
Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?
Du sitzt im Seminar oder im Büro, dein Kopf drückt, und du fragst dich: Migräne oder Kopfschmerzen? Ist das jetzt nur ein ganz normaler Kopfschmerz oder schon eine Migräne? Vielleicht hast du schon oft gehört „Das ist bestimmt nur Stress", und trotzdem fühlen sich manche Tage deutlich schlimmer an als andere.
Bei der Frage Migräne oder Kopfschmerzen geht es meistens um den Unterschied zwischen einer Migräne und einem Spannungskopfschmerz, der häufigsten Kopfschmerzform. In diesem Artikel erfährst du, woran du die beiden unterscheiden kannst, warum das wichtig ist und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Einen größeren Überblick über das Thema findest du auf unserer Seite Migräne-Diagnose.
Kurz gesagt
- Migräne ist eine eigene neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden, oft einseitigen und pochenden Attacken, meist mit Übelkeit und Licht- oder Lärmempfindlichkeit.
- Spannungskopfschmerz fühlt sich dumpf und drückend an, sitzt meist auf beiden Seiten und verschlimmert sich bei Bewegung nicht.
- Eine sichere Unterscheidung gelingt am besten mit einem Kopfschmerztagebuch und einem Gespräch mit deiner Hausarztpraxis oder einer neurologischen Praxis.
- Plötzliche, extrem heftige Kopfschmerzen oder Kopfschmerzen mit Fieber, Nackensteife oder Ausfällen sind ein Fall für sofortige ärztliche Hilfe.
Was ist der Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen?
Der wichtigste Unterschied: „Kopfschmerzen" ist der Oberbegriff für viele verschiedene Beschwerden, die Migräne ist eine davon. Daneben gibt es zum Beispiel den Spannungskopfschmerz und den Clusterkopfschmerz.
Das erklärt, warum die Frage so oft Verwirrung stiftet. Wenn jemand sagt „Ich habe Kopfschmerzen", kann damit ein harmloser, dumpfer Druck gemeint sein, aber auch eine Migräneattacke. Erst die Details verraten dir mehr: Wo sitzt der Schmerz, wie fühlt er sich an, und was passiert sonst noch in deinem Körper?
Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Stärke zu achten. Auch ein Schmerz, der „nur" mittelstark ist, kann zu einer Migräne gehören, wenn zum Beispiel Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit dazukommen. Im Folgenden schauen wir uns beide Formen nacheinander an.
Im Alltag sagen die meisten „Kopfschmerzen" und meinen den Spannungskopfschmerz. Er ist laut Gesundheitsinformation.de die häufigste Form: Mehr als 300 von 1000 Menschen sind betroffen, bei der Migräne sind es etwa 100 bis 150 von 1000.
Auch in Deutschland zeigt sich das Bild, auch wenn die Zahlen je nach Studie schwanken. In der Studie BURDEN 2020 des Robert Koch-Instituts erfüllten 14,8 % der Frauen und 6,0 % der Männer die vollständigen Kriterien für Migräne. Von Spannungskopfschmerzen waren 10,3 % der Frauen und 6,5 % der Männer betroffen.
Wie fühlt sich ein Spannungskopfschmerz an?
Ein Spannungskopfschmerz ist ein dumpfer, drückender oder ziehender Schmerz, der meist beide Kopfseiten betrifft. Laut Gesundheitsinformation.de kann er sich anfühlen, als säße ein Helm oder ein Stirnband zu eng.
Typische Merkmale sind:
- Schmerzcharakter: drückend, dumpf oder ziehend, nicht pulsierend
- Stärke: leicht bis mittelstark
- Dauer: von etwa einer halben Stunde bis zu einigen Tagen
- Begleitsymptome: keine Übelkeit, höchstens eine leichte Empfindlichkeit für Licht oder Lärm
- Alltag: Du kannst meist weitermachen, und der Schmerz wird bei körperlicher Aktivität nicht stärker
Als mögliche Auslöser nennt Gesundheitsinformation.de Stress, Schlafstörungen, Schmerzen im Nacken- oder Kieferbereich und eine Belastung der Augen. Wer viel am Bildschirm sitzt, kennt das vielleicht. Wie es mit dem Blaulicht wirklich aussieht, liest du in unserem Artikel Migräne und Bildschirm.
Wie fühlt sich eine Migräne an?
