← Zurück zum Blog
Frau mit geschlossenen Augen und Hand an der Schläfe, umgeben von vier Gedankenblasen mit schmerzenden Köpfen
Symptome

Migräne Arten: Die Formen im Überblick und wie du dich zurechtfindest

Von Laurine Nicoletti9 min

Dein Arzt spricht von „Migräne ohne Aura“, deine Freundin hat „Augenmigräne“, und im Internet liest du plötzlich von „vestibulärer“ oder „chronischer“ Migräne. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Gibt es wirklich so viele verschiedene Migräne Arten, und welche betrifft dich?

Die gute Nachricht: Es gibt nur wenige große Formen, und sie lassen sich gut auseinanderhalten. In diesem Artikel bekommst du eine einfache Landkarte. Zu jeder Form findest du einen kurzen Überblick und, wenn es einen gibt, einen Link zum ausführlichen Artikel. Wenn du das große Ganze sehen willst, schau auch auf unserer Übersichtsseite Migräne-Symptome vorbei.

Kurz gesagt

  • Die beiden Grundformen sind die Migräne ohne Aura und die Migräne mit Aura. Die Aura sind vorübergehende Zeichen wie Flimmern, die meist vor dem Schmerz auftreten.
  • Ob eine Migräne episodisch oder chronisch ist, hängt nicht von der Stärke ab, sondern davon, wie oft du Kopfschmerzen hast.
  • Die vestibuläre Migräne ist eine Sonderform, bei der Schwindel im Vordergrund steht, manchmal ganz ohne Kopfschmerz.
  • Seltene Formen wie die hemiplegische Migräne oder die Migräne mit Hirnstamm-Aura gehören in ärztliche Hände. Die Einordnung deiner eigenen Migräne übernimmt immer eine Ärztin oder ein Arzt.

Wie werden Migränen eingeteilt?

Migräne wird vor allem danach eingeteilt, ob eine Aura dabei ist, wie häufig die Attacken kommen und welche Begleitzeichen im Vordergrund stehen. Das ist keine Spielerei: Die Einteilung hilft Ärztinnen und Ärzten, die richtige Diagnose zu stellen und die Behandlung zu planen.

Auch im Alltag der Praxis taucht sie auf. In Arztbriefen findest du zum Beispiel den ICD-10-Code G43.0 für die Migräne ohne Aura und G43.1 für die Migräne mit Aura (siehe die DMKG-Übersicht zu den ICD-10-Codes). Die Begriffe selbst werden in unserem Migräne-Glossar einfach erklärt.

Wichtig zu wissen: Die Formen schließen sich nicht aus. Du kannst eine Migräne mit Aura haben, die zugleich chronisch geworden ist. Und manche Menschen erleben im Laufe des Lebens mehrere Formen.

Wie häufig Migräne insgesamt ist, zeigt gesundheitsinformation.de: Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle. Mehr Zahlen findest du in unserem Artikel Migräne Statistik.

Migräne ohne Aura: die häufigste Form

Die Migräne ohne Aura ist die häufigste Form: Der Schmerz kommt, ohne dass vorher besondere Zeichen auftreten. Typisch sind ein pulsierender, oft einseitiger Schmerz, der sich bei Anstrengung verschlimmert, dazu Übelkeit sowie Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusche oder Gerüche. Das MSD Manual beschreibt, dass die Beschwerden typischerweise 4 bis 72 Stunden anhalten.

Viele Betroffene merken schon Stunden oder einen Tag vorher kleine Vorboten, etwa Müdigkeit, Heißhunger oder Gereiztheit. Das ist die sogenannte Vorphase und keine Aura (mehr dazu bei Neurologen und Psychiater im Netz).

Alles zu Symptomen, Dauer und den Unterschieden zur Aura-Form liest du in unserem Artikel Migräne ohne Aura. Wie sich eine Attacke Phase für Phase entwickelt, erklärt Wie lange dauert eine Migräne?.

Migräne mit Aura: wenn Zeichen vor dem Schmerz kommen

Bei der Migräne mit Aura treten vorübergehende neurologische Zeichen auf, meist kurz vor dem Kopfschmerz. Das MSD Manual beschreibt Auren als vorübergehende Störungen, die Empfindung, Gleichgewicht, Sprache oder Sehvermögen betreffen können und Minuten bis etwa eine Stunde dauern. Am häufigsten sind Sehstörungen wie Flimmern, Zickzacklinien oder Lichtblitze.

Wie viele Menschen mit Migräne eine Aura erleben, hängt von der Quelle ab. Das MSD Manual nennt etwa 25 Prozent, in manchen Studien liegt der Anteil niedriger. Manche Menschen haben Aura und Kopfschmerz, andere nur die eine oder die andere Seite.

