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Besorgte Frau mit der Hand an der Schläfe sieht zackige, schimmernde Lichtblitze und einen dunklen Fleck
Symptome

Lichtblitze im Auge: Migräne-Aura oder Augenproblem?

Von Laurine Nicoletti10 min

Du sitzt am Schreibtisch oder in der Bahn, und plötzlich ist da ein flimmernder Fleck in deinem Sichtfeld. Oder du siehst Zickzacklinien, einen Kreis aus Lichtblitzen, eine Stelle, die einfach "fehlt". Dein erster Gedanke: Ist das meine Migräne, oder stimmt etwas mit meinen Augen nicht?

Lichtblitze im Auge sind bei Migräne sehr häufig und meist harmlos, sie können aber auch ein Zeichen für ein Augenproblem sein. In diesem Artikel erfährst du, wie eine typische Aura aussieht, woran du sie von anderen Ursachen unterscheidest und bei welchen Anzeichen du schnell zum Augenarzt oder in die Notaufnahme solltest. Einen Überblick über alle Beschwerden findest du in unserem Ratgeber Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Eine typische visuelle Aura entwickelt sich langsam über mehrere Minuten, wandert durchs Sichtfeld und klingt meist innerhalb einer Stunde vollständig ab.
  • Bei Migräne-Aura sehen beide Augen dasselbe, weil die Störung im Gehirn entsteht und nicht im Auge.
  • Neu auftretende Lichtblitze mit Rußregen, wachsendem Schatten oder plötzlich mehr "Mouches volantes" gehören sofort zum Augenarzt.
  • Plötzlicher Sehverlust, Doppelbilder oder Sehstörungen zusammen mit Lähmung, Taubheit oder Sprachproblemen sind ein Fall für den Notruf 112.

Wie sieht eine typische visuelle Aura aus?

Eine typische Aura beginnt meist mit einem kleinen flimmernden Fleck, der sich langsam ausbreitet und oft eine Zickzackform hat. Man nennt das Flimmerskotom: ein Skotom ist ein Gesichtsfeldausfall, also eine Stelle, an der du schlechter oder gar nichts siehst. Laut DocCheck Flexikon beginnt es meist am Rand des Gesichtsfelds, ist oft zickzackförmig begrenzt und kann sich rasch ausbreiten.

Betroffene beschreiben es sehr unterschiedlich. Nach Angaben von Neurologen und Psychiater im Netz reicht die Bandbreite vom Flimmern und Lichtblitzen bis zum Gesichtsfeldausfall. Etwa ein Drittel der Menschen mit Migräne erlebt eine Aura. Typische Bilder sind:

  • Zickzacklinien, die oft wie eine gezackte Burgmauer aussehen
  • Flimmernde oder blinkende Lichter, manchmal in Regenbogenfarben
  • Ein blinder Fleck, der größer wird oder durchs Sichtfeld wandert
  • Verschwommenes oder verzerrtes Sehen, als würdest du durch Wasser schauen

Ein wichtiger Punkt: Das Flimmerskotom tritt laut DocCheck Flexikon auf beiden Augen auf derselben Seite auf. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Ursache im Gehirn liegt und nicht im Auge selbst. Wenn du also abwechselnd ein Auge zuhältst und die Erscheinung bleibt, erzähl das später deiner Ärztin. Als Selbstdiagnose taugt das nicht, aber es ist eine hilfreiche Beobachtung.

Wenn du mehr über die Aura insgesamt wissen willst, lies Migräne mit Aura: Die Anzeichen vor der Attacke verstehen.

Wie lange dauert eine Aura, und was kommt danach?

Eine Aura dauert meist 20 bis 30 Minuten und selten länger als eine Stunde. So beschreibt es das DocCheck Flexikon: Die Erscheinungen sind vollständig reversibel, bilden sich also komplett zurück.

Nach den üblichen Diagnosekriterien breitet sich mindestens ein Aura-Symptom über mindestens fünf Minuten allmählich aus, und jedes einzelne Symptom hält 5 bis 60 Minuten an. Der Kopfschmerz begleitet die Aura oder folgt innerhalb von 60 Minuten.

Das Entscheidende ist also die Dynamik: Es fängt klein an, wächst, wandert und verschwindet wieder. Ein Bild, das von einer Sekunde auf die andere da ist und sich dann nicht mehr verändert, passt eher nicht dazu.

Nicht jede Aura endet mit Kopfschmerzen. Manchmal bleibt es beim Flimmern, was stille Migräne genannt wird. Wie die Phasen einer Attacke zusammenhängen, erklären wir in Wie lange dauert eine Migräne?.

Augenmigräne, Flimmerskotom, retinale Migräne: Was ist was?

