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Frau mit Kopftuch hält sich schmerzverzerrt die Schläfe, daneben Nasennebenhöhlen und ein Gehirn mit Schmerzblitzen
Symptome

Sinusitis oder Migräne? Warum man beides so leicht verwechselt

Von Laurine Nicoletti9 min

Du hast Druck hinter der Stirn, die Nase ist zu, die Wange pocht. Also Nebenhöhlenentzündung, oder? Beim dritten Mal in zwei Monaten fragst du dich vielleicht, ob es wirklich eine Sinusitis ist. Genau diese Frage, Sinusitis oder Migräne, stellen sich erstaunlich viele Menschen, und oft steckt eine Migräne dahinter.

In diesem Artikel erfährst du, warum die beiden so oft verwechselt werden, woran du eine echte Nasennebenhöhlenentzündung erkennst, welche Zeichen eher für Migräne sprechen und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Einen größeren Überblick über die Anzeichen findest du auch in unserem Beitrag zu den Migräne-Symptomen.

Kurz gesagt

  • Viele Kopfschmerzen, die als „Sinus-Kopfschmerz“ gelten, sind in Wirklichkeit Migräne, weil Migräne auch Nasen- und Gesichtsbeschwerden auslösen kann.
  • Eine echte Sinusitis kommt meist mit einem Infekt, Fieber oder eitrigem Schnupfen und klingt nach ein bis zwei Wochen ab.
  • Wiederkehrende Attacken mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Aura sprechen eher für Migräne.
  • Bei Warnzeichen wie hohem Fieber, geschwollenen Augen oder Nackensteife brauchst du schnell ärztliche Hilfe.

Warum verwechselt man Sinusitis und Migräne so oft?

Weil beide Erkrankungen Schmerzen im Gesicht und Kopf verursachen und weil eine Migräne auch Nasenbeschwerden mitbringen kann. Das MSD Manual weist darauf hin, dass Migräne häufig fälschlich als Sinuskopfschmerz diagnostiziert wird, weil ihre autonomen Begleitsymptome übersehen werden. Autonom heißt: Dein Nervensystem steuert Dinge, die du nicht bewusst beeinflusst, etwa Tränenfluss oder eine laufende Nase.

Dazu kommt ein weiterer Punkt: Wenn du Schmerzen über den Augen oder an der Wange spürst, denkst du sofort an die Nebenhöhlen. Dass der Migräneschmerz auch dort sitzen kann, ist vielen nicht bewusst. Das MSD Manual betont außerdem, dass Migräne auch beidseitig sein und nicht immer pochen kann. Das passt nicht zum klassischen Bild, das viele im Kopf haben.

Das erklärt, warum so viele Menschen jahrelang von „Sinus-Kopfschmerzen“ sprechen, ohne dass je eine Nebenhöhlenentzündung festgestellt wurde. Wenn der Schmerz an Stirn, Wange oder Auge sitzt und die Nase dabei zu ist, liegt der Gedanke an die Nebenhöhlen einfach nahe.

Hilfreich ist deshalb eine Frage: Kommen die Beschwerden immer mit einer Erkältung, oder tauchen sie auch ohne Schnupfen auf? Allein diese Beobachtung kann dir einen ersten Hinweis geben, in welche Richtung es geht.

Woran erkennst du eine echte Sinusitis?

Eine echte Nasennebenhöhlenentzündung zeigt sich meist durch eine verstopfte Nase, erschwerte Nasenatmung, eingeschränkten Geruchssinn und drückende Gesichtsschmerzen. Manchmal kommen Fieber und Kopfschmerzen dazu, die Schmerzen sitzen häufig an Stirn, Oberkiefer oder rund um die Augen. Meist beginnt alles mit einer Erkältung.

Typisch ist außerdem der Verlauf: Eine akute Sinusitis klingt in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst wieder ab. Meist sind Viren die Ursache, Antibiotika sind dann in der Regel nicht nötig, weil sie nur gegen Bakterien wirken.

Auf diese Merkmale kannst du achten:

  • Die Beschwerden beginnen mit oder nach einem Schnupfen oder einer Erkältung.
  • Der Nasenschleim ist zäh und gelblich-grün, nicht nur klar.
  • Der Druck im Gesicht ist stärker, wenn du dich bückst.
  • Du hast eventuell Fieber und fühlst dich insgesamt krank.
  • Die Beschwerden halten über Tage an und werden dann besser.

Von einer chronischen Sinusitis spricht man übrigens erst, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern. Einzelne Attacken, die nach Stunden verschwinden und dann wiederkommen, passen nicht dazu.

