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Frau mit Kopftuch drückt die Hand an die Schläfe, daneben verschwommene Landschaft mit schillernden Zickzacklinien als Migräneaura
Symptome

Migräne mit Aura: Die Anzeichen vor der Attacke verstehen

Von Laurine Nicoletti10 min

Du sitzt am Schreibtisch oder in der Vorlesung, und plötzlich flimmert ein Teil deines Blickfelds. Vielleicht siehst du Zickzacklinien, einen hellen Fleck oder ein Kribbeln wandert dir die Hand hinauf. Wenige Minuten später (oder auch gar nicht) folgt der Kopfschmerz: Dann steckt vermutlich eine Migräne mit Aura dahinter.

Das ist typisch für Migräne mit Aura: vorübergehende Störungen des Nervensystems, die meist kurz vor dem Kopfschmerz auftreten. Sie sind unheimlich, aber in aller Regel harmlos, und sie haben ein klares Muster. In diesem Artikel erfährst du, was dabei im Gehirn passiert, welche Formen es gibt, wie du eine Aura von einem Notfall unterscheidest und warum ein Verlauf auf dem Handy dir beim Arztgespräch hilft. Einen Überblick über die Grundlagen findest du auch auf unserer Seite Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Eine Aura besteht aus vorübergehenden Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen, die sich langsam aufbauen und meist nach höchstens einer Stunde vollständig verschwinden.
  • Ursache ist nach heutigem Verständnis eine langsame Welle veränderter Nervenaktivität in der Hirnrinde, kein Problem deiner Augen.
  • Treten Symptome plötzlich, ungewohnt oder ungewöhnlich lange auf, gehören sie sofort abgeklärt (Notruf 112), weil sie wie ein Schlaganfall aussehen können.
  • Migräne mit Aura geht mit einem leicht erhöhten Gefäßrisiko einher, vor allem zusammen mit Rauchen und östrogenhaltiger Verhütung, besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Was ist eine Migräne mit Aura und wie häufig ist sie?

Eine Migräne mit Aura ist eine Migräne, bei der dem Kopfschmerz neurologische Symptome vorausgehen, meist Sehstörungen. Als Aura bezeichnet man dabei Zeichen, die der Kopfschmerzphase direkt vorangehen. Das beschreibt Neurologen und Psychiater im Netz so: Sie bauen sich langsam auf, gehen langsam zurück und bilden sich in der Regel vollständig zurück.

Wie viele Betroffene eine Aura haben, wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Neurologen und Psychiater im Netz nennt etwa 10 bis 15 Prozent der Migränepatienten, das MSD Manual für Patienten spricht von fast 25 Prozent. Beides zeigt: Die meisten Menschen mit Migräne kennen keine Aura, aber du bist mit ihr bei weitem nicht allein.

Manche haben eine Aura nur bei einem Teil ihrer Attacken. Auch das ist normal: Dieselbe Person kann Anfälle mit und ohne Aura erleben.

Wenn du dich fragst, ob das in der Familie liegt: Mehr dazu liest du in unserem Artikel Migräne erblich?.

Warum entsteht die Aura? Die Welle im Gehirn

Die Aura entsteht nach heutigem Wissen durch eine langsam wandernde Welle in der Hirnrinde und nicht in deinen Augen. Fachleute nennen sie kortikale Ausbreitungsdepression. Dabei breitet sich eine Welle veränderter elektrischer Aktivität langsam über die Hirnrinde aus und hemmt die Nervenzellen vorübergehend.

Das erklärt, warum die Symptome wandern. Das Flimmern beginnt oft in der Mitte oder am Rand des Blickfelds und breitet sich über mehrere Minuten aus, weil die Welle über das Areal läuft, das für das Sehen zuständig ist. Läuft sie über andere Bereiche, entstehen Kribbeln oder Sprachprobleme.

Dieser Mechanismus ist das, was die Forschung am besten erklärt. Er ist aber kein vollständiges Bild: Warum die Welle bei dir genau dann auftritt und wie sie mit dem Kopfschmerz zusammenhängt, ist nicht abschließend geklärt. Der Zusammenhang mit dem Kopfschmerz ist in der Fachwelt weiterhin ein aktives Forschungsfeld.

Welche Arten von Aura gibt es und wie fühlen sie sich an?

Am häufigsten sind Sehstörungen, danach folgen Gefühls- und Sprachstörungen. Die meisten Menschen erleben eine Mischung, die nacheinander auftritt.

Visuelle Aura: Flimmern, Zickzack, blinde Flecken

Die MSD-Fachinformation nennt als häufigste Zeichen Blitze im Gesichtsfeld, Bögen aus flimmerndem Licht, leuchtende Zickzackmuster und Skotome (das sind Ausfälle im Gesichtsfeld, also dunkle oder blinde Flecken). Typisch ist, dass das Flimmern in der Mitte des Sehens beginnt und sich langsam über das Gesichtsfeld ausbreitet.