"Augenmigräne" ist im Alltag ein Sammelbegriff für Sehstörungen bei Migräne, aber nicht alles, was so heißt, ist dasselbe. Die Begriffe werden oft vermischt, deshalb hier eine kurze Ordnung:

  • Augenmigräne (ophthalmische Migräne): Meist ist damit die gewöhnliche visuelle Aura gemeint, also vorübergehende Sehstörungen auf beiden Augen, mit oder ohne Kopfschmerz. Mehr dazu in Augenmigräne: Was hinter dem Flimmern vor deinen Augen steckt.
  • Flimmerskotom: Das ist die Erscheinung selbst, also der flimmernde, oft zickzackförmige Gesichtsfeldausfall.
  • Retinale Migräne: Eine sehr seltene Form, bei der die Sehstörung nur ein Auge betrifft, weil die Netzhaut (Retina) beteiligt ist. Das DocCheck Flexikon beschreibt sie als vollständig rückbildungsfähig, mit Kopfschmerzen während oder bis zu einer Stunde nach der Sehstörung.

Wenn die Störung nur auf einem Auge auftritt, ist das kein Beweis für eine Netzhautmigräne. Dann sollte ein Augenarzt prüfen, ob es eine andere Ursache gibt. Welche weiteren Formen es gibt, siehst du in Migräne Arten: Die Formen im Überblick.

Welche Lichtblitze gehören zum Augenarzt?

Lichtblitze, die neu auftreten und nicht zum typischen Aura-Verlauf passen, solltest du zeitnah augenärztlich abklären lassen. Der Grund: Sie können vom Auge selbst kommen, etwa wenn der Glaskörper (die gelartige Füllung des Auges) an der Netzhaut zieht.

Laut MSD Manual sind Lichtblitze und Mouches volantes (die "fliegenden Mücken") in den meisten Fällen harmlos. Es gibt aber Warnzeichen, bei denen du sofort zum Augenarzt gehen solltest, zum Beispiel eine plötzliche Zunahme der Glaskörpertrübungen oder ein plötzlicher Verlust des Sehvermögens.

Bei einer Netzhautablösung, die ein Notfall ist, nennt gesundheitsinformation.de typische Anzeichen:

  • Lichtblitze, die teils auch bei geschlossenen Augen sichtbar sind
  • Rußregen: viele kleine schwarze Punkte, die nach unten sinken
  • Schatten oder Vorhang, der sich über Stunden oder Tage von außen nach innen im Sichtfeld ausbreitet

Zum Vergleich mit der Aura: Eine Migräne-Aura bringt flimmernde, wandernde Erscheinungen, die nach etwa einer Stunde verschwunden sind. Ein Schatten, der bleibt oder größer wird, ist etwas anderes. Auch wenn du kurzsichtig bist, schon einmal Probleme an der Netzhaut hattest oder die Blitze nur auf einem Auge auftreten, ist ein Termin beim Augenarzt sinnvoll.

Wenn du unsicher bist: Ruf in der Augenarztpraxis an und schildere genau, was du siehst. Bei einem Schatten oder einem plötzlichen Sehverlust geh direkt in eine Augenklinik oder zum augenärztlichen Notdienst.

Wann ist eine Sehstörung ein Fall für den Notruf 112?

Wenn die Sehstörung plötzlich beginnt und zusammen mit Lähmung, Taubheit, Sprachproblemen oder Doppelbildern auftritt, wähle 112. Ein Schlaganfall kann sich auch über das Sehen bemerkbar machen, und jede Minute zählt.

Laut Neurologen und Psychiater im Netz gehören zu den Warnzeichen unter anderem ein plötzlicher Sehverlust auf einem Auge, Doppelbilder und ein Gesichtsfeldausfall. Bei Verdacht sollst du sofort den Rettungsdienst rufen und nicht abwarten, ob es wieder vergeht.

Bei Migräne mit Aura ist das Thema besonders wichtig, weil sich die Symptome ähneln können. Neurologen und Psychiater im Netz weisen darauf hin, dass Menschen mit Aura ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Wenn du während einer Aura neue neurologische Symptome bemerkst, oder wenn Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen zeitgleich mit Kopf- und Gesichtsschmerzen auftreten, sollte man unbedingt auch an einen Schlaganfall denken. Das ist kein Grund zur Angst, aber ein guter Grund, im Zweifel lieber einmal zu oft anzurufen.

Es gibt Warnsignale, bei denen eine ärztliche Abklärung besonders wichtig ist:

  • Die Aura tritt zum ersten Mal auf, vor allem in höherem Lebensalter.
  • Du hast nur Ausfälle (etwas fehlt), aber kein Flimmern.
  • Die Aura ist sehr kurz oder dauert viel länger als eine Stunde.

Solche atypischen Verläufe sollten nach Angaben für Fachpersonal ärztlich abgeklärt werden, unter anderem, um eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn (TIA) auszuschließen. Mehr zur Einordnung findest du in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?.

Was notierst du, um Blitze und Zickzack zu beschreiben?