Welche Zeichen sprechen eher für Migräne?

Eher für Migräne sprechen Attacken, die in Schüben kommen, mäßig bis stark sind und von Übelkeit sowie Licht- oder Lärmempfindlichkeit begleitet werden. Das MSD Manual beschreibt Migräneschmerz als oft einseitig, pulsierend und bei Anstrengung schlimmer, begleitet von Übelkeit und Überempfindlichkeit gegen Licht, Geräusche oder Gerüche. Eine Attacke dauert unbehandelt typischerweise 4 bis 72 Stunden.

Hinweise, die zu einer Migräne passen:

  • Wiederkehrende Attacken mit beschwerdefreien Zeiten dazwischen, auch ohne Erkältung.
  • Übelkeit oder Erbrechen, mehr dazu in unserem Artikel zu Migräne und Übelkeit.
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit: Du willst es dunkel und still haben.
  • Verschlimmerung bei Bewegung, etwa beim Treppensteigen.
  • Eine Aura vor den Schmerzen, zum Beispiel Flimmern. Wie das aussieht, erklärt der Beitrag zur Migräne mit Aura.

Das Besondere: Auch bei Migräne kann die Nase laufen oder zu sein und das Auge tränen. Laut MSD Manual zeigen sich Zeichen einer Aktivierung des Parasympathikus (ein Teil des vegetativen Nervensystems) bei bis zu 82 Prozent der Betroffenen, am häufigsten leichtes Augentränen. Eine laufende Nase allein beweist also keine Sinusitis.

Sinusitis oder Migräne: Der Vergleich auf einen Blick

Die folgende Übersicht hilft dir bei der Einordnung. Sie ersetzt keine Diagnose, denn die Grenzen sind fließend, und eine Erkältung kann auch eine Migräne auslösen.

SinusitisMigräne
BeginnMeist nach oder mit einem InfektAttacken, oft ohne erkennbaren Infekt
VerlaufKlingt nach 1 bis 2 Wochen abEinzelne Attacken von 4 bis 72 Stunden, wiederkehrend
SchmerzDruck im Gesicht, schlimmer beim BückenOft pulsierend, schlimmer bei Bewegung
NaseZäher, gelblich-grüner SchleimKlare, laufende oder verstopfte Nase möglich
BegleitsymptomeFieber, Geruchssinn eingeschränktÜbelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, evtl. Aura
WiederholungSelten mehrfach im JahrOft regelmäßig, auch in Mustern (z. B. um die Periode)

Wichtig: Beide Erkrankungen können gleichzeitig vorkommen. Wenn du Migräne hast, bist du vor einem Infekt nicht gefeit.

Was kannst du tun, um mehr Klarheit zu bekommen?

Am meisten hilft es, deine Kopfschmerzen über einige Wochen zu dokumentieren. Ob eine Attacke immer nach einer Erkältung kommt oder auch ohne Schnupfen, ob Übelkeit dabei ist, wie lange sie dauert und was dir vorher aufgefallen ist: Diese Details helfen deiner Ärztin oder deinem Arzt bei der Einordnung viel mehr als die Aussage „es sitzt in den Nebenhöhlen“.

Folgendes kannst du notieren:

  • Datum, Beginn und Dauer der Attacke
  • Stärke der Schmerzen und Stelle (einseitig, beidseitig, Stirn, Wange, Auge)
  • Begleitsymptome wie Übelkeit, Lichtscheu, Fieber, Schleimfarbe
  • Mögliche Auslöser: Schlaf, Stress, Wetter, Zyklus, Ernährung

Wie du so ein Protokoll sinnvoll anlegst, steht im Beitrag zum Migränekalender. Auslöser findest du Schritt für Schritt mit der Anleitung Migräne Auslöser erkennen.

Das Wetter als Fehlalarm

Viele Betroffene spüren Attacken bei Wetterumschwüngen und schließen daraus auf die Nebenhöhlen. Ob und wie stark der Luftdruck wirklich eine Rolle spielt, ist wissenschaftlich nicht eindeutig. Was die Studien dazu zeigen, kannst du im Artikel Luftdruck und Migräne nachlesen.

Noch eine Abgrenzung: Migräne oder normaler Kopfschmerz?

Neben Sinusitis und Migräne gibt es weitere Kopfschmerzformen, etwa den Spannungskopfschmerz. Die Unterschiede erklärt der Beitrag Migräne oder Kopfschmerzen.

