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Illustration einer jungen Frau mit lockigem Haar, die die Augen schließt und die Hand an die schmerzende Schläfe legt, daneben zwei Blitze
Symptome

Migräne hinter dem Auge: Warum der Schmerz einseitig, an der Schläfe oder im Nacken sitzt

Von Laurine Nicoletti10 min

Es fängt oft leise an: ein Druck hinter dem linken Auge, der langsam in die Schläfe zieht und bald den halben Kopf einnimmt. Oder du spürst beim nächsten Mal den Schmerz rechts und fragst dich, ob da etwas nicht stimmt. Eine Migräne hinter dem Auge ist sehr häufig und meist kein Grund zur Sorge, auch wenn sie sich heftig anfühlt.

In diesem Artikel erfährst du, wo Migräne typischerweise sitzt, warum der Schmerz gerade dort landet und weshalb er von Attacke zu Attacke die Seite wechseln kann. Außerdem schauen wir, wie du Migräne von Spannungskopfschmerz und Cluster-Kopfschmerz unterscheidest. Einen größeren Überblick über alle Beschwerden findest du im Ratgeber Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Migräne ist typischerweise einseitig, pulsierend und beginnt oft im Bereich von Stirn, Schläfe und Auge.
  • Die Schmerzseite kann von Attacke zu Attacke wechseln, bei etwa jeder fünften Betroffenen ist der Kopf auf beiden Seiten betroffen.
  • Cluster-Kopfschmerz sitzt ebenfalls hinter dem Auge, ist aber kürzer, deutlich heftiger, von Unruhe und tränendem Auge begleitet und viel seltener.
  • Plötzliche, extrem starke Schmerzen oder Ausfälle wie Lähmung, Sprachstörung oder Fieber mit steifem Nacken gehören sofort in ärztliche Hände.

Wo sitzt der Migräneschmerz typischerweise?

Der Migräneschmerz sitzt meist auf einer Kopfseite und beginnt oft an Stirn, Schläfe oder Auge. Laut Neurologen und Psychiater im Netz beginnt der Kopfschmerz in der Regel auf einer Seite und breitet sich dann auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus. Er wird als pulsierend, pochend oder stechend beschrieben.

Auch gesundheitsinformation.de beschreibt Migräne als mäßige bis starke, oft halbseitige Kopfschmerzen, die pulsierend oder hämmernd wirken. Dazu kommen häufig Übelkeit und Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Dass sich der Schmerz bei Bewegung verstärkt, nennt auch das MSD Manual als typisch.

Wichtig: Es gibt nicht „die eine" Stelle. Je nach Attacke kann der Schmerz hinter dem Auge, an der Schläfe, in der Stirn oder auch im Nacken liegen. Wie sich die verschiedenen Formen unterscheiden, erklärt dir der Artikel Migräne Arten im Überblick.

Migräne hinter dem Auge: Warum sitzt der Schmerz so oft dort?

Der Schmerz liegt oft hinter dem Auge, weil der Gesichtsnerv (Trigeminusnerv) bei einer Attacke aktiv ist und genau dieses Gebiet versorgt. Nach Neurologen und Psychiater im Netz besteht eine enge Verflechtung zwischen den Blutgefäßen des Gehirns und den Nervenzellen des Trigeminusnervs. Feinste Verästelungen des Nervs liegen in den Wänden der Hirngefäße.

Bei einer Attacke sind bestimmte Bereiche im Hirnstamm besonders aktiv. Das aktiviert Äste des Trigeminusnervs, die an den Gefäßen der Hirnhaut eine schmerzhafte Entzündung auslösen können. Dieser Nerv leitet auch Empfindungen aus Stirn, Auge und Stirnhöhle weiter, deshalb „fühlt" sich der Schmerz dort an, obwohl das Auge selbst gesund ist.

Das ist auch der Grund, warum Migräne oft mit Beschwerden im Gesicht, an den Augen oder sogar an den Zähnen einhergeht. Die Neurologen und Psychiater im Netz nennen ausdrücklich Schmerzen in Gesicht, Nacken, Augen und Zahnbereich als mögliche Migräne-Beschwerden. Mehr über die Abläufe im Gehirn liest du in Migräne Ursachen: Was in deinem Gehirn wirklich passiert.