Wenn Zeichen plötzlich ganz anders sind als sonst, zum Beispiel Lähmungen, Sprachstörungen oder Symptome, die du so noch nie hattest, solltest du sie ärztlich abklären lassen. Neurologen weisen darauf hin, dass man bei ungewöhnlichen Aura-Symptomen auch an einen Schlaganfall denken sollte. Wann du den Notruf wählen solltest, steht in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt?.

Mehr dazu findest du in Migräne mit Aura. Und wenn dein Hauptthema das Flimmern vor den Augen ist, lies Augenmigräne. Der Begriff wird nämlich für ganz unterschiedliche Dinge benutzt.

Episodische oder chronische Migräne: eine Frage der Häufigkeit

Ob eine Migräne episodisch oder chronisch heißt, hängt allein davon ab, wie oft du Kopfschmerzen hast, nicht davon, wie schlimm die einzelne Attacke ist. Die meisten Menschen haben eine episodische Migräne, bei der die Anfälle in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen kommen (siehe gesundheitsinformation.de).

Von chronischer Migräne sprechen Fachleute, wenn du über mindestens drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen hast und ein Teil dieser Tage Migränetage sind (laut gesundheitsinformation.de). Nach derselben Quelle betrifft das nur einen kleinen Teil der Menschen mit Migräne.

Eine episodische Migräne kann chronisch werden, und das kann sich auch wieder zurückentwickeln. Eine Rolle spielt auch, wie oft Schmerzmittel genommen werden, denn häufiger Gebrauch kann selbst Kopfschmerzen verursachen (mehr dazu bei gesundheitsinformation.de zu arzneimittelbedingten Kopfschmerzen). Wenn du das Gefühl hast, dass es bei dir immer häufiger wird, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber.

Für die chronische Form gibt es eigene Behandlungsansätze, die deine Neurologin mit dir besprechen kann, zum Beispiel CGRP-Antikörper oder Botox nach dem PREEMPT-Schema. Wenn du fast täglich Schmerzen hast, hilft dir außerdem Jeden Tag Kopfschmerzen bei der Einordnung.

Vestibuläre Migräne: wenn der Schwindel im Vordergrund steht

Bei der vestibulären Migräne dominiert der Schwindel, nicht unbedingt der Kopfschmerz. Neurologen und Psychiater im Netz beschreiben sie als Sonderform der Migräne mit plötzlichen Drehschwindel-Attacken. Die Attacken dauern in typischen Fällen Minuten bis Stunden.

Der Schwindel kann vor dem Kopfschmerz auftreten, gleichzeitig oder danach. Bei manchen Betroffenen kommen Schwindel und Kopfschmerz sogar nie zusammen vor. Dazu können Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Tinnitus kommen.

Laut derselben Quelle bekommen etwa 1 Prozent der Menschen mindestens einmal im Leben eine vestibuläre Migräne. Weil Schwindel viele Ursachen haben kann, gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Eine Ferndiagnose ist hier nicht möglich.

Falls du dich in dieser Beschreibung wiedererkennst, hilft dir ein Attackenprotokoll im Arztgespräch sehr: Wann kam der Schwindel, wie lange dauerte er, was war davor, und gab es Kopfschmerz oder nicht?

Seltene Formen: hemiplegisch, Hirnstamm-Aura, retinal

Es gibt einige seltene Migräneformen, bei denen die Aura ungewöhnlich ist. Sie betreffen nur wenige Menschen, und sie sollten immer ärztlich diagnostiziert werden. Hier die drei, die du am ehesten in Texten antriffst:

Diese Aura-Symptome können erschrecken, vor allem beim ersten Mal. Wenn so etwas bei dir neu auftritt, lass es zeitnah abklären. Die Orientierung dazu gibt dir der Artikel Wann zum Notarzt.

Auch bei Kindern und Jugendlichen kann Migräne etwas anders aussehen. Das haben wir in Migräne bei Kindern und Jugendlichen für Eltern zusammengefasst.

Migräne, Spannungskopfschmerz oder Cluster: wie findest du dich zurecht?