Eine Migräne ist ein wiederkehrender, meist einseitiger, pochender oder pulsierender Schmerz, der so stark sein kann, dass er den Alltag deutlich einschränkt. Die Neurologen und Psychiater im Netz beschreiben als charakteristisches Merkmal einen einseitigen, pochenden, pulsierenden oder stechenden Schmerz zusammen mit Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Typische Merkmale sind:
- Schmerzcharakter: pochend, pulsierend oder stechend, oft auf einer Kopfseite
- Stärke: mittel bis stark, bei Bewegung oft schlimmer
- Dauer: unbehandelt laut Gesundheitsinformation.de etwa 4 bis 72 Stunden
- Begleitsymptome: Übelkeit, manchmal Erbrechen, Empfindlichkeit für Licht, Geräusche und teils Gerüche
- Alltag: Viele Betroffene müssen sich hinlegen und abdunkeln
Die Migräne gilt als neurologische Erkrankung. Sie ist also kein „stärkerer Kopfschmerz", sondern eine eigene Erkrankung, die das Nervensystem betrifft. Manche Menschen spüren schon Stunden vor dem Schmerz eine Vorphase, etwa Stimmungsschwankungen oder Heißhunger.
Und was ist eine Aura?
Eine Aura sind vorübergehende neurologische Symptome, die vor oder zu Beginn der Kopfschmerzen auftreten können. Laut MSD Manual sind das häufig Sehstörungen wie Lichtblitze oder flimmernde Zickzacklinien, manchmal auch Kribbeln, Taubheit oder Sprachstörungen.
Die Aura entwickelt sich meist über einige Minuten und hält typischerweise etwa 15 bis 30 Minuten an, höchstens aber rund eine Stunde. Danach setzt der Kopfschmerz oft erst ein. Nur ein Teil der Menschen mit Migräne hat eine Aura. Hattest du so etwas zum ersten Mal, lass es ärztlich abklären.
Migräne oder Kopfschmerzen: Woran erkennst du den Unterschied?
Du erkennst den Unterschied vor allem an vier Dingen: Schmerzcharakter, Stärke, Begleitsymptome und der Frage, wie sich Bewegung auf den Schmerz auswirkt. Eine Faustregel zum Nachfühlen:
- Wenn der Schmerz drückt, beide Seiten betrifft, du dich aber noch bewegen kannst und dir nicht übel ist, spricht das eher für Spannungskopfschmerz.
- Wenn der Schmerz pocht, eher auf einer Seite sitzt, bei Treppensteigen schlimmer wird und Licht, Lärm oder Übelkeit dazukommen, spricht das eher für Migräne.
Das ist keine Diagnose, sondern eine Orientierung. Fast alle Merkmale können sich überschneiden, und manche Menschen haben beide Formen. Laut Neurologen und Psychiater im Netz gibt es keinen Bluttest und keine Untersuchung, die eine Migräne beweist. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt im Gespräch sowie durch eine körperliche und neurologische Untersuchung.
Wie hilft dir ein Kopfschmerztagebuch?
Ein Kopfschmerztagebuch macht deine Attacken sichtbar und erleichtert die Diagnose. Die Neurologen und Psychiater im Netz empfehlen, über vier bis sechs Wochen Zeitpunkt, Art, Stärke, Dauer, Begleiterscheinungen, mögliche Auslöser und eingenommene Medikamente festzuhalten.
Auch Gesundheitsinformation.de bietet dazu ein Migräne-Tagebuch an. Das Aufschreiben ist mühsam, wenn du gerade Schmerzen hast. Deshalb hilft es, wenn es schnell geht.
Ein Beispiel: Du notierst, dass der Schmerz an einem Tag drückend und beidseitig war und du trotzdem arbeiten konntest. An einem anderen Tag pocht es auf einer Seite, du musst dich hinlegen, und Licht stört dich. Schon nach wenigen Wochen siehst du so schwarz auf weiß, dass es zwei verschiedene Muster sind.
Mit diesen Notizen fällt es dir auch im Arztgespräch leichter, deine Beschwerden zu beschreiben. Du musst dich nicht mehr auf dein Gedächtnis verlassen, und deine Ärztin oder dein Arzt bekommt ein klareres Bild von dem, was du erlebst.
Warum ist es wichtig, den Unterschied zu kennen?
Es ist wichtig, weil Migräne und Spannungskopfschmerz unterschiedlich behandelt werden und du so gezielter vorbeugen kannst. Eine Therapie, die bei der einen Form hilft, passt nicht automatisch zur anderen.
