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Mann mit Brille und geschlossenen Augen presst die Hand an die Schläfe, daneben flimmernde Zickzacklinien im verschwommenen Blickfeld
Symptome

Augenmigräne: Was hinter dem Flimmern vor deinen Augen steckt

Von Laurine Nicoletti11 min

Du liest etwas am Bildschirm und plötzlich flimmert ein Teil des Textes. Ein heller Zickzack-Bogen wandert durch dein Blickfeld, in der Mitte ist ein blinder Fleck. Nach einer halben Stunde ist alles wieder normal, und manchmal kommen danach Kopfschmerzen. Diese Erfahrung wird im Alltag oft Augenmigräne genannt.

Im Alltag nennen viele das, was du da erlebst, Augenmigräne. Gemeint ist in den meisten Fällen eine Migräne mit visueller Aura. Das ist unangenehm und kann beängstigend sein, ist aber meist ein bekanntes, harmloses Phänomen. In diesem Artikel erfährst du, wie sich eine Augenmigräne anfühlt, was dabei im Gehirn passiert, wann du ärztlichen Rat brauchst und was dir in der Situation helfen kann. Einen größeren Überblick findest du auf unserer Seite Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • „Augenmigräne" meint meist eine Migräne mit visueller Aura, die im Gehirn entsteht und nicht im Auge.
  • Typisch sind Flimmern, Zickzack-Linien und blinde Flecken, die sich langsam aufbauen und nach den Angaben von Neurologen und Psychiater im Netz meist 15 bis 60 Minuten dauern.
  • Eine Aura kann auch ohne Kopfschmerzen auftreten und sollte beim ersten Mal ärztlich abgeklärt werden.
  • Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen, Sehverlust auf einem Auge oder ungewöhnlich lange Symptome sind ein Fall für den Notruf (112).

Was ist eine Augenmigräne eigentlich?

„Augenmigräne" ist kein exakter medizinischer Begriff. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Aura: vorübergehenden neurologischen Symptomen, die bei manchen Menschen mit Migräne vor oder während der Kopfschmerzen auftreten. Am häufigsten sind es Sehstörungen mit Flimmern oder Gesichtsfeldausfällen, wie Neurologen und Psychiater im Netz beschreibt.

Auch wenn es sich so anfühlt: Die Ursache liegt nicht in deinen Augen. Die Störung entsteht im Gehirn, genauer in der Hirnrinde, die Seheindrücke verarbeitet. Deshalb siehst du das Flimmern oft auch mit geschlossenen Augen.

Wie viele Betroffene eine Aura erleben, wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Die Angaben reichen etwa von 10 bis 25 Prozent der Menschen mit Migräne (Neurologen und Psychiater im Netz, MSD Manual). Du bist also nicht allein damit. Auch das Wort „ophthalmische Migräne" wird manchmal dafür benutzt, gemeint ist meist dasselbe.

Wie fühlt sich eine visuelle Aura an?

Eine Aura sieht bei jeder ein bisschen anders aus. Typische Beschreibungen sind:

  • flimmernde Zickzack-Linien, oft in der Mitte des Blickfelds, die sich langsam nach außen ausbreiten
  • schimmernde oder blitzende Lichter
  • ein blinder Fleck mit flackerndem Rand
  • Gesichtsfeldausfälle, bei denen ein Teil des Bildes fehlt

Diese Beschreibungen decken sich mit den Angaben im MSD Manual für Patienten. Manche Menschen erleben zusätzlich Kribbeln oder Taubheit, etwa im Gesicht oder in einer Hand, oder kurzzeitig Wortfindungs- und Sprachstörungen.

Wie lange dauert das?

Das wichtigste Merkmal ist der Verlauf. Eine Migräne-Aura entwickelt sich langsam über mehrere Minuten und bildet sich meist innerhalb von etwa einer Stunde vollständig zurück. Nach den Angaben von Neurologen und Psychiater im Netz dauert sie typischerweise 15 bis 60 Minuten.

Dieses langsame Kommen und Gehen unterscheidet sie von vielen anderen Ursachen für Sehstörungen. Wenn die Symptome schlagartig auftreten oder deutlich länger bleiben, ist das ein anderes Muster (mehr dazu unten).

Was passiert dabei in deinem Gehirn?

Die Forschung geht davon aus, dass bei der Aura eine Welle von Nervenzellaktivität über die Hirnrinde zieht. Danach folgt eine Phase, in der die betroffenen Zellen für eine Weile ruhiggestellt sind. Ein Fachartikel beschreibt das bildlich: Nach einer starken Erregungswelle wie einem Tsunami folgt eine große Stille (Neurologen und Psychiater im Netz).

Weil die Welle langsam wandert, wandern auch die Symptome langsam: erst ein Flimmern an einer Stelle, dann ein größerer Bogen, dann ein Ausfall. Das Gehirn eines Menschen mit Migräne reagiert insgesamt empfindlicher auf Reize (Neurologen und Psychiater im Netz). Warum genau die Aura bei manchen auftritt und bei anderen nicht, ist noch nicht vollständig geklärt.

