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Nachdenklicher Mann mit Hand am Kinn vor zwei Wegen: zu Hause bleiben oder ins Krankenhaus gehen
Diagnose

Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?

Von Laurine Nicoletti11 min

Dein Kopf schmerzt plötzlich ganz anders als sonst. Oder du kennst deine Migräne seit Jahren, und heute fühlt sich irgendetwas fremd an. Dann kommt schnell die Frage: Kopfschmerzen, wann zum Notarzt, und wann reicht es, sich hinzulegen und abzuwarten?

Zuerst die beruhigende Nachricht: Kopfschmerzen sind meistens kein Zeichen für einen bedenklichen Gesundheitszustand. Es gibt aber ein paar klare Warnzeichen, bei denen du nicht zögern solltest. In diesem Artikel gehen wir sie in Ruhe durch, ohne Panik und ohne Ferndiagnose. Er gehört zu unserem Bereich Migräne-Diagnose und ersetzt keine ärztliche Einschätzung.

Kurz gesagt

  • Extrem starke Kopfschmerzen, die innerhalb von Sekunden oder Minuten ihren Höhepunkt erreichen, gelten laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) als Notfall, der sofort abgeklärt werden muss.
  • Auch Kopfschmerzen mit Fieber und steifem Nacken, Lähmungen, Sprachstörungen, Sehverlust oder Bewusstseinsstörungen brauchen schnelle Hilfe über die 112.
  • Bei einer ärztlich bekannten Migräne, die so verläuft wie immer, ist das Abwarten in der Regel kein Notfall. Eine neue Art von Kopfschmerz oder ein verändertes Muster gehört dagegen in ärztliche Hände.
  • Dieser Text ist eine allgemeine Orientierung. Im Zweifel ruf die 116117 an, sprich mit deiner Praxis oder wähle bei Lebensgefahr die 112.

Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt?

Ruf die 112 oder lass dich sofort in die Notaufnahme bringen, wenn Kopfschmerzen schlagartig und extrem stark beginnen oder zusammen mit neuen Ausfällen auftreten. Die DMKG beschreibt es so: Ein Notfall liegt vor, wenn äußerst heftige Kopfschmerzen plötzlich einsetzen und innerhalb von Sekunden oder Minuten ihr Maximum erreichen, vor allem mit Nackensteifigkeit, hohem Fieber, Krampfanfällen, Bewusstseinsstörungen oder akuten neurologischen Ausfällen.

Das sind keine Situationen zum Abwarten. Lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät.

Plötzlicher Schmerz wie ein Donnerschlag

Ein Kopfschmerz, der ohne Vorwarnung wie ein Donnerschlag einsetzt, ist ein Warnzeichen. Fachleute sprechen vom „Donnerschlagkopfschmerz" oder „Vernichtungskopfschmerz", oft beschrieben als „der schlimmste Kopfschmerz meines Lebens". Laut DMKG kann ein solcher Schmerz, besonders nach körperlicher Anstrengung, starkem Pressen oder bei hohem Blutdruck, auf ein gerissenes Blutgefäß im Gehirn hinweisen.

Das heißt nicht, dass jeder starke Kopfschmerz so etwas ist. Es heißt nur: Wenn der Schmerz aus dem Nichts kommt und sofort sein Maximum erreicht, lässt du ihn ärztlich abklären, und zwar sofort.

Fieber, steifer Nacken und Lichtempfindlichkeit

Kopfschmerzen zusammen mit Fieber und einem steifen, schmerzhaften Nacken können auf eine Hirnhautentzündung hinweisen. Das MSD Manual nennt als Hauptsymptome genau diese Kombination: Kopfschmerzen, Fieber und einen steifen Nacken, der es schwer macht, das Kinn auf die Brust zu legen. Auch die DMKG nennt Nackensteifigkeit mit Fieber als Warnzeichen.

Bei sehr alten Menschen oder bei einem geschwächten Immunsystem kann der steife Nacken oder das Fieber fehlen. Bei Säuglingen sind die Zeichen ebenfalls oft unauffällig. Wenn du dir unsicher bist, zählt dein Bauchgefühl: Lieber nachfragen.