Wichtig: Das Flimmern bleibt auch bestehen, wenn du ein Auge schließt. Es spielt sich im Gehirn ab, nicht im Auge.

Sensible Aura: Kribbeln und Taubheit

Dabei kribbelt es oder fühlt sich taub an, oft in einer Hand, die sich langsam über Arm und Gesicht ausbreitet, meist nur auf einer Seite. Laut MSD Manual können auch Schwäche, Taubheit oder Kribbeln im Gesicht oder in den Gliedmaßen einer Körperseite zur Aura gehören.

Sprachliche Aura: Wörter finden fällt schwer

Manche Betroffene haben vorübergehend Wortfindungsstörungen oder sprechen undeutlich. Auch Schwindel oder Gangunsicherheit können vorkommen, wie Neurologen und Psychiater im Netz beschreibt. Gerade diese Formen verunsichern viele, deshalb gehören sie besonders gut mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen.

Sehr selten: hemiplegische Migräne

Bei der hemiplegischen Migräne kommt es zu einer einseitigen Schwäche. Laut MSD Manual kann sie sporadisch oder familiär auftreten und ist selten. Diese Form gehört in jedem Fall in fachärztliche Hände.

Wie lange dauert die Aura und kommt sie auch ohne Kopfschmerz?

Eine Aura dauert typischerweise 15 bis 30 Minuten, maximal etwa eine Stunde, und sie kann auch ohne Kopfschmerz auftreten. Nach Neurologen und Psychiater im Netz entwickeln sich die Anzeichen meist über 5 bis 10 Minuten (höchstens 20), halten etwa 15 bis 30 Minuten an (höchstens 60) und bilden sich dann wieder zurück. Das MSD Manual beschreibt es ähnlich: weniger als 60 Minuten.

Meistens beginnt der Kopfschmerz erst, wenn die Aura vorbei ist. Manchmal überlappen sich beide aber auch. Und manche Menschen haben nur die Aura, ohne dass danach Kopfschmerz kommt, oder nur einen leichten, wie das MSD Manual festhält.

Die Aura ist außerdem nicht das Gleiche wie die Vorphase. Diese kann Stunden bis zu zwei Tage vor der Attacke auftreten und zeigt sich etwa durch Stimmungsschwankungen, Heißhunger oder Gähnen, wie Neurologen und Psychiater im Netz erklärt. Wer beides kennt, kann Warnzeichen besser einordnen.

Aura oder Schlaganfall: Woran erkennst du den Unterschied?

Eine Aura baut sich langsam auf und verschwindet vollständig wieder, ein Schlaganfall beginnt dagegen meist plötzlich. Genau das ist der wichtigste Unterschied, den Neurologen und Psychiater im Netz hervorhebt: Typisch für die Aura ist, dass die Symptome langsam entstehen, zum Beispiel breitet sich ein Flimmern in einer Ecke des Gesichtsfelds über mehrere Minuten aus. Meist bilden sie sich innerhalb einer Stunde vollständig zurück.

Das heißt nicht, dass du jede Aura fürchten musst. Es heißt, dass du dein eigenes Muster kennen solltest. Denk an einen Schlaganfall und ruf die 112, wenn:

  • die Symptome plötzlich auftreten, statt sich über Minuten aufzubauen,
  • du etwas erlebst, das du so von deiner Aura nicht kennst (zum Beispiel erstmals Lähmung, Sprachverlust oder Sehverlust),
  • die Symptome ungewöhnlich lange anhalten,
  • Aura-Symptome gleichzeitig mit dem Kopf- oder Gesichtsschmerz beginnen.

Der Hinweis auf gleichzeitigen Beginn und auf neue oder ungewöhnliche Symptome stammt von Neurologen und Psychiater im Netz. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel den Notruf wählen. Diese Einschätzung ersetzt keine ärztliche Beurteilung.

Wenn du deine Aura zum ersten Mal erlebst, lass sie in jedem Fall ärztlich abklären, auch wenn sie von selbst wieder verschwindet. Bei jungen Menschen steckt meist Migräne dahinter, das sollte aber jemand bestätigen.

Erhöht Migräne mit Aura das Risiko für Gefäßerkrankungen?

Ja, das Risiko ist leicht erhöht, aber das absolute Risiko bleibt für die meisten jungen Frauen klein. Das Deutsche Gesundheitsportal betont, dass das absolute Schlaganfallrisiko auch mit zusätzlichen Risikofaktoren eher gering ist.

Wichtig ist, was du beeinflussen kannst. Besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob bei dir weitere Gefäßrisiken eine Rolle spielen, etwa Rauchen oder die Verhütung. Rauchen solltest du möglichst vermeiden.

