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Frau mit geschlossenen Augen hält sich die Hand an die Schläfe, daneben eine Weltkugel mit Personensymbolen
Grundlagen

Migräne Statistik: Was die Zahlen aus Studien weltweit und in Deutschland zeigen

Von Laurine Nicoletti10 min

Du bist mitten im Arbeitstag oder in der Vorlesung, der Kopf pocht, und irgendwo im Hinterkopf fragst du dich: Geht es eigentlich vielen so? Oder du hast schon mal gehört, Migräne sei „nur Kopfweh“, und wolltest wissen, was die Forschung wirklich dazu sagt. Die Migräne Statistik gibt darauf klare Antworten.

In diesem Artikel findest du die wichtigsten Zahlen: wie viele Menschen weltweit und in Deutschland betroffen sind, warum Frauen häufiger Migräne haben, was die Erkrankung kostet und warum viele Betroffene nicht gut versorgt sind. Zu jeder Zahl nennen wir die Quelle und sagen dir, wo die Forschung noch Fragen offen lässt. Wenn du grundsätzlich verstehen möchtest, was bei einer Migräne passiert, findest du im Bereich Alles über Migräne weitere Artikel.

Kurz gesagt

Migräne Statistik: Wie viele Menschen sind betroffen?

Migräne gehört zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt: Weltweit sind es sehr viele Menschen, in Deutschland nach Schätzungen der Deutschen Hirnstiftung rund 8 bis 10 Millionen. Die genauen Zahlen hängen davon ab, wer sie erhebt und wie Migräne definiert wird.

Weltweit

Für Kopfschmerzerkrankungen insgesamt (Migräne, Spannungskopfschmerz und Kopfschmerz durch zu viele Schmerzmittel) nennt die Global-Burden-of-Disease-Studie, veröffentlicht 2025 in The Lancet Neurology, 2,9 Milliarden Betroffene. Das ist mehr als jede dritte Person. Ein interessanter Punkt: Die Rate der Betroffenen ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert.

Spannungskopfschmerz kommt zwar fast doppelt so häufig vor wie Migräne. Trotzdem gehen laut derselben Studie etwa 90 Prozent der durch Kopfschmerzen verlorenen gesunden Lebensjahre auf Migräne zurück. Migräne ist also nicht die häufigste Kopfschmerzart, aber die belastendste.

In Deutschland

Eine wichtige Datenquelle für Deutschland ist die Befragung des Robert Koch-Instituts (RKI) im Rahmen der Studie BURDEN 2020. Dafür wurden zwischen Oktober 2019 und März 2020 5.009 Erwachsene telefonisch befragt.

Das ist eine Befragung, keine ärztliche Diagnose bei jeder Person. Deshalb kann die Zahl je nach Studie etwas schwanken. gesundheitsinformation.de nennt etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern mit wiederkehrenden Migräneanfällen.

Warum sind Frauen häufiger betroffen, und in welchem Alter?

Frauen sind häufiger betroffen, weil Hormone eine wichtige Rolle spielen, und am häufigsten tritt Migräne im mittleren Erwachsenenalter auf. Die genauen Gründe sind aber noch nicht vollständig geklärt.

Ein Hinweis auf die Rolle der Hormone: Vor der Pubertät sind Mädchen und Jungen laut gesundheitsinformation.de etwa gleich häufig betroffen, etwa 4 bis 5 von 100 Kindern haben Migräne. Ab der Pubertät sind Frauen dann 2- bis 3-mal so häufig betroffen wie Männer. Zwischen 20 und 50 Jahren ist der Unterschied am größten, dort sind Frauen laut Hirnstiftung bis zu dreimal häufiger erkrankt.

Auch über das ganze Leben gerechnet zeigt sich der Unterschied. Die Hirnstiftung nennt ein Lebenszeitrisiko von 48 Prozent bei Frauen und 18 Prozent bei Männern. Sie weist aber selbst darauf hin, dass die Zahl bei Männern wahrscheinlich höher liegt. Migräne bei Männern wird oft später oder gar nicht erkannt.

Mit dem Alter wird es im Durchschnitt besser: Laut RKI ist Migräne bei jüngeren Frauen und Männern häufiger und nimmt mit steigendem Alter stetig ab. Das bedeutet nicht, dass es bei dir automatisch so kommt. Es beschreibt den Durchschnitt vieler Menschen.

Kinder und Jugendliche haben ihre eigenen Besonderheiten, die wir im Ratgeber zu Migräne bei Kindern und Jugendlichen erklären. Und ob Migräne in der Familie liegt, erfährst du in Migräne erblich?.

Wie häufig ist chronische Migräne?