Bei Migräne gibt es eigene Medikamentengruppen, zum Beispiel Triptane. Welche Behandlung bei Spannungskopfschmerz oder Migräne für dich passt, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Ein weiterer Grund: Wer Schmerz- oder Migränemittel sehr oft einnimmt, riskiert zusätzliche Dauerkopfschmerzen. Dieser Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entsteht meist bei Menschen, die ohnehin Migräne oder Spannungskopfschmerz haben. Wie oft „zu oft" ist, hängt vom Mittel ab, besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wenn du mehr über die Hintergründe wissen willst: Migräne hat auch eine erbliche Komponente, mehr dazu in unserem Artikel Migräne erblich?. Und bei jüngeren Betroffenen lohnt der Blick in Migräne bei Kindern und Jugendlichen.
Wann solltest du mit Kopfschmerzen zum Arzt?
Du solltest zum Arzt oder zur Ärztin, wenn Kopfschmerzen regelmäßig auftreten, schlecht auf Schmerzmittel ansprechen oder häufiger werden. So fassen es die Neurologen und Psychiater im Netz zusammen. Ein guter erster Schritt ist die Hausarztpraxis, die dich bei Bedarf weiterleitet.
Sofortige ärztliche Hilfe brauchst du bei Warnzeichen. Laut MSD Manual und den Neurologen und Psychiatern im Netz gehören dazu:
- extrem heftige Kopfschmerzen, die innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten ihr Maximum erreichen („wie ein Donnerschlag")
- Kopfschmerzen mit hohem Fieber und steifem Nacken
- Veränderungen des Sehvermögens, Schwäche, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Sprechprobleme
- epileptische Anfälle oder Bewusstseinsstörungen
Im Zweifel wählst du den Notruf 112. Das ist kein Grund zur Panik: Die allermeisten Kopfschmerzen sind harmlos. Aber lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig.
Fazit: Deine Kopfschmerzen zu verstehen, ist der erste Schritt
Migräne und Spannungskopfschmerz unterscheiden sich in Schmerzart, Stärke, Dauer und Begleitsymptomen, und die Grenze verschwimmt im Alltag oft. Du musst das nicht allein auseinanderhalten. Notiere dir ein paar Wochen lang, wann und wie deine Kopfschmerzen auftreten, und nimm diese Aufzeichnungen mit zum Termin.
So bekommst du leichter eine klare Einordnung, und aus „irgendwie schon wieder Kopfweh" werden Muster, mit denen du arbeiten kannst. Weitere Themen rund um deine Attacken findest du im Bereich Migräne-Diagnose, Tipps zum Vorbeugen unter Migräne-Auslöser und zum Umgang mit akuten Attacken unter Migräne-Behandlung.
Häufige Fragen
Ist Migräne einfach nur ein starker Kopfschmerz?
Nein, Migräne ist eine eigene neurologische Erkrankung und mehr als ein besonders starker Kopfschmerz. Laut Neurologen und Psychiater im Netz gehören dazu neben dem Schmerz oft Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Kann man Migräne und Spannungskopfschmerz gleichzeitig haben?
Ja, beide Formen können bei derselben Person vorkommen. Laut MSD Manual entwickelt sich ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz meist bei Menschen mit Migräne oder Spannungskopfschmerz. Ein Kopfschmerztagebuch hilft, die einzelnen Attacken auseinanderzuhalten.
Wie lange dauert eine Migräne im Vergleich zu Spannungskopfschmerz?
Eine unbehandelte Migräneattacke dauert laut Gesundheitsinformation.de etwa 4 bis 72 Stunden. Ein Spannungskopfschmerz kann eine halbe Stunde bis zu einigen Tagen anhalten.
Brauche ich für die Diagnose eine Bildgebung wie MRT?
Nicht unbedingt. Laut Neurologen und Psychiater im Netz stellt die Ärztin oder der Arzt die Migräne-Diagnose vor allem im Gespräch und nach einer klinischen und neurologischen Untersuchung. Ob weitere Untersuchungen nötig sind, entscheidet deine Praxis im Einzelfall.
Quellen
- Wie unterscheiden sich verschiedene Arten von Kopfschmerzen?
- RKI - Journal of Health Monitoring - Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020 - Journal of Health Monitoring S6/2020
- Spannungskopfschmerzen - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Spannungskopfschmerzen
- Migräne » Diagnostik »
- Migräne »
- Vorphase kann Migräne-Attacke ankündigen: Neurologen und Psychiater im Netz
- Migräneanfälle - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Migräne-Tagebuch
- Medikamente gegen Migräne
- Medikamenteninduzierter Kopfschmerz - Neurologie - MSD Manual Profi-Ausgabe
- Überblick über Kopfschmerzen - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
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