Und was ist mit Flimmern oder Sehstörungen?

Schmerz hinter dem Auge ist nicht dasselbe wie eine Sehstörung. Flimmern, Zackenlinien oder Lichtblitze gehören bei vielen zur Aura, also zu den Anzeichen, die vor oder mit dem Kopfschmerz auftreten können. Das erklärt dir der Artikel Augenmigräne und die Seite zu Lichtblitzen im Auge.

Gut zu wissen: Auch ganz ohne Aura ist Schmerz hinter dem Auge typisch. Wie Migräne ohne Aura verläuft, kannst du dort nachlesen.

Kann die Migräne von Attacke zu Attacke die Seite wechseln?

Ja, die Schmerzseite kann von Attacke zu Attacke wechseln, und das ist kein Alarmzeichen. Neurologen und Psychiater im Netz schreiben, dass sich der Schmerz später auf die andere Kopfseite ausdehnen kann und die Schmerzseite von Attacke zu Attacke wechseln kann. Etwa jeder fünfte Patient hat Kopfschmerzen auf beiden Seiten.

Warum das so ist, ist nicht bis ins Detail geklärt. Migräne ist eine Funktionsstörung des ganzen Gehirns, nicht eines einzelnen Punktes. Dass die Schmerzen mal links und mal rechts sitzen, passt also gut zu diesem Bild.

Was du daraus mitnehmen kannst:

  • Ein Seitenwechsel spricht nicht gegen Migräne. Er kommt bei vielen Betroffenen vor.
  • Eine Seite kann trotzdem häufiger betroffen sein. Das ist individuell verschieden.
  • Ein neuer, dauerhaft festsitzender Schmerz an einer Stelle ist etwas anderes als eine typische Attacke und sollte ärztlich angeschaut werden.

Über den Zeitraum einer Attacke hinweg kann sich der Schmerz außerdem verlagern. Eine Migräneattacke dauert laut Neurologen und Psychiater im Netz 4 bis 72 Stunden. In dieser Zeit kann er sich ausbreiten oder die Stelle wechseln. Wie sich eine Attacke in Phasen gliedert, steht in Wie lange dauert eine Migräne?.

Migräne, Spannungskopfschmerz oder Nacken: Woran erkennst du den Unterschied?

Der einfachste Unterschied: Spannungskopfschmerz sitzt auf beiden Seiten und drückt dumpf, Migräne pocht meist auf einer Seite und schränkt dich stark ein. Nach gesundheitsinformation.de macht sich Spannungskopfschmerz auf beiden Kopfseiten bemerkbar, fühlt sich drückend oder dumpf an und ist leicht bis mittelstark. Er dauert zwischen einer halben Stunde und sieben Tagen, verursacht keine Übelkeit und wird durch Alltagsbewegung nicht schlimmer.

Migräne ist dagegen meist mittelstark bis stark, pulsierend und schränkt die Betroffenen deutlich mehr ein. Dieselbe Quelle nennt zur Häufigkeit: Spannungskopfschmerz haben mehr als 300 von 1000 Menschen, Migräne etwa 100 bis 150 von 1000.

Im echten Leben sind die Grenzen aber manchmal unscharf. Der Artikel Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied? hilft dir bei der Einordnung.

Und der Nacken?

Nackenschmerzen sind bei Migräne nicht ungewöhnlich. Nach Neurologen und Psychiater im Netz lässt sich der Zusammenhang durch eine Verbindung zwischen dem Trigeminusnerv und dem großen Hinterhauptsnerv erklären. Wenn der Trigeminusnerv bei Migräne stärker aktiv ist, können dadurch auch Schmerzen im Nacken und Hinterkopf entstehen.

Das heißt: Ein verspannter Nacken muss nicht die Ursache sein, er kann auch Teil der Attacke sein. Mehr dazu findest du in Migräne Nackenschmerzen.