Chronische Migräne betrifft nach Schätzungen etwa 2 Prozent der Bevölkerung. Das ist deutlich weniger als die Migräne insgesamt, aber für die Betroffenen sehr belastend.

Von chronischer Migräne spricht man, wenn Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen pro Monat auftreten und an mindestens acht dieser Tage Migränesymptome dazukommen. Eine Fachinformation zur Diagnose und Therapie gibt die Häufigkeit mit etwa 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung an. Zum Vergleich: Bei den meisten Menschen mit Migräne sind die Attacken seltener. Laut Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft haben etwa die Hälfte der Betroffenen eine Attacke pro Monat, etwa jede zehnte Person vier oder mehr.

Wichtig: Die Grenze zwischen „episodisch“ (mit Pausen) und „chronisch“ ist fließend, und Menschen können im Lauf des Lebens in beide Richtungen wechseln. Wenn du merkst, dass deine Attacken häufiger werden, ist das ein guter Grund, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen. Eine Möglichkeit bei chronischer Migräne ist zum Beispiel Botox, das wir im Artikel Botox bei Migräne: Das PREEMPT-Schema erklären.

Wie stark schränkt Migräne den Alltag ein?

Migräne gehört weltweit zu den Erkrankungen, die Menschen im Alltag am stärksten beeinträchtigen. Je nach Auswertung steht sie an zweiter Stelle der am meisten beeinträchtigenden Krankheiten weltweit. Die Rangfolge unterscheidet sich je nach Studie, Jahr und Altersgruppe, deshalb solltest du einzelne Platzierungen nicht überbewerten.

Verlässlicher ist die Größenordnung der verlorenen gesunden Lebensjahre. Für 2023 beziffert die GBD-Studie die Last durch Migräne auf 488 verlorene Lebensjahre pro 100.000 Einwohner, bei Spannungskopfschmerz sind es 54. Bei allen Kopfschmerzerkrankungen zusammen waren Frauen mehr als doppelt so stark betroffen: 734 verlorene Jahre pro 100.000 bei Frauen, 346 bei Männern.

Hinter diesen Zahlen stehen ganz konkrete Situationen: abgesagte Verabredungen, Fehltage, Attacken, die du zwischen Prüfung und Schicht irgendwie durchstehst. Genau deshalb lohnt es sich, den eigenen Verlauf zu kennen.

Was kostet Migräne die Gesellschaft?

Migräne verursacht hohe Kosten, vor allem durch Arbeitsausfälle und eingeschränkte Leistungsfähigkeit. Wie hoch die Summe ausfällt, hängt stark davon ab, was eingerechnet wird.

Ein Beispiel für eine enge Rechnung: Allein die Arbeitsunfähigkeit durch Migräne kostet laut Deutscher Apotheker Zeitung 3,1 Milliarden Euro pro Jahr. Das zeigt: Migräne ist keine Kleinigkeit, auch nicht für die Wirtschaft. Wie hoch die Gesamtsumme genau ist, bleibt aber eine Schätzung.

Warum gilt Migräne als unterversorgt?

Migräne gilt als unterversorgt, weil nur wenige Betroffene ärztliche Hilfe suchen und viele nicht die passende Behandlung bekommen. Das zeigt auch die RKI-Befragung.

Laut RKI suchen nur 22,0 Prozent der Frauen und 17,1 Prozent der Männer mit Kopfschmerzen innerhalb eines Jahres ärztliche Hilfe. Beim Blick auf Medikamente fällt auf: Nur 7,3 Prozent der Menschen mit Migräne nutzten Triptane für die Akutbehandlung, obwohl diese Medikamente gezielt gegen Migräneattacken entwickelt wurden.

Warum das so ist, lässt sich nur teilweise beantworten. Viele halten ihre Migräne für „normal“ oder denken, man könne ohnehin nichts tun. Das stimmt nicht: Es gibt Möglichkeiten, die dein Arzt oder deine Ärztin mit dir besprechen kann. Welche Behandlung zu dir passt, lässt sich aus Zahlen nicht ablesen, das gehört in die Praxis. Mehr zum Umgang mit Attacken findest du im Bereich Migräne-Behandlung.

Mit welchen anderen Erkrankungen hängt Migräne zusammen?

Migräne tritt überdurchschnittlich oft zusammen mit Depressionen und Angststörungen auf. Außerdem gibt es einen Zusammenhang mit einem leicht erhöhten Schlaganfallrisiko bei Migräne mit Aura.

Zur Depression zeigt eine Übersicht: Menschen mit Migräne haben ein zwei- bis zweieinhalbfach erhöhtes Risiko für Depressionen, und umgekehrt. Die Verbindung geht also in beide Richtungen. Das heißt nicht, dass das eine das andere verursacht. Möglicherweise spielen gemeinsame Mechanismen im Gehirn eine Rolle, belegt ist das nicht abschließend.