Je genauer du beschreibst, was du siehst, desto leichter kann dich eine Ärztin oder ein Augenarzt einordnen. Die Erinnerung ist nach ein paar Wochen nämlich oft verschwommen, und "irgendwie geflimmert" hilft in der Praxis wenig.

Diese Fragen helfen dir beim Notieren:

  • Wie sah es aus? Zickzack, Blitze, Punkte, ein Schatten, ein Loch?
  • Wo hat es angefangen, und wohin ist es gewandert? Mitte, Rand, links, rechts?
  • Auf welchem Auge? Beide, oder bleibt es, wenn du abwechselnd ein Auge zuhältst?
  • Wie lange hat es gedauert? Minuten, eine Stunde, länger?
  • Kam danach Kopfschmerz? Und wie stark?
  • Gab es weitere Symptome? Kribbeln, Taubheit, Sprachprobleme, Schwindel?
  • Was war davor los? Stress, wenig Schlaf, Bildschirmarbeit, Zyklus?

Wie du ein Tagebuch sinnvoll führst, steht in Migränekalender: Was du notieren solltest.

Was tust du, wenn du deine Aura schon kennst?

Wenn du deine Aura kennst und sie sich immer gleich anfühlt, kannst du dich meist darauf einstellen, ohne in Panik zu geraten. Ein vertrauter Ablauf ist ein gutes Zeichen: Sie fängt klein an, wandert, verschwindet nach einer Weile und hinterlässt keine bleibenden Ausfälle.

Ein paar praktische Gedanken für diese Zeit:

  • Unterbrich, was du gerade tust. Auto oder Fahrrad fahren, Treppen steigen oder am Herd stehen ist mit eingeschränkter Sicht keine gute Idee. Setz dich hin, bis die Aura vorbei ist.
  • Merke dir die Uhrzeit. Wenn du den Beginn kennst, weißt du später, wie lange es gedauert hat.
  • Schau, ob es wie immer ist. Fühlt sich etwas anders an, sind neue Symptome dazugekommen oder dauert es deutlich länger als sonst, dann nimm das ernst und lass es abklären.
  • Sprich mit deiner Ärztin über Medikamente. Wann du in einer Attacke was einnimmst, ist eine Frage für deine Praxis, nicht für das Internet.

Dass sich dein Muster mit der Zeit ändert, kommt vor. Aber jede neue Art von Aura ist ein guter Anlass, einmal nachfragen zu lassen.

Fazit: Was du siehst, zählt, also halte es fest

Flimmern, Zickzack und blinde Flecken sind bei einer Migräne-Aura häufig, meist harmlos und gehen nach etwa einer Stunde wieder weg. Wenn sich etwas anders anfühlt, nur ein Auge betroffen ist, ein Schatten bleibt oder zusätzlich Lähmungen, Taubheit oder Sprachprobleme auftreten, ist das ein Grund, schnell ärztliche Hilfe zu holen.

Du musst nicht selbst entscheiden, was es ist. Beschreib, was du siehst, wie lange es dauert und was dabei passiert, und lass die Profis den Rest einordnen. Das kann Augenarzt, Hausarztpraxis, Neurologin oder im Zweifel die 112 sein.

Häufige Fragen

Kann ich Lichtblitze und Flimmern ohne Kopfschmerzen bekommen?

Ja, das ist möglich. Laut DocCheck Flexikon können Sehstörungen bei Augenmigräne von Kopfschmerzen begleitet werden, müssen es aber nicht. Wenn die Aura zum ersten Mal ohne Schmerz auftritt, lass sie trotzdem einmal ärztlich anschauen.

Sind Lichtblitze bei geschlossenen Augen ein Zeichen für Migräne?

Nicht zwingend. gesundheitsinformation.de nennt Lichtblitze, die manchmal auch bei geschlossenen Augen sichtbar sind, als mögliches Zeichen einer Netzhautablösung. Sind sie neu, wiederholen sie sich oder kommen weitere Anzeichen dazu, geh zeitnah zum Augenarzt.

Muss ich bei einer bekannten Aura jedes Mal zum Arzt?

Nein, wenn die Aura wie immer abläuft, ist das in der Regel nicht nötig. Ärztlichen Rat brauchst du, wenn sie zum ersten Mal auftritt, sich im Muster verändert oder ungewöhnlich lange dauert. Bei plötzlichem Sehverlust, Doppelbildern oder zusätzlichen Ausfällen ist der Notruf 112 richtig.

Zu wem gehe ich zuerst: Augenarzt oder Neurologin?

Das hängt davon ab, was du bemerkst. Bei Blitzen, Rußregen oder einem Schatten im Sichtfeld ist der Augenarzt die erste Adresse. Bei einem wandernden Flimmern mit Kopfschmerz oder anderen Symptomen kannst du mit deiner Hausarztpraxis oder einer Neurologin sprechen, die dich bei Bedarf weiterverweisen.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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