
Jeden Tag Kopfschmerzen: Mögliche Ursachen und was dahintersteckt
Du wachst auf und der Kopf drückt schon, bevor der Tag richtig anfängt. Mittags nimmst du eine Tablette, abends fühlt es sich wieder dumpf an, und am nächsten Morgen geht es von vorn los. Wenn du jeden Tag Kopfschmerzen hast, fragst du dich vermutlich irgendwann: Ist das noch normal?
Kurz gesagt: Tägliche oder fast tägliche Kopfschmerzen haben meist erklärbare Ursachen. Am häufigsten stecken ein chronischer Spannungskopfschmerz, eine Migräne, die sich gehäuft hat, oder Schmerzmittel dahinter, die selbst Kopfschmerzen aufrechterhalten. In diesem Artikel erfährst du, wie du das einordnen kannst, was die Fachgesellschaften dazu sagen und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Mehr Grundlagen findest du auch auf unserer Seite Migräne-Diagnose.
Eine Diagnose kann dieser Text nicht ersetzen. Aber er kann dir helfen, mit besseren Fragen in die Sprechstunde zu gehen.
Kurz gesagt
- Medizinisch zählt vor allem, an wie vielen Tagen im Monat der Kopf wehtut: Spannungskopfschmerzen gelten laut MSD Manual als chronisch, wenn sie an mindestens 15 Tagen im Monat auftreten.
- Tägliche oder fast tägliche Kopfschmerzen stecken meist hinter einem chronischen Spannungskopfschmerz, einer gehäuften Migräne oder einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch.
- Laut gesundheitsinformation.de gelten bei Triptanen und Ergotaminen schon zehn Einnahmetage pro Monat als zu häufig, bei einfachen Schmerzmitteln liegt die Grenze nach dem MSD Manual bei 15 Tagen.
- Ein Kopfschmerztagebuch hilft Ärztinnen und Ärzten bei der Diagnose, und bei plötzlichen, extrem heftigen Schmerzen oder Warnzeichen wie Fieber mit Nackensteifigkeit solltest du sofort ärztliche Hilfe holen.
Ab wann spricht man von täglichen oder chronischen Kopfschmerzen?
Auch wenn du dich "jeden Tag" erschlagen fühlst: Medizinisch zählt vor allem, wie oft im Monat der Kopf wehtut. Bei Spannungskopfschmerzen gilt: Episodisch heißt, sie treten an weniger als 15 Tagen im Monat auf, chronisch heißt, an mindestens 15 Tagen im Monat, so beschreibt es das MSD Manual.
Bei der Migräne liegt die Grenze ähnlich: Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn über mehr als drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten, von denen mindestens 8 die Migränekriterien erfüllen.
Warum habe ich jeden Tag Kopfschmerzen? Die drei häufigsten Ursachen
Bei den meisten Menschen steckt keine gefährliche Erkrankung dahinter, sondern eine der folgenden drei Erklärungen. Sie können sich auch überlagern.
1. Chronischer Spannungskopfschmerz
Der Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform. Er fühlt sich auf beiden Kopfseiten drückend, dumpf oder beengend an, aber nicht pulsierend. Die Schmerzen sind leicht bis mittelstark und verursachen keine Übelkeit.
Als mögliche Hintergründe nennt das Informationsportal gesundheitsinformation.de unter anderem Stress, Schlafprobleme, Nacken- oder Kieferschmerzen und überanstrengte Augen. Wie genau er entsteht, ist nicht vollständig geklärt.
2. Migräne, die sich gehäuft hat
Migräne ist nicht immer der Anfall mit Übelkeit, bei dem du dich zwei Tage ins dunkle Zimmer legst. Typisch sind mittelstarke bis starke, oft halbseitige und pochende Schmerzen, die sich durch Bewegung verstärken und mit Licht-, Geräusch- oder Geruchsempfindlichkeit einhergehen.
Das MSD Manual weist darauf hin, dass sich aus einer episodischen Migräne eine chronische Migräne entwickeln kann, die Merkmale von Migräne und Spannungskopfschmerz vereint. Dann fühlt sich vieles wie ein einziger, dauernder Kopfschmerz an, obwohl dahinter eigentlich Migränetage und "leisere" Tage stehen.
3. Schmerzmittel, die den Kopfschmerz am Laufen halten
Das ist die Ursache, die viele nicht auf dem Schirm haben. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Der Teufelskreis: Wenn Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen machen
Wer sehr oft Schmerz- oder Migränemittel nimmt, kann dadurch mehr Kopfschmerzen bekommen. Fachleute sprechen von einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Das klingt unfair, ist aber gut bekannt: Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen sind dumpf und betreffen den gesamten Kopf.