Zum Schlaganfall: Laut Schweizerischer Kopfwehgesellschaft ist das Risiko bei jungen Frauen unter 45 mit Migräne mit Aura leicht erhöht. Deshalb ist es sinnvoll, auf andere beeinflussbare Risikofaktoren zu achten. Das Risiko für den einzelnen Menschen bleibt klein, und Panik ist hier nicht angebracht. Wenn dich das Thema beschäftigt, sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber.

Wird Migräne häufiger?

Ob Migräne wirklich häufiger wird, ist nicht eindeutig geklärt. Die weltweite Rate der Kopfschmerzbetroffenen ist laut GBD-Studie seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Weil die Weltbevölkerung wächst, steigt die absolute Zahl der Betroffenen trotzdem.

Ein Hinweis auf einen echten Anstieg liefert die norwegische HUNT-Studie. Dort lag der Anteil der Menschen mit Migräne in der ersten Erhebung bei 12 Prozent, elf Jahre später bei 13 Prozent, vor allem bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 Jahren. Die Forschenden konnten die Ursache nicht benennen. Das ist eine einzelne Studie aus einem Land, du kannst sie also nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen.

Es gibt auch eine gute Nachricht: Zumindest bei Migräne sind die Aussichten laut ORF-Bericht zur GBD-Studie dank neuer Therapien positiv. Heilen lässt sich Migräne damit nicht, aber viele Betroffene können besser mit ihr leben.

Was bedeuten diese Zahlen für dich?

Die Zahlen zeigen vor allem eins: Du bist mit deiner Migräne nicht allein, und sie ist keine Einbildung. Millionen Menschen in Deutschland kennen das Pochen, die Übelkeit und die Reizempfindlichkeit, und die Wissenschaft misst die Belastung als hoch.

Was kannst du praktisch daraus mitnehmen?

  • Nimm deine Migräne ernst. Wenn sie dich regelmäßig einschränkt, ist ein Arztbesuch sinnvoll, auch wenn viele andere nie hingehen.
  • Kenne deinen eigenen Verlauf. Statistiken über Millionen Menschen sagen nichts über deinen Alltag. Wie oft, wie stark, wie lange und in welchen Phasen deine Attacken auftreten, kannst du nur selbst festhalten.
  • Achte auf Veränderungen. Werden die Attacken häufiger oder anders, ist das ein Grund, das ärztlich abklären zu lassen.
  • Sprich über Medikamente nur mit Fachleuten. Welche Behandlung für dich passt, entscheidet dein Arzt oder deine Ärztin.

Wenn du Muster in deinen Attacken erkennen möchtest, hilft dir ein Migränetagebuch. Mögliche Auslöser wie Schlaf, Stress oder Bildschirmzeit erklären wir zum Beispiel in Migräne und Bildschirm: Ist das Blaulicht wirklich schuld? und im Bereich Migräne-Auslöser.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen in Deutschland haben Migräne?

Nach gesundheitsinformation.de haben etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern wiederkehrende Migräneanfälle. Die Deutsche Hirnstiftung geht von rund 8 bis 10 Millionen Betroffenen aus. Die genaue Zahl hängt davon ab, wie Migräne in der jeweiligen Studie erfasst wird.

Warum haben Frauen häufiger Migräne als Männer?

Vor der Pubertät sind Mädchen und Jungen laut gesundheitsinformation.de etwa gleich häufig betroffen, danach sind Frauen 2- bis 3-mal so oft betroffen. Das spricht dafür, dass Hormone eine Rolle spielen, die genauen Mechanismen sind aber nicht vollständig geklärt.

Ist Migräne häufiger als Spannungskopfschmerz?

Nein, Spannungskopfschmerz ist laut Global-Burden-of-Disease-Studie weltweit fast doppelt so häufig. Migräne verursacht aber etwa 90 Prozent der durch Kopfschmerzen verlorenen gesunden Lebensjahre, weil die Attacken deutlich stärker einschränken.

Wie viele Menschen haben chronische Migräne?

Eine Fachinformation nennt etwa 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Chronisch heißt: Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon mindestens acht mit Migränesymptomen. Wenn deine Attacken häufiger werden, solltest du das ärztlich besprechen.

Wie viele Menschen mit Migräne gehen zum Arzt?

Nur eine Minderheit: Laut RKI suchen 22,0 Prozent der Frauen und 17,1 Prozent der Männer mit Kopfschmerzen innerhalb eines Jahres ärztliche Hilfe. Dabei können Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob es wirklich Migräne ist, und mit dir besprechen, welche Behandlung infrage kommt.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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