Neue Ausfälle: Lähmung, Sprache, Sehen

Wenn zu den Kopfschmerzen plötzlich etwas Neues kommt, das dein Körper sonst nicht macht, ist das ein Grund für die 112. Das MSD Manual nennt Veränderungen des Sehvermögens, Schwäche, Benommenheit, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen oder Schwierigkeiten beim Sprechen als Warnzeichen.

Typische Anzeichen eines Schlaganfalls sind laut gesundheitsinformation.de plötzliche Schwäche, Taubheit oder Lähmung (meist nur auf einer Körperseite), Sprachstörungen, Gesichtsfeldausfälle, Schwindel und ein hängender Mundwinkel. Manchmal kommen starke Kopfschmerzen mit Übelkeit dazu. Dann gilt: 112 wählen und nicht abwarten, ob es von selbst vergeht.

Wann solltest du schnell zum Arzt, auch wenn es kein Notruf ist?

Es gibt Situationen zwischen „Notfall" und „kann warten": Dann ist ein zeitnaher Arzttermin oder der ärztliche Bereitschaftsdienst die richtige Anlaufstelle. Den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 erreichst du, wenn die Praxis geschlossen ist und die Beschwerden dringend, aber nicht lebensbedrohlich sind.

Das MSD Manual empfiehlt, bei Kopfschmerzen sofort ärztlichen Rat zu suchen, wenn eines dieser Zeichen dazukommt:

  • sich verschlimmernde Kopfschmerzen
  • Druckschmerz an den Schläfen (zum Beispiel beim Kämmen) oder Kieferschmerzen beim Kauen
  • Krebs, HIV im Spätstadium oder ein geschwächtes Immunsystem
  • rote Augen mit Lichtringen (Halos) um Lichtquellen

Innerhalb einer Woche solltest du dich laut MSD Manual melden, wenn die Kopfschmerzen erst nach dem 50. Lebensjahr beginnen, sich dein Sehvermögen verschlechtert oder du ungewollt Gewicht verlierst.

Wenn sich dein Muster verändert

Auch ein verändertes Muster ist ein Grund für einen Termin. Die DMKG nennt als Hinweise auf Kopfschmerzen mit anderer Ursache unter anderem Kopfschmerzen, die neu und von Anfang an täglich auftreten, Veränderungen bei bereits bekannten Kopfschmerzen sowie Fieber oder neurologische Ausfälle.

Wenn du seit Wochen fast täglich Kopfschmerzen hast, lies auch unseren Artikel Jeden Tag Kopfschmerzen: Mögliche Ursachen und was dahintersteckt.

Wenn eine Migräne ungewöhnlich lange dauert

Eine Migräne, die länger als 72 Stunden anhält, nennt man Status migraenosus. Dabei werden kurze Erleichterungen durch Schlaf oder Medikamente nicht mitgezählt. Wenn dein Anfall so lange dauert oder sich nicht wie sonst verhält, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt. Wie eine Attacke normalerweise verläuft, erfährst du in Wie lange dauert eine Migräne?.

Wann kannst du bei Kopfschmerzen in Ruhe abwarten?

Wenn deine Kopfschmerzen zu einer ärztlich eingeordneten Migräne passen und so verlaufen wie immer, ist Abwarten meist in Ordnung. Die DMKG stellt es klar heraus: Gefährliche Ursachen zeigen sich vor allem durch Neuheit, Veränderung, Fieber oder neurologische Ausfälle. Fehlen diese Zeichen, spricht das eher für ein bekanntes Muster.

Hilfreiche Fragen für dich:

  • Kenne ich diese Art von Schmerz schon, und hat meine Ärztin sie als Migräne eingeordnet?
  • Hat sich der Beginn, die Stärke oder die Dauer deutlich verändert?
  • Kommen neue Symptome dazu, die ich sonst nicht habe?