Typisch ist, dass sie täglich oder fast täglich auftreten und oft schon beim Aufwachen da sind. Das erklärt, warum manche Menschen "jeden Morgen" mit Kopfschmerzen aufwachen.
Ab wann gilt es als zu häufig?
Die Faustregel lautet: Bei Triptanen und Ergotaminen gelten schon zehn Einnahmetage pro Monat als zu häufig. Bei einfachen Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen liegt die Grenze bei 15 oder mehr Einnahmetagen im Monat. Es geht dabei um die Anzahl der Tage, nicht um die Menge an einem einzelnen Tag.
Wichtig: Das ist keine Schuldfrage. Wer starke Schmerzen hat, greift zur Tablette, das ist völlig menschlich. Aber wenn du merkst, dass du regelmäßig an mehr als zehn Tagen im Monat etwas nimmst, besprich das am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Welche selteneren Ursachen kommen infrage?
Neben den drei Hauptverdächtigen gibt es weitere mögliche Mitspieler. Sie sind seltener, aber gut zu wissen, wenn die üblichen Erklärungen nicht passen.
- Kiefer: Eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zeigt sich unter anderem durch Kopfschmerzen, empfindliche Kaumuskeln und knackende Kiefergelenke. Auslöser kann Zähneknirschen oder Zusammenbeißen durch Stress sein, auch nachts.
- Nacken und Halswirbelsäule: Beim sogenannten Wirbelsäulenkopfschmerz beginnt der Schmerz im Nacken und zieht Richtung Stirn und Auge, oft ausgelöst durch Kopfbewegungen.
- Schlafapnoe: Bei obstruktiver Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) können morgens unter anderem Kopfschmerzen auftreten, oft zusammen mit trockenem Mund oder Halsschmerzen.
- Weitere Auslöser: Auch ein anderer Bildschirmalltag kann eine Rolle spielen, wobei das Blaulicht dabei weniger eindeutig ist, als viele denken. Mehr dazu liest du in unserem Artikel Migräne und Bildschirm.
Ob eine dieser Ursachen bei dir zutrifft, kann nur ärztlich geklärt werden.
Wann solltest du mit täglichen Kopfschmerzen zum Arzt?
Grundsätzlich lohnt sich ein Termin, wenn du regelmäßig Kopfschmerzen hast. Du musst nicht warten, bis es "schlimm genug" ist.
Dringend abklären solltest du Kopfschmerzen in diesen Situationen:
- Der Schmerz setzt schlagartig und extrem heftig ein und erreicht innerhalb von Sekunden oder Minuten sein Maximum (sogenannter Donnerschlagkopfschmerz). Das gilt laut DMKG als Warnsignal.
- Zu den Kopfschmerzen kommen Sehveränderungen, Schwäche, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Sprechschwierigkeiten.
- Du hast starke Kopfschmerzen zusammen mit Fieber und Nackensteifigkeit. Dann kann eine Hirnhautentzündung dahinterstecken.
Bei akuten Warnzeichen ruf den Notruf 112 oder suche eine Klinik auf. Das ist selten der Fall, aber lieber einmal zu viel als zu wenig.
Wie finde ich heraus, was ich habe?
Der wichtigste Schritt ist ein Kopfschmerztagebuch. Ärztinnen und Ärzte können eine Diagnose damit leichter stellen, wenn du darin festhältst, wie oft die Attacken auftreten, wie schwer sie sind, welche Begleitsymptome dazukommen und welche Medikamente du genommen hast. Ein Medikamentenkalender kann dabei zusätzlich helfen.
Ein Tagebuch zeigt auch Muster: Wird es nach schlechten Nächten schlimmer? Vor den Tagen deiner Periode? An Stresstagen? Solche Hinweise sind für das Gespräch in der Praxis Gold wert.
Wie kommt man aus dem Medikamentenkreislauf heraus?
Wenn ein Medikamentenübergebrauch im Spiel ist, gibt es einen Weg heraus. Wichtig: Setz Schmerz- oder Migränemittel nicht auf eigene Faust ab, sondern sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Der Weg hängt davon ab, welche Mittel du nimmst und welche Kopfschmerzform dahintersteckt.
Eine Möglichkeit ist eine Medikamentenpause. Dabei werden die Mittel laut gesundheitsinformation.de für etwa 7 bis 14 Tage abgesetzt. Das ist unangenehm, denn die Kopfschmerzen können sich zunächst verstärken. Das MSD Manual beschreibt, dass solche Beschwerden einige Tage bis zu vier Wochen anhalten können. Danach bessern sich die Schmerzen bei Medikamentenübergebrauch in der Regel und werden seltener.
