
Migräne Nackenschmerzen: Wenn der Kopfschmerz aus dem Nacken kommt (und wann es Migräne ist)
Dein Nacken fühlt sich hart an, der Schmerz zieht bis in den Hinterkopf, und du fragst dich: Ist das eine Verspannung, ein Problem mit der Halswirbelsäule oder doch eine Migräne? Genau diese Frage stellen sich viele Menschen mit Migräne, denn Nackenschmerzen und Migräne gehen erstaunlich oft zusammen.
Die gute Nachricht: Ein schmerzender Nacken schließt eine Migräne nicht aus, im Gegenteil. In diesem Artikel erfährst du, warum der Nacken bei einer Attacke wehtun kann, was ein Kopfschmerz ist, der wirklich von der Halswirbelsäule ausgeht, und wie du das alles beim Arzt ansprichst, ohne dich selbst zu diagnostizieren. Einen größeren Überblick über den Weg zur Diagnose findest du in unserem Ratgeber zur Migräne-Diagnose.
Kurz gesagt
- Auch bei einer Migräne tut der Nacken häufig weh, weil Nervenbahnen von Gesicht, Kopf und Nacken miteinander verbunden sind (Neurologen und Psychiater im Netz).
- Ein zervikogener Kopfschmerz, also einer, der von der Halswirbelsäule ausgeht, ist deutlich seltener: Er betrifft laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zwischen 1 und 15 Prozent der Menschen in Kopfschmerz-Zentren.
- Dass ein Kopfschmerz im Nacken beginnt, heißt nicht automatisch, dass die Wirbelsäule die Ursache ist, und beides kann gleichzeitig vorkommen.
- Fieber, ein steifer Nacken oder ein schlagartig einsetzender, extrem heftiger Kopfschmerz sind Warnzeichen, bei denen du sofort ärztliche Hilfe holen solltest.
Nackenschmerzen und Migräne: Worum es eigentlich geht
Unter „Migräne Nackenschmerzen“ verstecken sich im Alltag zwei verschiedene Situationen: ein Nacken, der während einer Migräne schmerzt, und ein Kopfschmerz, der vom Nacken selbst ausgeht. Beides fühlt sich ähnlich an, hat aber unterschiedliche Ursachen.
Im ersten Fall ist der Nackenschmerz ein Teil der Migräne. Im zweiten Fall spricht man von einem zervikogenen Kopfschmerz (von lateinisch „cervix“, der Hals oder Nacken). Dazwischen gibt es Überlappungen, und genau deshalb ist die Einordnung für Laien so schwer.
Dazu kommt ein dritter Kandidat, der Spannungskopfschmerz, der ebenfalls oft im Nacken sitzt. Welche Formen es insgesamt gibt, erklären wir in unserem Überblick zu den Migräne-Arten.
Warum tut der Nacken bei einer Migräne weh?
Der Nacken schmerzt bei Migräne, weil der Trigeminusnerv, der Schmerz in Gesicht, Stirn und Hirnhäuten meldet, mit dem großen Hinterhauptsnerv im Nacken verschaltet ist. Das beschreiben Neurologen und Psychiater im Netz: Wird der Trigeminusnerv bei einer Migräne stärker aktiv, kann der Schmerz in Nacken und Hinterkopf ausstrahlen.
Migräne kann demnach auch Schmerzen im Gesicht, im Nacken, an den Augen oder im Zahnbereich verursachen, nicht nur das typische Pochen auf einer Kopfseite. Wenn du also denkst, „das kann keine Migräne sein, es tut ja im Nacken weh“, ist das ein verbreiteter Irrtum.
Der Nacken kann schon vor dem Kopfschmerz melden
Bei manchen Menschen kündigt sich eine Attacke Stunden bis Tage vorher an, in der sogenannten Vorphase (Prodromalphase). Laut MSD Manual können dabei Stimmungsschwankungen, Nackenschmerzen, Heißhunger, Appetitlosigkeit oder Übelkeit auftreten.