Aura und Pille: Das solltest du mit deiner Frauenärztin besprechen

Bei Migräne mit Aura sollten östrogenhaltige, kombinierte Verhütungsmittel laut den Empfehlungen im Deutschen Gesundheitsportal eher vermieden werden. Alternativen sind Verhütungsmittel mit nur einem Hormon (Gestagen) oder hormonfreie Methoden. Welche für dich passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Setze deine Pille niemals auf eigene Faust ab.

Mehr zum Thema Auslöser findest du auf unserer Seite Migräne-Auslöser.

Brauchst du bei Aura ein MRT?

Ob bei dir eine Bildgebung nötig ist, beurteilen Hausärztin, Neurologe oder Neurologin im Einzelfall. Du musst dich nicht selbst darauf festlegen.

Besonders wichtig ist es, dass du genau beschreiben kannst, was bei dir typisch ist und wann sich etwas verändert, zum Beispiel bei einem ungewöhnlichen Verlauf oder anhaltenden neurologischen Auffälligkeiten. Das hilft deiner Ärztin oder deinem Arzt bei der Entscheidung.

Warum hilft ein Aura-Tagebuch beim Arztgespräch?

Ein Verlauf mit konkreten Daten macht aus einem vagen „Ich habe manchmal Flimmern“ eine Information, mit der deine Ärztin arbeiten kann. Denn im Termin vergisst du oft die Hälfte: Wie lange dauerte es? Wie lief es ab? Was war an dem Tag los?

Das kannst du festhalten:

  • Ablauf: Was hast du gesehen oder gespürt, und in welcher Reihenfolge?
  • Dauer: Wann begann die Aura, wann war sie vorbei?
  • Kopfschmerz: Kam er danach, gleichzeitig oder gar nicht?
  • Umstände: Schlaf, Stress, Regel, Bildschirmzeit, Wetter.

Vielleicht fällt dir auf, dass das Flimmern öfter nach langen Bildschirmtagen auftaucht. Ob Blaulicht wirklich eine Rolle spielt, liest du in Migräne und Bildschirm. Muster wie diese siehst du erst, wenn du mehrere Wochen aufschreibst.

In Mellow kannst du Attacken schnell erfassen, Auslöser eintragen, Verlauf, Dauer und Intensität in Statistiken ansehen und einen Bericht für dein Arztgespräch nutzen. Der Luftdruck wird dabei automatisch mitverfolgt.

Was du ab jetzt tun kannst

Kenne dein Muster, nimm Veränderungen ernst und bleib gelassen, wenn alles wie gewohnt abläuft. Eine typische Aura ist unangenehm, aber sie geht vorbei.

  • Lass eine neu aufgetretene Aura ärztlich abklären.
  • Wähle bei plötzlichen, neuen oder ungewöhnlich langen Symptomen die 112.
  • Sprich mit deiner Frauenärztin über Verhütung, wenn du eine Aura hast.
  • Rauchst du? Auch das ist ein Gesprächsthema für deine Ärztin oder deinen Arzt.
  • Schreib deine Attacken über einige Wochen auf, damit du Muster erkennst.

Eine Heilung der Migräne gibt es nicht, aber Wissen nimmt vielen Auren den Schrecken. Wenn du weißt, was normal für dich ist, erkennst du das Ungewöhnliche viel schneller.

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Aura bei Migräne?

Eine Aura dauert meist 15 bis 30 Minuten und höchstens etwa 60 Minuten, wie Neurologen und Psychiater im Netz beschreibt. Dauern Symptome deutlich länger oder fühlen sie sich anders an als sonst, solltest du das ärztlich abklären lassen.

Kann man eine Aura ohne Kopfschmerzen haben?

Ja, manche Menschen haben nur eine Aura und anschließend keinen oder nur leichten Kopfschmerz. Das nennt das MSD Manual ausdrücklich. Wenn das neu bei dir ist, lass es ärztlich einordnen.

Was tun, wenn die Aura zum ersten Mal auftritt?

Bleib ruhig und achte auf Dauer und Ablauf. Lass die Beschwerden danach zeitnah ärztlich abklären. Treten die Symptome plötzlich auf, sind sie sehr ausgeprägt oder verschwinden sie nicht, wähle den Notruf 112.

Ist Flimmern vor den Augen immer eine Migräne-Aura?

Nein, Flimmern kann auch andere Ursachen haben. Typisch für eine Aura ist, dass es sich über mehrere Minuten ausbreitet und innerhalb einer Stunde wieder verschwindet, so die Beschreibung bei Neurologen und Psychiater im Netz. Ob es bei dir eine Aura ist, kann nur ein Arzt oder eine Ärztin feststellen.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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