Welche Optionen es bei häufiger oder chronischer Migräne gibt, erfährst du zum Beispiel in unserem Artikel zu Botox bei Migräne und dem PREEMPT-Schema. Ob eine Behandlung für dich passt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Was kann im Alltag helfen?
Neben der ärztlichen Abklärung kannst du dir im Alltag kleine Anker setzen:
- feste Schlafenszeiten, soweit es dein Leben zulässt
- regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
- kurze Pausen vom Bildschirm und Entspannung im Alltag
- ein Tagebuch, das dir zeigt, was dir guttut
Das ist keine schnelle Lösung. Welche weiteren Verfahren für dich infrage kommen, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Mehr Ideen zum Vorbeugen findest du auf unserer Seite Migräne-Auslöser.
Du musst nicht dauerhaft mit Schmerzen leben
Tägliche Kopfschmerzen sind belastend, aber sie sind kein Schicksal. Meist gibt es eine Erklärung, und für fast jede lassen sich Ansatzpunkte finden: eine vorbeugende Behandlung, weniger Akutmedikamente, Entspannung, Bewegung, besserer Schlaf. Es kann dauern, und nicht jede Maßnahme wirkt bei jeder Person gleich. Eine Garantie gibt es nicht.
Als nächster Schritt reicht oft schon etwas Kleines: Führe zwei bis drei Wochen lang ein Kopfschmerztagebuch, schreib auf, an welchen Tagen du etwas einnimmst, und bring es zu deinem Termin mit. Mit diesen Informationen kann dir deine Ärztin oder dein Arzt viel gezielter helfen.
Häufige Fragen
Ab wann gelten Kopfschmerzen als chronisch?
Bei Spannungskopfschmerzen spricht man laut MSD Manual von chronisch, wenn sie an mindestens 15 Tagen im Monat auftreten. Bei chronischer Migräne treten über mehr als drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auf, von denen mindestens 8 die Migränekriterien erfüllen.
Können Schmerzmittel Kopfschmerzen verursachen?
Ja, wer sehr oft Schmerz- oder Migränemittel nimmt, kann dadurch mehr Kopfschmerzen bekommen. Fachleute sprechen von Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Laut MSD Manual tritt er täglich oder fast täglich auf und ist oft schon beim Aufwachen da.
Wann ist die Einnahme von Schmerzmitteln zu häufig?
Laut gesundheitsinformation.de gelten bei Triptanen und Ergotaminen schon zehn Einnahmetage pro Monat als zu häufig. Bei einfachen Schmerzmitteln wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen liegt die Grenze nach dem MSD Manual bei 15 oder mehr Einnahmetagen im Monat. Besprich das am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wann sollte ich bei Kopfschmerzen dringend zum Arzt?
Dringend abklären solltest du Kopfschmerzen, die schlagartig und extrem heftig beginnen, oder solche mit Sehveränderungen, Schwäche, Verwirrtheit oder Sprechschwierigkeiten. Auch starke Kopfschmerzen mit Fieber und Nackensteifigkeit sind ein Warnzeichen. Bei akuten Warnzeichen ruf den Notruf 112 an.
Wie finde ich die Ursache meiner Kopfschmerzen heraus?
Ein Kopfschmerztagebuch erleichtert die Diagnose, wenn du darin festhältst, wie oft die Attacken auftreten, wie schwer sie sind, welche Begleitsymptome es gibt und welche Medikamente du genommen hast. So lassen sich auch Muster erkennen, etwa nach schlechten Nächten oder an Stresstagen.
Quellen
- Kurzinformationen:Spannungskopfschmerzen - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Das Bakteriengift Botulinum-Toxin hilft auch bei chronischer Migräne durch Medikamentenübergebrauch: Neurologen und Psychiater im Netz
- Wie unterscheiden sich verschiedene Arten von Kopfschmerzen?
- Spannungskopfschmerzen
- Migräne - Neurologie - MSD Manual Profi-Ausgabe
- Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen
- Kopfschmerzen durch übermäßigen Medikamentengebrauch - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Kiefergelenkerkrankungen (CMD) - Mund- und Zahnerkrankungen - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- DEUTSCHE MIGRÄNE- UND KOPFSCHMERZ- GESELLSCHAFT Kopfschmerz von der Wirbelsäule
- Obstruktive Schlafapnoe - Pneumologie - MSD Manual Profi-Ausgabe
- Häufige Kopfschmerzen keinesfalls länger hinnehmen - Gefahr eines Schmerzgedächtnisses besteht: Neurologen und Psychiater im Netz
- DEUTSCHE MIGRÄNE- UND KOPFSCHMERZ- GESELLSCHAFT Kopfschmerzen:
- Überblick über Kopfschmerzen - Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Migräne » Hinweise »
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
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