Wann solltest du zum Arzt?

Geh zum Arzt, wenn deine Beschwerden nach etwa zwei Wochen nicht besser werden oder immer wiederkehren. Das gilt für hartnäckigen Schnupfen mit Gesichtsschmerz genauso wie für Kopfschmerzattacken, die du seit Monaten als „Sinus“ abtust. Die Hausärztin ist ein guter erster Anlaufpunkt, bei Bedarf überweist sie dich an HNO oder Neurologie.

Bei diesen Zeichen solltest du dich zeitnah ärztlich untersuchen lassen, in der Praxis oder in der Klinik:

  • hohes Fieber oder Schüttelfrost
  • Schwellung oder Rötung rund um die Augen
  • sehr starke Gesichtsschmerzen
  • Nackensteife oder auffallende Lichtempfindlichkeit zusammen mit Fieber

Diese Hinweise nennt das MSD Manual für Patienten zur Nasennebenhöhlenentzündung als mögliche Anzeichen einer ernsten Komplikation. Bei plötzlichen, extrem heftigen Kopfschmerzen oder neuen neurologischen Ausfällen gehst du nicht abwarten, sondern holst sofort Hilfe, siehe Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt.

Eine Migräne wird laut MSD Manual anhand der typischen Symptome und einer unauffälligen körperlichen und neurologischen Untersuchung diagnostiziert, einen Labortest oder bildgebende Verfahren dafür gibt es nicht. Deine Beschreibung ist also der wichtigste Baustein.

Beschreibe deshalb möglichst genau, wie sich eine typische Attacke anfühlt: wo sie beginnt, wie lange sie dauert, ob dir dabei übel wird und ob du dich zurückziehen möchtest. Auch die Frage, ob Fieber oder gelblicher Schleim dabei waren, hilft bei der Einordnung.

Wenn du dein Kopfschmerz-Protokoll mitbringst, musst du nicht alles aus dem Gedächtnis erzählen. So bleibt im Gespräch mehr Zeit, gemeinsam zu klären, was hinter deinen Beschwerden steckt. Welche Behandlung für dich passt, klärst du immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Fazit: Nicht jeder Druck im Gesicht kommt aus der Nase

Wenn du wiederkehrende Attacken hast, die mit Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder Aura einhergehen, lohnt es sich, an Migräne zu denken, auch wenn die Nase zu ist. Eine echte Sinusitis ist dagegen meist an einen Infekt gekoppelt und klingt nach ein bis zwei Wochen ab.

Beobachte deine Attacken ein paar Wochen, schreibe sie auf und nimm die Notizen mit zum Termin. So kommst du schneller zu einer treffenden Einordnung und musst nicht weiter bei jeder Attacke an die Nebenhöhlen denken.

Häufige Fragen

Kann Migräne eine verstopfte Nase verursachen?

Ja, Migräne kann mit Nasen- und Augenbeschwerden einhergehen, etwa einer verstopften oder laufenden Nase und Augentränen. Laut MSD Manual finden sich solche autonomen Zeichen bei bis zu 82 Prozent der Betroffenen. Das allein beweist deshalb keine Nebenhöhlenentzündung.

Wie lange dauert eine Nebenhöhlenentzündung im Vergleich zu einer Migräneattacke?

Eine akute Sinusitis klingt meist nach ein bis zwei Wochen von selbst ab, wie gesundheitsinformation.de erklärt. Eine einzelne Migräneattacke dauert dagegen unbehandelt typischerweise 4 bis 72 Stunden, kann aber immer wiederkehren.

Braucht man bei Sinusitis immer ein Antibiotikum?

Nein. Auf Antibiotika kann bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung in der Regel verzichtet werden, da sie nur gegen Bakterien wirken und die meisten Fälle durch Viren verursacht werden. Ob ein Antibiotikum sinnvoll ist, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.

Kann man gleichzeitig Sinusitis und Migräne haben?

Ja, beide können zusammen auftreten, und ein Infekt kann eine Migräneattacke begünstigen. Deshalb ist es sinnvoll, Verlauf und Begleitsymptome zu beobachten und bei wiederkehrenden Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.

Sollte ich bei wiederkehrenden „Sinus-Kopfschmerzen“ zum HNO oder zur Neurologie?

Beides ist möglich. Ein guter Start ist die Hausarztpraxis, die dich je nach Beschwerden weiterleitet. Mit einem Kopfschmerz-Protokoll kann die Ärztin oder der Arzt schneller einschätzen, welcher Weg sinnvoll ist.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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