Und wenn es eher im Gesicht drückt, ist es manchmal gar keine Stirnhöhlenentzündung. Warum man das so leicht verwechselt, steht in Sinusitis oder Migräne?.

Migräne hinter dem Auge oder Cluster-Kopfschmerz?

Cluster-Kopfschmerz sitzt auch hinter dem Auge, ist aber kürzer, wesentlich heftiger und kommt mit typischen Begleitzeichen am selben Auge. Er ist laut gesundheitsinformation.de viel seltener als Migräne: Etwa 1 von 1000 Menschen hat ihn.

Die Neurologen und Psychiater im Netz beschreiben ihn so:

  • Der Schmerz sitzt immer einseitig hinter Auge, Stirn oder Schläfe und ist bohrend bis stechend.
  • Die Attacken dauern 15 bis 180 Minuten und treten im Mittel ein- bis zweimal in 24 Stunden auf, manchmal bis zu achtmal.
  • Sie kommen oft zur gleichen Tageszeit, vor allem ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen und vor dem Aufwachen.
  • Typisch sind eine laufende Nase, ein gerötetes, tränendes Auge und manchmal Hautrötung an Stirn und Schläfe.
  • Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Ein weiterer Hinweis ist dein Verhalten während der Attacke. Laut MSD Manual können sich Menschen mit Cluster-Kopfschmerzen im Gegensatz zu Menschen mit Migräne nicht hinlegen. Sie sind oft unruhig, während man bei Migräne eher Ruhe sucht. Dazu können laut MSD ein hängendes Augenlid auftreten, und Alkohol kann in den aktiven Phasen eine Attacke auslösen.

Das Wort „Cluster" kommt übrigens daher, dass sich die Attacken in bestimmten Zeiträumen häufen. gesundheitsinformation.de erklärt das ausführlicher.

Für Cluster-Kopfschmerz gibt es spezielle Akutmaßnahmen, etwa das Einatmen von reinem Sauerstoff über eine Maske. Das beschreiben die Neurologen und Psychiater im Netz. Ob so etwas für dich in Frage kommt, kann nur ein Arzt oder eine Ärztin entscheiden. Eine Selbstdiagnose reicht hier nicht.

Wenn du dich in der Beschreibung wiedererkennst, sprich bald mit deiner Hausärztin oder einem Neurologen. Wie du den Termin vorbereitest, erfährst du in Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?.

Wann ein einseitiger Schmerz ärztlich abgeklärt werden sollte

Einseitiger Kopfschmerz allein ist kein Warnzeichen, aber bestimmte Begleitumstände sind es. Nach dem MSD Manual solltest du sofort ärztliche Hilfe suchen, wenn zu den Kopfschmerzen einer dieser Punkte kommt:

  • Veränderungen des Sehvermögens, Schwäche, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Sprechschwierigkeiten
  • Fieber und ein steifer Nacken
  • ein plötzlicher, sehr starker Schmerz, der wie ein Donnerschlag einsetzt
  • Druckschmerz an den Schläfen (etwa beim Kämmen) oder Kieferschmerzen beim Kauen

Die DMKG beschreibt es ähnlich: Ein Notfall liegt vor, wenn extrem heftige Kopfschmerzen schlagartig auftreten und innerhalb von Sekunden oder Minuten ihr Maximum erreichen, oder wenn Nackensteife, hohes Fieber, Krampfanfälle oder neurologische Ausfälle dazukommen. In so einem Fall rufst du den Notruf 112.

Der Schläfendruckschmerz verdient noch einen Blick: Er kann zur Riesenzellarteriitis passen, einer Entzündung von Blutgefäßen. Das MSD Manual nennt Kopfhautschmerz beim Haarebürsten und Kieferschmerz beim Kauen als Symptome. Betroffen sind meist Menschen ab 50 Jahren, bei jungen Menschen ist sie sehr unwahrscheinlich. Trotzdem gilt: Bei Sehstörungen ist schnelles Handeln wichtig.

Eine ausführliche Orientierung bekommst du in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?. Und wenn es nicht nur gelegentlich, sondern fast täglich weh tut, lies Jeden Tag Kopfschmerzen.