Das heißt: Der steife Nacken am Vorabend ist nicht unbedingt die Ursache des Kopfschmerzes am nächsten Tag. Er kann schon das erste Zeichen der Migräne sein. Mehr zu den Abläufen im Gehirn liest du in Migräne Ursachen: Was in deinem Gehirn wirklich passiert.
Und was ist mit dem Spannungskopfschmerz?
Auch der Spannungskopfschmerz wird häufig im Nacken wahrgenommen. Laut MSD Manual gehen die gängigen Vorstellungen derzeit von einer erhöhten Anspannung der Nackenmuskulatur aus, die bei häufigem Auftreten die Schmerzzentren im Gehirn empfindlicher machen kann. Ein klarer Beweis für Veränderungen in den Muskeln selbst fehlt allerdings.
Ein praktischer Hinweis: Spannungskopfschmerzen gehen laut MSD Manual nicht mit Übelkeit und Erbrechen einher und werden durch körperliche Aktivität, Licht, Geräusche oder Gerüche nicht schlimmer. Leichte Migräneattacken können ihnen aber zum Verwechseln ähnlich sehen. Mehr dazu findest du in Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?.
Was ist ein zervikogener Kopfschmerz?
Ein zervikogener Kopfschmerz ist ein Kopfschmerz, der von Störungen an der Halswirbelsäule ausgeht. Die DMKG nennt ihn auch „Kopfschmerz von der Wirbelsäule“ und beschreibt ihn so (Quelle: DMKG, Kopfschmerz von der Wirbelsäule):
- Meist ein einseitiger, mäßiger bis starker Dauerschmerz, der von Attacken überlagert sein kann, die einige Stunden bis mehrere Tage dauern.
- Der Schmerz beginnt im Nacken und zieht über den Schädel Richtung Stirn und Auge.
- Er wird durch Kopfbewegungen oder durch Druck auf bestimmte Punkte am Hinterkopf und an der Halswirbelsäule ausgelöst oder verstärkt.
Er ist laut DMKG selten: Zwischen einem und 15 Prozent der Patientinnen und Patienten in Kopfschmerz-Zentren haben Schäden oder Störungen an der Halswirbelsäule als Ursache, und etwa zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Im Alltag ist er also eher die Ausnahme als die Regel.
Warum ist er so schwer festzustellen?
Weil Veränderungen an der Halswirbelsäule bei Erwachsenen häufig sind, auch bei Menschen ganz ohne Beschwerden. Einfache Röntgenaufnahmen helfen deshalb laut DMKG kaum weiter. Als diagnostische Methode der Wahl nennt sie eine Nerven- oder Wurzelblockade mit örtlicher Betäubung, die in der Fachpraxis durchgeführt wird.
Was das für dich bedeutet: Ein „Befund“ an der Halswirbelsäule im Röntgenbild oder MRT erklärt deine Kopfschmerzen nicht automatisch. Das einzuordnen ist Aufgabe der Ärztin oder des Arztes.
Migräne oder zervikogener Kopfschmerz: Diese Unterschiede helfen bei der Einordnung
Eine klare Trennlinie gibt es nicht, aber ein paar Beobachtungen können dir und deiner Ärztin helfen. Wichtig: Die folgende Übersicht ist keine Diagnose, sondern eine Orientierung für das Gespräch.
| Beobachtung | Spricht eher für Migräne | Spricht eher für Kopfschmerz von der Halswirbelsäule |
|---|---|---|
| Schmerzverlauf | Attacken mit Pausen dazwischen | Eher Dauerschmerz, teils mit Attacken überlagert |
| Auslöser | Z. B. Stress, Schlaf, Zyklus, Wetter | Kopfbewegungen, Druck auf Punkte an Nacken und Hinterkopf |
| Begleitsymptome | Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, manchmal Aura | Nackenschmerz als Ausgangspunkt, Ausstrahlung zu Stirn und Auge |
| Seite | Oft einseitig, kann wechseln | Einseitig |
Die Angaben zum zervikogenen Kopfschmerz stammen von der DMKG, die typischen Migränemerkmale (Übelkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen) beschreibt das MSD Manual. Mehr zu Migräne mit und ohne Aura liest du bei Migräne ohne Aura.
