, bestimmt die Ärztin oder der Arzt, nicht du und nicht eine Packungsbeilage für Erwachsene.
Vorbeugen: Was kann der Alltag ausmachen?
Wenn die Attacken häufig sind oder dein Kind stark einschränken, geht es um Vorbeugung. Welche Maßnahmen für dein Kind infrage kommen, bespricht die Ärztin oder der Arzt mit dir, auch ob in Ausnahmefällen eine medikamentöse Vorbeugung sinnvoll ist.
Gesundheitsinformation.de fasst zusammen, was für Kinder und Jugendliche untersucht wurde:
- Verhaltenstherapie und Biofeedback können beim Entspannen helfen. In einer Studie lernten Kinder in zehn Gruppensitzungen, wie Gedanken und Gefühle Schmerz beeinflussen, wie sie sich ablenken und ihre Aktivitäten besser einteilen.
- Pausen im Alltag sind wichtig, wenn dein Kind auf Stress mit Kopfschmerzen reagiert.
- Schlaf spielt eine Rolle: Schlafmangel kann Migräne fördern. Bessere Schlafgewohnheiten, zum Beispiel abends keine koffeinhaltigen Limonaden und keine laute Musik vor dem Einschlafen, könnten helfen.
Auch die DMKG nennt über die Neurologen und Psychiater im Netz typische Auslöser wie Schlafentzug, ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Trinken und Stress. Und: Auch nach Stress, in der Entspannungsphase, kommen Attacken oft, deshalb am Wochenende oder in den Ferien. Mehr dazu in unserem Bereich Migräne-Auslöser.
Und die Bildschirmzeit? Viele Eltern vermuten da den Hauptschuldigen. Was die Studien dazu sagen, und was nicht, erklären wir in Migräne und Bildschirm: Ist das Blaulicht wirklich schuld?.
Was ändert sich in der Schule?
Migräne bleibt nicht zu Hause. Laut einem Leitfaden für Lehrpersonen der FHNW haben etwa 12 Prozent aller Schulkinder Migräne, mit entsprechenden Fehlzeiten. Während einer Attacke sind Kinder geschwächt und unkonzentriert, sie können Aufgaben nicht oder nur teilweise erledigen.
Dazu kommt ein zweites Problem: der Verdacht, das Kind übertreibe oder simuliere. Das ist für Kinder sehr belastend, und es kann sich ein Kreislauf aus Fehlzeiten, Angst vor Schulversagen, Anspannung und noch mehr Kopfschmerzen entwickeln, wie derselbe Leitfaden beschreibt.
Was du tun kannst:
- Sprich mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer, und, wenn du magst, mit der Schulleitung. Erkläre, was bei einer Attacke passiert und was dein Kind dann braucht.
- Frage, ob es einen ruhigen Raum mit einer Liege gibt. Der Leitfaden nennt das als hilfreich, damit sich Kinder bei Schmerzen schneller erholen.
- Bewegungspausen im Unterricht können Verspannungen vorbeugen, auch das steht im Leitfaden.
- Bitte die Ärztin oder den Arzt um eine Bescheinigung oder einen Befund, falls die Schule eine Grundlage für Unterstützung braucht. Welche Möglichkeiten es in deinem Bundesland und deiner Schulform gibt, kann die Schule selbst am besten sagen.
Wächst sich Migräne aus?
Bei vielen Kindern wird es besser. Die Neurologen und Psychiater im Netz schreiben, dass die Migräne bei jedem zweiten Kind in der Pubertät ausklingt. Umgekehrt heißt das: Bei den anderen bleibt sie, oder sie kommt später wieder.
Wie es bei deinem Kind weitergeht, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Das ist ehrlich gesagt eine Unsicherheit, mit der du leben musst. Wichtig ist: Eine Migräne in der Kindheit bedeutet nicht, dass dein Kind sein Leben lang leiden wird. Und mit einem guten Umgang lernen Kinder früh, sich selbst zu verstehen.
Wie führst du ein Kopfschmerztagebuch für dein Kind?
Der wichtigste erste Schritt für Diagnose und Behandlung ist ein Kopfschmerztagebuch. Es zeigt, wie oft Attacken kommen, wie lange sie dauern, wie stark sie sind und was davor passiert ist. Bei der Ärztin oder dem Arzt spart dir das viele Fragen, die man aus dem Gedächtnis kaum beantworten kann. Laut Migräne-Liga ist es für Diagnose und Therapie wichtig, und schon das regelmäßige Ausfüllen kann die Beschwerden häufig etwas verringern.