So hältst du fest, wo du Schmerzen hast

Je genauer du deine Attacken beschreibst, desto leichter kann dein Arzt oder deine Ärztin sie einordnen. Das gilt besonders, wenn du dir bei Migräne, Spannungskopfschmerz oder etwas anderem nicht sicher bist.

Diese Punkte lohnen sich nach jeder Attacke:

  1. Seite und Stelle: links, rechts oder beidseits, hinter dem Auge, Schläfe, Stirn oder Nacken.
  2. Schmerzart: pulsierend, drückend, bohrend oder stechend.
  3. Dauer und Stärke: wann hat es angefangen, wie lange hat es gedauert, wie intensiv war es?
  4. Begleitzeichen: Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Aura, tränendes Auge, Unruhe.
  5. Mögliche Auslöser: Schlaf, Stress, Bildschirmzeit, Zyklus, Essen.

Wie du aus solchen Einträgen Muster liest, zeigt Migränetagebuch auswerten. Eine Checkliste, was in den Kalender gehört, findest du in Migränekalender: Was du notieren solltest.

Fazit: Der Ort des Schmerzes ist ein Hinweis, kein Urteil

Ein Schmerz hinter dem Auge, an der Schläfe oder auf nur einer Seite passt sehr gut zu Migräne. Dass die Seite wechselt, ist normal. Auch Nackenschmerzen können Teil einer Attacke sein.

Hilfreich ist, die Unterschiede zu kennen: Spannungskopfschmerz ist beidseitig und dumpf. Cluster-Kopfschmerz ist kurz, extrem stark, mit tränendem Auge und Unruhe. Plötzliche Donnerschlag-Schmerzen, Ausfälle oder Fieber mit steifem Nacken sind ein Fall für den Notruf.

Wenn du unsicher bist, schreib ein paar Wochen lang auf, wo und wie es weh tut, und nimm diese Notizen zum Termin mit. Eine Diagnose stellt immer ein Arzt oder eine Ärztin, nicht du allein und nicht dieser Artikel.

Häufige Fragen

Ist Migräne hinter dem Auge normal?

Ja, Schmerz hinter einem Auge ist eine typische Lokalisation der Migräne. Laut Neurologen und Psychiater im Netz beginnt der Schmerz oft auf einer Seite und breitet sich auf Stirn, Schläfe und Augenbereich aus. Das Auge selbst ist dabei in der Regel gesund.

Kann Migräne die Seite wechseln?

Ja. Die Schmerzseite kann von Attacke zu Attacke wechseln, und innerhalb einer Attacke kann der Schmerz auch auf die andere Seite wandern. Das ist laut Neurologen und Psychiater im Netz bekannt und kein Hinweis auf eine andere Erkrankung.

Woran erkenne ich den Unterschied zu Cluster-Kopfschmerz?

Cluster-Kopfschmerz ist immer einseitig, dauert 15 bis 180 Minuten und kommt mit tränendem, gerötetem Auge und laufender Nase auf derselben Seite. Betroffene sind laut MSD Manual meist unruhig und können nicht ruhig liegen. Bei Migräne suchen die meisten dagegen Ruhe und Dunkelheit.

Sind Nackenschmerzen bei Migräne ein schlechtes Zeichen?

Nein, sie können zur Attacke gehören. Die Neurologen und Psychiater im Netz erklären das mit der Verbindung zwischen Trigeminusnerv und großem Hinterhauptsnerv. Kommt aber Fieber mit steifem Nacken dazu, ist das ein Notfall.

Wann sollte ich wegen eines einseitigen Kopfschmerzes zum Arzt?

Wenn die Schmerzen neu sind, sich verändern, häufiger werden oder du dir unsicher bist, lass sie abklären. Bei plötzlichen, extrem starken Schmerzen, Sehveränderungen, Lähmungen, Sprachstörungen oder Fieber mit steifem Nacken ruf sofort den Notruf 112. Das nennt auch das MSD Manual als Warnzeichen.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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