Beides gleichzeitig ist möglich
Die DMKG weist darauf hin, dass fast jeder fünfte Mensch mit einem Kopfschmerz von der Wirbelsäule gleichzeitig unter anderen Kopfschmerzformen leidet, meist unter Migräne oder Spannungskopfschmerz. Und umgekehrt gilt: Auch eine Migräne beginnt oft im Nacken, obwohl die Wirbelsäule dabei keine Rolle spielt.
Du musst dich also nicht für eine Schublade entscheiden. Dein Nacken kann bei einer Migräne wehtun und trotzdem kann bei dir auch ein Beitrag von der Halswirbelsäule im Spiel sein. Das herauszufinden ist genau der Sinn einer ärztlichen Abklärung.
Wie sprichst du mit dem Arzt darüber, ohne dich selbst zu diagnostizieren?
Beschreibe, was du erlebst, statt einen Namen dafür zu nennen. „Ich habe eine HWS-Migräne“ ist eine Selbstdiagnose, „mein Nacken schmerzt vor jeder Attacke, und bei bestimmten Kopfbewegungen wird es schlimmer“ ist eine Beobachtung, mit der deine Ärztin arbeiten kann.
Neurologen und Psychiater im Netz raten, bei wiederkehrenden Beschwerden dieser Art eine Neurologin oder einen Neurologen aufzusuchen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch chronifizieren und die Behandlung dann nur noch begrenzt möglich ist (Quelle). Der erste Anlaufpunkt kann auch deine Hausarztpraxis sein, die dich bei Bedarf überweist.
Was du zum Termin mitbringen kannst
Ein Kopfschmerztagebuch hilft bei Diagnose und Behandlung. Die DMKG stellt dafür einen Kopfschmerzkalender zum Ausdrucken bereit. Was sich zu notieren lohnt, steht in Migränekalender: Was du notieren solltest.
Für das Thema Nacken sind diese Fragen besonders nützlich:
- Wo genau beginnt der Schmerz, und wohin zieht er?
- Kommt der Nackenschmerz vor, während oder nach dem Kopfschmerz?
- Wird es durch Kopfbewegungen, eine bestimmte Haltung oder Druck auf den Nacken schlimmer?
- Gibt es Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit, Flimmern oder andere Aurazeichen?
- Wie oft und wie lange dauern die Episoden?
- Welche Schmerzmittel nimmst du, und wie oft im Monat?
Die letzte Frage ist keine Kontrolle: Es geht darum, dass deine Ärztin das Gesamtbild sieht. Wenn du ohnehin jeden Tag Kopfschmerzen hast, lies auch Jeden Tag Kopfschmerzen: Mögliche Ursachen.
Steifer Nacken und Kopfschmerz: Wann du schnell Hilfe holen solltest
Ein steifer Nacken zusammen mit Fieber und Kopfschmerz ist ein Warnzeichen, bei dem du nicht abwarten solltest. Laut MSD Manual gehören Fieber und ein steifer Nacken, bei dem das Kinn nur schmerzhaft oder gar nicht auf die Brust gesenkt werden kann, zu den Warnzeichen, genauso wie ein sehr plötzlicher, starker Kopfschmerz (Donnerschlagkopfschmerz).
Die DMKG nennt als Notfall: extrem heftige Kopfschmerzen, die schlagartig auftreten und innerhalb von Sekunden bis Minuten ihr Maximum erreichen, besonders mit Nackensteife, hohem Fieber, epileptischen Anfällen, Bewusstseinsstörungen oder neurologischen Ausfällen (DMKG, Kopfschmerzen: Wann sind sie gefährlich?). Kommen Nackensteife und Fieber zusammen, kann eine Hirnhautentzündung dahinterstecken.
Das ist selten, aber ernst. In diesem Fall wählst du den Notruf 112 oder gehst in die Notaufnahme. Eine ausführliche Einordnung bekommst du in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?.
Zur Unterscheidung: Ein „normal“ verspannter Nacken bei einer Migräne kommt ohne Fieber und ohne dieses Gefühl, das Kinn gar nicht mehr zur Brust bringen zu können. Wenn du unsicher bist, ist ein Anruf bei der Hausarztpraxis oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) immer besser als Grübeln.