Wenn du alle drei Fragen mit „Nein" beantwortest, ist das ein gutes Zeichen. Es ist aber keine Garantie, und es ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Ob und welche Medikamente für dich sinnvoll sind, klärst du mit deiner Ärztin. Allgemeine Hintergründe findest du bei Triptane bei Migräne. Wenn du dich fragst, wo der Unterschied zwischen Migräne und anderen Kopfschmerzen liegt, hilft Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?.

Aura ungewöhnlich: Muss ich mir Sorgen machen?

Eine typische Aura bildet sich laut Fachleuten vollständig zurück, meist innerhalb einer Stunde, neue oder ungewohnte Symptome gehören aber abgeklärt. Die Plattform Neurologen und Psychiater im Netz beschreibt, dass sich Auraerscheinungen in der Regel innerhalb von etwa einer Stunde komplett zurückbilden und keine bleibenden Schäden hinterlassen.

Treten bei einer Aura aber neue neurologische Symptome auf, sollte man auch an einen Schlaganfall denken und ärztliche Hilfe suchen. Das gilt zum Beispiel, wenn Lähmungen oder Sprachprobleme dazukommen, die du bisher nie hattest.

Wie eine typische Aura aussieht, liest du in Migräne mit Aura: Die Anzeichen vor der Attacke verstehen. Flimmern vor den Augen allein ist häufig ein bekanntes Phänomen, mehr dazu in Augenmigräne: Was hinter dem Flimmern vor deinen Augen steckt.

Besondere Situationen, die du kennen solltest

Einige Konstellationen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil die Warnzeichen dort anders aussehen können.

Nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf

Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung können sofort oder erst Stunden später einsetzen. Bei einer Gehirnerschütterung nennt gesundheitsinformation.de Warnzeichen, bei denen du ärztliche Hilfe brauchst, zum Beispiel Kopfschmerzen, die stärker werden, wiederholtes Erbrechen, starke Benommenheit oder Krampfanfälle. Wenn du Blutverdünner nimmst, sprich in jedem Fall mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Rotes, schmerzendes Auge mit Lichtringen

Starke Kopf- und Augenschmerzen mit rotem Auge, Lichtringen und Übelkeit können auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten. Das MSD Manual beschreibt das Winkelblockglaukom als Notfall, der ohne rasche Behandlung zu bleibendem Sehverlust führen kann. Dann gehört das in die augenärztliche oder ärztliche Notfallversorgung.

Neue Kopfschmerzen nach dem 50. Geburtstag

Bei Menschen über 50 mit einer neuen Art von Kopfschmerz denken Ärztinnen und Ärzte an die Riesenzellarteriitis, eine Entzündung von Blutgefäßen, die auch die Schläfenarterie betrifft. Das MSD Manual beschreibt sie als Notfall, weil sie zu plötzlicher Erblindung oder Schlaganfall führen kann. Typisch sind Druckschmerz an der Schläfe, Kieferschmerzen beim Kauen und Sehstörungen.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern gelten die gleichen Grundregeln wie bei Erwachsenen: plötzlicher Beginn, Fieber mit steifem Nacken oder neue Ausfälle gehören sofort ärztlich abgeklärt. Bei Säuglingen sind die Zeichen einer Hirnhautentzündung oft schwer zu erkennen. Mehr dazu findest du im Ratgeber für Eltern zu Migräne bei Kindern und Jugendlichen.

Warum machen Ärztinnen nicht immer ein CT oder MRT?

Bei typischer Migräne und normalem neurologischen Befund ist meist keine Bildgebung nötig, weil die Diagnose im Gespräch und in der Untersuchung gestellt wird. Laut gesundheitsinformation.de gibt es weder einen Bluttest noch eine bildgebende Untersuchung, die Migräne beweist. Die Diagnose entsteht aus dem Gespräch und der körperlichen und neurologischen Untersuchung.

Neurologen und Psychiater im Netz erklärt: Weitere Untersuchungen wie CT oder MRT folgen erst, wenn der Verdacht besteht, dass die Kopfschmerzen nicht von einer Migräne kommen. Das ist also kein Zeichen, dass dich jemand nicht ernst nimmt. Es bedeutet oft, dass bei dir die typischen Warnzeichen fehlen.