Ob du eine Aura hast, kann übrigens im Laufe des Lebens wechseln. Manche erleben sie nur gelegentlich, andere bei jeder Attacke. Mehr zur Veranlagung findest du in unserem Artikel Migräne erblich?.

Aura, dann Kopfschmerz: die klassische Reihenfolge

Meist beginnt die Aura einige Minuten bis etwa eine Stunde vor den Kopfschmerzen. Der Schmerz ist häufig einseitig, pulsierend oder pochend und kann von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein (MSD Manual). Manchmal überlappen sich die Phasen, und die Aura bleibt noch bestehen, wenn der Schmerz schon da ist.

Die Kopfschmerzphase selbst dauert nach den Angaben der Fachgesellschaften meist 4 bis 72 Stunden (MSD Manual). Wie lange das bei dir typischerweise ist, siehst du am besten in deinen eigenen Aufzeichnungen.

Gibt es eine Aura ohne Kopfschmerzen?

Ja. In der internationalen Kopfschmerzklassifikation gibt es die Diagnose „typische Aura ohne Kopfschmerz" (DMKG, deutsche Übersetzung der ICHD-3). Dann flimmert es, aber danach bleibt der Schmerz aus. Das wird auch als „stille Migräne" bezeichnet.

Gerade wenn so etwas zum ersten Mal passiert, ist das verunsichernd, und es gehört in ärztliche Hände. Eine Aura ohne Kopfschmerz sollte nicht vorschnell als „bestimmt Migräne" abgetan werden, sondern kurz abgeklärt werden, vor allem, wenn du älter bist oder die Symptome neu sind. Ob es sich wirklich um eine Migräne-Aura handelt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.

Wann solltest du dir wirklich Sorgen machen?

Die meisten Auren sind harmlos, aber bei einigen Zeichen solltest du nicht abwarten. Die Symptome einer Migräne-Aura können denen eines Schlaganfalls ähneln. Menschen mit Aura haben außerdem ein etwas erhöhtes Schlaganfallrisiko (Neurologen und Psychiater im Netz). Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, die Unterschiede zu kennen.

Typisch für einen Schlaganfall sind abrupt einsetzende Beschwerden wie Taubheit, Schwäche oder Lähmungen, plötzliche Sprachstörungen oder Gleichgewichtsstörungen. Die Migräne-Aura dagegen baut sich allmählich auf und klingt langsam wieder ab (Neurologen und Psychiater im Netz).

Rufe den Notruf (112) oder lasse dich ärztlich untersuchen, wenn:

  • Symptome schlagartig beginnen, nicht langsam wandern
  • eine Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperseite auftritt
  • du plötzlich nicht mehr sprechen oder verstehen kannst
  • du plötzlich auf einem Auge nichts mehr siehst
  • die Beschwerden deutlich länger anhalten als sonst
  • du einen plötzlichen, extrem starken Kopfschmerz hast

Diese Warnzeichen entsprechen den Beschreibungen zu Schlaganfall bei Neurologen und Psychiater im Netz. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel abklären lassen als einmal zu wenig.

Und wenn es das erste Mal ist? Warum oft ein MRT gemacht wird

Beim ersten Auftreten einer Aura kann dein Arzt oder deine Ärztin eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes veranlassen. Das ist kein Zeichen, dass etwas Schlimmes vermutet wird. Es dient dazu, andere mögliche Ursachen auszuschließen (MSD Manual).

Für den ersten Termin hilft es, wenn du aufschreiben kannst, wann die Aura kam, wie sie aussah und wie lange sie dauerte. Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis oder eine neurologische Praxis. Bei Sehstörungen, die nur ein Auge betreffen, kann auch ein Besuch bei der Augenärztin sinnvoll sein.

Was löst eine Aura aus?

Eine Aura gehört zu einer Migräneattacke, und für Attacken gelten dieselben Auslöser. Rund 90 Prozent der Menschen mit Migräne berichten, dass ihre Attacken durch bestimmte Faktoren angestoßen werden, und diese sind von Person zu Person verschieden (Neurologen und Psychiater im Netz). Häufig genannt werden:

  • Schlafmangel und unregelmäßiger Tagesablauf
  • Stress, oft auch die Entspannung danach
  • Hunger, unregelmäßige Mahlzeiten und zu wenig Trinken
  • Wetterwechsel
  • hormonelle Schwankungen im Zyklus
  • starke Sinnesreize, etwa grelles Licht

Diese Liste stützt sich auf Neurologen und Psychiater im Netz und das MSD Manual. Auch bei Bildschirmarbeit fragen sich viele, ob das Licht der Auslöser ist. Was dazu bekannt ist, liest du in Migräne und Bildschirm: Ist das Blaulicht wirklich schuld?.

Wichtig: Ein einzelner Faktor ist selten allein verantwortlich. Oft kommen mehrere Dinge zusammen, etwa wenig Schlaf, ein stressiger Tag und eine Wetterumstellung. Deshalb hilft ein Tagebuch, die eigenen Muster zu erkennen (Neurologen und Psychiater im Netz). Mehr dazu findest du auch in unserem Bereich Migräne-Auslöser.