Im Alltag: Den Nacken entspannt halten, ohne dir Vorwürfe zu machen
Eine Migräne entsteht nicht, weil du „falsch sitzt“ oder dich zu wenig dehnst. Das Thema ist komplexer, und Schuldgefühle helfen deinem Nacken nicht.
Trotzdem kannst du an kleinen Stellschrauben drehen, die dir guttun. Welche Maßnahmen ohne Medikamente wirklich Sinn ergeben und was nicht belegt ist, haben wir in Migräne Hausmittel: Was ohne Medikamente wirklich hilft zusammengefasst. Für Behandlungen, auch physiotherapeutische, ist deine Ärztin die richtige Ansprechpartnerin, denn was passt, hängt davon ab, was bei dir tatsächlich dahintersteckt.
Und weil Stress Nacken und Migräne gleichermaßen belasten kann, könnte Stress und Migräne: So durchbrichst du den Teufelskreis für dich interessant sein.
Fazit
Ein schmerzender Nacken passt sehr gut zu einer Migräne: Er kann ein Vorbote sein, die Attacke begleiten oder danach nachklingen. Ein Kopfschmerz, der wirklich von der Halswirbelsäule kommt, ist dagegen deutlich seltener, und beide Formen können sogar gleichzeitig auftreten.
Du musst das nicht allein sortieren. Beobachte, wann und wie dein Nacken schmerzt, schreibe es auf und nimm es mit in die Praxis. Und wenn Fieber, ein steifer Nacken oder ein plötzlicher, nie dagewesener Kopfschmerz dazukommen, hole sofort Hilfe.
Häufige Fragen
Kann Migräne Nackenschmerzen verursachen?
Ja. Laut Neurologen und Psychiater im Netz kann Migräne Schmerzen im Nacken auslösen, weil der Trigeminusnerv mit dem großen Hinterhauptsnerv verbunden ist. Der Nackenschmerz kann vor, während oder nach der Kopfschmerzphase auftreten.
Woran erkenne ich, ob meine Kopfschmerzen von der Halswirbelsäule kommen?
Das kannst du allein nicht sicher feststellen. Typisch für einen zervikogenen Kopfschmerz ist laut DMKG ein einseitiger Dauerschmerz, der im Nacken beginnt und durch Kopfbewegungen oder Druck auf bestimmte Punkte stärker wird. Ob das bei dir zutrifft, klärt eine Ärztin oder ein Arzt ab.
Reicht ein Röntgenbild der Halswirbelsäule, um die Ursache zu finden?
Meist nicht. Die DMKG erklärt, dass Veränderungen an der Halswirbelsäule bei Erwachsenen häufig sind, auch ohne Beschwerden, und einfache Röntgenaufnahmen deshalb kaum weiterhelfen. Die Einordnung braucht das Gespräch, die Untersuchung und gegebenenfalls Spezialdiagnostik.
Wann ist ein steifer Nacken mit Kopfschmerzen ein Notfall?
Wenn zusätzlich Fieber auftritt, du das Kinn nicht mehr zur Brust bringen kannst oder der Kopfschmerz schlagartig und in nie gekannter Stärke beginnt. Laut MSD Manual und DMKG sind das Warnzeichen, die sofort ärztlich abgeklärt werden müssen. Wähle in diesem Fall den Notruf 112.
Quellen
- DEUTSCHE MIGRÄNE- UND KOPFSCHMERZ- GESELLSCHAFT Kopfschmerz von der Wirbelsäule
- Migräne kann auch Nackenschmerzen verursachen: Neurologen und Psychiater im Netz
- Migräneanfälle - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Spannungskopfschmerzen - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Überblick über Kopfschmerzen - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- DEUTSCHE MIGRÄNE- UND KOPFSCHMERZ- GESELLSCHAFT Kopfschmerzen:
- Kopfschmerzkalender Ihre Akutmedikamente: A: B: C: Ihre Prophylaxe: D: E: F:
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
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