Wenn du trotzdem unsicher bist, sag das offen. Frag, woran die Ärztin erkennt, dass bei dir alles zu einer Migräne passt, und was ein Grund wäre, nochmal vorbeizukommen.

Wie du dich vorbereiten kannst, ohne dich zu stressen

Ein Kopfschmerztagebuch gibt dir und deiner Ärztin ein klares Bild, statt dass du dich auf dein Gedächtnis verlassen musst. Neurologen und Psychiater im Netz empfiehlt, über vier bis sechs Wochen Zeitpunkt, Art, Stärke, Dauer, Begleitsymptome, mögliche Auslöser und Medikamente zu notieren. Eine Vorlage zum Ausdrucken bietet gesundheitsinformation.de.

Das hilft vor allem bei der Frage „Ist das neu?", weil du schwarz auf weiß siehst, wie deine Attacken sonst verlaufen. Mehr zu persönlichen Auslösern liest du in Migräne Auslöser erkennen.

Praktisch ist außerdem, vor einem Termin ein paar Dinge bereitzuhalten:

  • wann der Schmerz begonnen hat und wie schnell er stärker wurde
  • welche Begleitsymptome auftraten (Fieber, Sehstörungen, Taubheit, Erbrechen)
  • welche Medikamente du genommen hast
  • ob es einen Sturz oder Schlag auf den Kopf gab

Was du mitnehmen kannst, wenn du zweifelst

Wenn du hin- und hergerissen bist, hilft diese Faustregel: Plötzlich, neu oder mit Ausfällen heißt schnell handeln, vertraut und wie immer heißt in der Regel in Ruhe beobachten.

  • Schlagartig, extrem stark, mit Lähmung, Sprach- oder Sehstörung, Fieber mit steifem Nacken, Krampfanfall oder Bewusstseinsstörung: 112.
  • Neue Art von Kopfschmerz, verändertes Muster, Beginn nach 50, Sehverschlechterung, Schmerzen an Schläfe oder Kiefer: zeitnah ärztlichen Rat holen, außerhalb der Sprechzeiten über die 116117.
  • Bekannte Migräne, die so verläuft wie immer: beobachten, notieren und regelmäßige Termine nutzen.

Du musst nicht selbst entscheiden, ob etwas „schlimm genug" ist. Wenn du dich unsicher oder ängstlich fühlst, ist ein Anruf in der Praxis oder bei der 116117 immer eine gute Idee.

Häufige Fragen

Wann muss ich bei Kopfschmerzen die 112 rufen?

Die 112 ist richtig, wenn Kopfschmerzen schlagartig und extrem stark einsetzen oder mit Lähmungen, Sprachstörungen, Sehverlust, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen einhergehen. Auch Kopfschmerzen mit Fieber und steifem Nacken zählen dazu. Die DMKG beschreibt diese Konstellationen als Notfall, der sofort abgeklärt werden muss.

Sind starke Kopfschmerzen automatisch gefährlich?

Nein. Auch eine Migräne kann sehr stark sein, ohne gefährlich zu sein. Entscheidend sind weniger die Stärke als der plötzliche Beginn, die Veränderung zu deinem gewohnten Muster und begleitende Ausfälle oder Fieber, wie die DMKG beschreibt.

Kann ich mit Migräne trotzdem etwas Gefährliches übersehen?

Das ist möglich, deshalb lohnt es sich, auf Veränderungen zu achten. Wenn eine Attacke sich anders anfühlt, neue Symptome mitbringt oder deutlich länger dauert als sonst, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Eine kurze Rückfrage ist nie falsch.

Was ist der Unterschied zwischen Hausarzt, 116117 und Notaufnahme?

Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle für Beschwerden ohne akute Gefahr. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Bei Lebensgefahr oder Verdacht auf Schlaganfall gilt die 112.

Braucht jede Migräne ein CT oder MRT?

Nein. Bei typischer Migräne und unauffälligem neurologischen Befund ist das in der Regel nicht nötig, denn die Diagnose stützt sich auf Gespräch und Untersuchung. Eine Bildgebung kommt infrage, wenn Zweifel bestehen, ob wirklich eine Migräne dahintersteckt.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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