Aura und die Pille: ein wichtiger Hinweis

Bei Migräne mit Aura spielt die Verhütung eine besondere Rolle. Östrogenhaltige Verhütungsmittel (zum Beispiel die klassische Kombinationspille) können bei Frauen mit Aura das Schlaganfallrisiko weiter erhöhen, vor allem zusammen mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen (Neurologen und Psychiater im Netz). Das MSD Manual beschreibt, dass östrogenhaltige Pillen bei Aura das Risiko erhöhen können, während reine Gestagen-Pillen als Alternative für Frauen mit Aura gelten (MSD Manual).

Das heißt nicht, dass du etwas auf eigene Faust absetzen solltest. Bespreche es mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt und erwähne dabei ausdrücklich, dass du Auren hast. Auch wenn du gerade erst anfängst, die Pille zu nehmen, ist das ein guter Moment, es anzusprechen.

Wie kommst du gelassener durch eine Aura?

Gegen die Aura selbst gibt es keinen Knopf zum Ausschalten, aber du kannst dir den Moment erleichtern:

  • Halte inne. Wenn du Auto fährst, Rad fährst oder an einer Maschine arbeitest, höre auf und suche einen sicheren Ort. Das Gesichtsfeld ist eingeschränkt.
  • Atme ruhig und erinnere dich: Das Flimmern geht in der Regel nach kurzer Zeit wieder vorbei.
  • Ziehe dich zurück, wenn es geht, in einen ruhigen, abgedunkelten Raum. Vielen hilft Schlaf, und manche empfinden eine kühlende Kompresse als angenehm (Neurologen und Psychiater im Netz).
  • Merke dir die Uhrzeit, wann es begann. So kannst du später genau sagen, wie lange es dauerte.

Welche Medikamente für dich passen und wann du sie nimmst, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das gilt auch für vorbeugende Behandlungen, wenn Attacken häufig sind. Einen Überblick über Möglichkeiten findest du auf der Seite Migräne-Behandlung.

Aufschreiben hilft, deine Aura besser zu verstehen

Eine Aura ist flüchtig, und nach einer Stunde weißt du oft nicht mehr genau, wie sie aussah. Ein Kopfschmerztagebuch ist deshalb auch in der deutschen Fachliteratur das Mittel der Wahl, um Häufigkeit, Zeitpunkt, mögliche Auslöser und die Wirkung von Maßnahmen festzuhalten (DMKG).

Notiere dir am besten:

  • wann die Aura begann und wie lange sie dauerte
  • was du gesehen oder gespürt hast
  • ob Kopfschmerzen folgten
  • wie du geschlafen hast, ob Stress oder Wetterwechsel da waren und, falls zutreffend, wo du im Zyklus bist

Mit solchen Notizen wird das Arztgespräch viel konkreter, und du erkennst nach einigen Wochen vielleicht selbst, was bei dir eine Rolle spielt. Es bleibt ein Muster, kein Beweis: Auslöser sind Wahrscheinlichkeiten, keine Garantien.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Augenmigräne" meint meist eine Migräne mit visueller Aura, die im Gehirn entsteht, nicht im Auge.
  • Typisch sind Flimmern, Zickzack-Linien und blinde Flecken, die sich langsam aufbauen und meist innerhalb einer Stunde verschwinden.
  • Eine Aura kann auch ohne Kopfschmerzen auftreten, sollte aber beim ersten Mal ärztlich abgeklärt werden.
  • Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen, Sehverlust oder ungewöhnlich lange Symptome sind ein Fall für den Notruf (112).
  • Bei Aura ist die Wahl der Verhütung ein Thema für deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt.
  • Ein Tagebuch macht Muster sichtbar und das Gespräch mit dem Arzt leichter.

Häufige Fragen

Was ist eine Augenmigräne?

„Augenmigräne" ist kein exakter medizinischer Begriff. Gemeint ist meist eine Migräne mit visueller Aura, also vorübergehende Sehstörungen wie Flimmern oder Gesichtsfeldausfälle. Die Ursache liegt im Gehirn, nicht in den Augen.

Wie lange dauert eine visuelle Aura?

Eine Migräne-Aura entwickelt sich langsam über mehrere Minuten. Nach den Angaben von Neurologen und Psychiater im Netz dauert sie typischerweise 15 bis 60 Minuten und bildet sich danach zurück.

Kann eine Aura ohne Kopfschmerzen auftreten?

Ja. Die internationale Kopfschmerzklassifikation kennt die Diagnose „typische Aura ohne Kopfschmerz". Wenn so etwas zum ersten Mal passiert, sollte es ärztlich abgeklärt werden.

Wann sollte ich bei Flimmern vor den Augen zum Notarzt?

Bei schlagartigem Beginn, Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, plötzlichen Sprachstörungen, plötzlichem Sehverlust auf einem Auge oder einem plötzlichen, extrem starken Kopfschmerz solltest du den Notruf (112) wählen oder dich sofort ärztlich untersuchen lassen. Im Zweifel ist es besser, einmal zu viel abklären zu lassen.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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