Nicht jeder starke Kopfschmerz ist eine Migräne. Es gibt noch weitere häufige Kopfschmerzformen, und sie fühlen sich anders an. Gesundheitsinformation.de gibt einen guten Überblick:

  • Spannungskopfschmerz: drückend, dumpf oder ziehend, auf beiden Seiten, leicht bis mittelstark. Er wird bei Bewegung nicht schlimmer und verursacht keine Übelkeit. Mehr als 300 von 1000 Menschen haben ihn.
  • Migräne: deutlich stärker, oft mit Übelkeit und Sehstörungen, etwa 100 bis 150 von 1000 Menschen.
  • Cluster-Kopfschmerz: immer nur eine Seite, rund um Auge und Schläfe, oft mit tränendem Auge und laufender Nase. Er kommt in Episoden über einige Wochen, meist täglich. Etwa 1 von 1000 Menschen hat ihn, und er betrifft eher Männer.

Eine genaue Gegenüberstellung findest du in Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?.

Welche Migräne Art hast du? So findest du es heraus

Welche Form du hast, kann am Ende nur eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen, aber du kannst dich gut darauf vorbereiten. Ein Tagebuch über mehrere Wochen ist dabei das nützlichste Werkzeug. Es zeigt Muster, die man aus dem Gedächtnis kaum rekonstruieren kann.

Diese Fragen helfen dir beim Beobachten:

  • Gibt es vor dem Schmerz Zeichen wie Flimmern, Kribbeln oder Sprachprobleme (Aura)?
  • Wie viele Tage im Monat hast du Kopfschmerzen, und wie viele davon fühlen sich wie Migräne an?
  • Steht der Schmerz im Vordergrund oder eher Schwindel?
  • Wie lange dauert eine Attacke, und wie stark ist sie?
  • Gibt es Auslöser, die immer wieder auftauchen? Ideen dazu findest du in Migräne Auslöser erkennen.

Bring diese Notizen zum Hausarzt oder zur Neurologin. In Deutschland sind das üblicherweise die ersten Anlaufstellen, und eine Überweisung zur Neurologin ist bei häufigen oder ungewöhnlichen Attacken möglich.

Zum Mitnehmen: deine Landkarte in fünf Zeilen

  • Mit oder ohne Aura: Gibt es vor dem Schmerz vorübergehende Zeichen wie Flimmern?
  • Episodisch oder chronisch: Wie oft hast du Kopfschmerzen pro Monat?
  • Vestibulär: Steht Schwindel im Mittelpunkt?
  • Selten: Lähmungen, ungewöhnliche Aura-Zeichen oder Sehverlust auf einem Auge gehören sofort ärztlich abgeklärt.
  • Etwas anderes: Spannungs- oder Cluster-Kopfschmerz fühlen sich anders an.

Du musst die Fachbegriffe nicht auswendig kennen. Entscheidend ist, dass du deine Attacken beobachtest und beschreiben kannst. Dann kann dir dein Arzt oder deine Ärztin viel gezielter helfen.

Häufige Fragen

Wie viele Migräne Arten gibt es?

Im Alltag unterscheidet man vor allem Migräne ohne Aura, Migräne mit Aura, episodische und chronische Migräne sowie die vestibuläre Migräne. Dazu kommen seltene Formen wie die hemiplegische Migräne oder die Migräne mit Hirnstamm-Aura. Die genaue Einordnung nimmt eine Ärztin oder ein Arzt anhand der internationalen Kopfschmerzklassifikation vor.

Ist Migräne mit Aura gefährlicher als Migräne ohne Aura?

Eine Aura ist für sich genommen kein Alarmzeichen, sondern eine bekannte Begleiterscheinung der Migräne. Treten aber plötzlich ganz neue oder ungewöhnliche Symptome auf, etwa Lähmungen oder Sprachstörungen, sollten sie umgehend ärztlich abgeklärt werden. Das raten auch Neurologen und Psychiater im Netz.

Kann sich die Migräne-Form im Laufe des Lebens ändern?

Ja, Häufigkeit und Erscheinungsbild einer Migräne können sich mit der Zeit verändern. Eine episodische Migräne kann häufiger werden, und manche Menschen erleben zu verschiedenen Zeiten mit und ohne Aura. Wenn sich dein Muster deutlich verändert, ist das ein guter Anlass für ein Gespräch in der Praxis.

Kann man Migräne ohne Kopfschmerzen haben?

Bei der vestibulären Migräne kommen nach Neurologen und Psychiater im Netz Schwindel und Kopfschmerz bei manchen Betroffenen nie zusammen vor. Weil auch andere Erkrankungen Schwindel auslösen, sollte das ein Arzt oder eine Ärztin klären.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

Ähnliche Artikel

Alle Artikel zu „Symptome“

Lade Mellow herunter

Kostenlos herunterladen. Erfasse deine erste Attacke in wenigen Sekunden.

4,8 bei 62 Bewertungen
Im App Store ladenJetzt bei Google Play