Das gehört hinein:
- Datum, Beginn und Dauer der Attacke
- Stärke des Schmerzes (bei kleineren Kindern mit Gesichtern oder einer Skala von 0 bis 10)
- Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Bauchweh
- Was davor war: wenig Schlaf, ausgelassene Mahlzeit, Stress, viel Bildschirmzeit, Wetterwechsel
- Was geholfen hat und was nicht
- Bei Mädchen in der Pubertät: wann die Regel kam
Je älter dein Kind ist, desto mehr kann es selbst eintragen. Das gibt Jugendlichen ein Gefühl von Kontrolle, und das tut gut.
Das Wichtigste für dich als Elternteil
- Migräne bei Kindern ist häufig und oft kürzer, beidseitig und mit starker Übelkeit oder Bauchweh verbunden.
- Bei Warnzeichen wie plötzlichem, sehr starkem Kopfschmerz mit Fieber und Nackenschmerzen gehst du sofort zum Arzt.
- Medikamente für Erwachsene gehören nicht in Kinderhände. Alles Weitere klärst du mit der Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt.
- Ruhe, Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten, Pausen und Entspannung sind die Grundlage.
- Sprich mit der Schule, damit dein Kind nicht als „Simulant“ gilt.
- Ein Tagebuch macht Muster sichtbar.
Häufige Fragen
Wie häufig ist Migräne bei Kindern?
Laut den Neurologen und Psychiatern im Netz tritt Migräne im Kindesalter bei etwa 4 bis 5 Prozent der Kinder auf. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Kopfschmerzen insgesamt sind deutlich verbreiteter, die häufigste Form ist der Spannungskopfschmerz.
Woran erkenne ich Migräne bei meinem Kind?
Bei Kindern sitzt der Schmerz oft auf beiden Seiten oder an der Stirn, und Attacken sind häufig kürzer als bei Erwachsenen. Übelkeit, Erbrechen und Schwindel können stärker sein als der Schmerz selbst. Manche Kinder haben vor allem Bauchschmerzen, die sogenannte Bauchmigräne.
Wann sollte ich mit meinem Kind zum Arzt?
Wiederkehrende Kopfschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, vor allem wenn sie neu sind, häufiger werden oder sich das Muster verändert. Sofort handeln solltest du laut kindergesundheit-info.de bei plötzlichem, sehr starkem Kopfschmerz mit Fieber und starken Nackenschmerzen. Bei akuter Not erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder den Notruf 112.
Darf ich meinem Kind Schmerzmittel für Erwachsene geben?
Nein, denn sie sind in Zusammensetzung und Dosierung auf Erwachsene ausgelegt, so kindergesundheit-info.de. Die Fachstelle rät, Migräne bei Kindern möglichst ohne Medikamente zu behandeln. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wächst sich Migräne bei Kindern aus?
Laut den Neurologen und Psychiatern im Netz klingt die Migräne bei jedem zweiten Kind in der Pubertät aus. Bei den anderen bleibt sie oder kommt später wieder. Wie es bei deinem Kind weitergeht, lässt sich nicht sicher vorhersagen.
Quellen
- Migräne » Kinder und Jugendliche »
- Kopfschmerzen bei Kindern
- Wann unbedingt ärztliche Hilfe nötig ist
- Migränevorbeugung für Kinder und Jugendliche
- Direkt zum Inhalt
- Kopfschmerzen und Migräne
- Ein Leitfaden für Lehrpersonen „Etwa 12% aller Schulkinder haben Migräne und
- Kopfschmerzen bei Kindern: Hinweise, Symptome & Behandlung migraeneliga.de
- Warnzeichen beachten: Wann Kinder mit Kopfschmerzen zum Arzt müssen
- Migräne bei Kindern: Symptome und Behandlung
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
Ähnliche Artikel
Migränekalender: Was du notieren solltest, damit er wirklich hilft
Migränekalender führen: Diese 8 Angaben helfen dir und deiner Ärztin wirklich. Dazu typische Fehler, Papier oder App und Mellow in zwei Taps.
Migränetagebuch auswerten: So liest du Kalender, Dauer und Intensität
Migränetagebuch auswerten: So liest du Kalender, Dauer und Intensität deiner Attacken, erkennst echte Muster und vermeidest voreilige Schlüsse.



