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Frau im gestreiften Schlafanzug mit geschlossenen Augen und Hand an der Schläfe, links ein roter Blitz, rechts eine bunte Wellenblase
Symptome

Migräne ohne Aura: Symptome, Dauer und Unterschiede zur Migräne mit Aura

Von Laurine Nicoletti9 min

Du wachst mit einem pochenden Schmerz auf einer Kopfseite auf, das Licht im Zimmer ist plötzlich zu hell, und dir ist leicht übel. Nichts flimmert, nichts kribbelt, kein Zickzack vor den Augen. Trotzdem fühlt es sich nicht wie ein normaler Kopfschmerz an. Dann ist die Frage naheliegend: Kann das Migräne ohne Aura sein?

Ja, das kann es. Migräne ohne Aura ist die häufigste Form der Migräne, und sie kommt ganz ohne Vorboten wie Flimmern oder Sehstörungen aus. In diesem Artikel erfährst du, an welchen Symptomen du sie erkennst, wie lange sie dauert und wie sie sich von der Migräne mit Aura unterscheidet. Einen größeren Überblick über das Thema findest du auf unserer Seite Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Migräne ohne Aura betrifft laut Neurologen und Psychiater im Netz etwa 85 Prozent aller Menschen mit Migräne und ist damit die häufigste Form.
  • Typisch sind ein pulsierender, meist einseitiger Schmerz mit Übelkeit sowie Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit, und eine Attacke dauert laut gesundheitsinformation.de bei Erwachsenen 4 bis 72 Stunden.
  • Der entscheidende Unterschied zur Migräne mit Aura: Es gibt keine vorübergehenden Ausfälle wie Flimmern, Taubheit oder Sprachstörungen vor dem Schmerz.
  • Ob es wirklich Migräne ist, klärt eine Ärztin oder ein Arzt im Gespräch, ein Kopfschmerztagebuch hilft dabei.

Was ist Migräne ohne Aura?

Migräne ohne Aura ist eine Migräne, bei der der Kopfschmerz ohne neurologische Vorzeichen beginnt. Früher wurde sie auch „gewöhnliche Migräne" genannt.

Eine Aura ist eine kurze Phase mit vorübergehenden Ausfällen oder Reizsymptomen des Nervensystems, zum Beispiel Sehstörungen. Wenn sie fehlt, bleibt der Rest der Migräne trotzdem derselbe: Es gibt einen Kopfschmerz mit typischen Begleitsymptomen, der in Attacken auftritt. Falls dir ein Begriff dabei unklar ist, hilft dir unser Migräne Glossar.

Wie häufig diese Form ist, zeigen die Zahlen der Neurologen und Psychiater im Netz: Etwa 85 Prozent der Betroffenen haben eine Migräne ohne Aura, rund 15 Prozent eine mit Aura. Mehr Zahlen findest du in unserem Artikel zur Migräne Statistik.

Die Symptome der Migräne ohne Aura

Das Kernsymptom ist ein mittelstarker bis starker, pulsierender oder pochender Kopfschmerz, meist auf einer Seite. Laut gesundheitsinformation.de beginnt er oft einseitig und kann sich dann auf Stirn, Schläfe und Augenbereich ausbreiten. Die Seite kann von Attacke zu Attacke wechseln.

Dazu kommen typische Begleitsymptome. Auf der Seite der Neurologen und Psychiater im Netz werden diese genannt:

  • Übelkeit, manchmal auch Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Lärmempfindlichkeit
  • Geruchsempfindlichkeit
  • Verstärkung des Schmerzes bei körperlicher Anstrengung, etwa beim Treppensteigen

Viele Betroffene ziehen sich deshalb in ein dunkles, ruhiges Zimmer zurück. Das ist keine Schwäche, sondern ein typischer Teil der Migräne.

Auch ohne Aura gibt es Vorboten

Auch wenn keine Aura auftritt, kündigt sich eine Attacke bei manchen Menschen schon Stunden vorher an. Laut Neurologen und Psychiater im Netz erleben etwa 30 Prozent der Menschen mit Migräne eine solche Vorphase, die wenige Stunden bis zu zwei Tage vor dem Kopfschmerz beginnen kann.

Genannt werden unter anderem:

  • gehobene Stimmung oder ungewöhnlich viel Energie
  • Gereiztheit oder gedrückte Stimmung
  • Heißhunger auf Süßes oder gesteigerter Appetit
  • Müdigkeit, Verstopfung oder ungewöhnlicher Durst

Diese Vorphase ist nicht dasselbe wie eine Aura. Sie ist eher ein Gefühl, dass „etwas im Anmarsch ist", ohne dass dein Sehen oder Fühlen gestört wäre. Und nicht jede Frau bemerkt sie überhaupt.

Wie lange dauert Migräne ohne Aura?

Eine Attacke dauert bei Erwachsenen in der Regel zwischen 4 und 72 Stunden, so gesundheitsinformation.de. Die eigentliche Schmerzphase hält also mindestens vier Stunden an, kann aber auch drei Tage dauern.

Danach folgt die Nachphase, in der die Beschwerden langsam abklingen. Viele fühlen sich danach noch erschöpft oder „wie durch die Mangel gedreht". Wie die einzelnen Abschnitte einer Attacke aussehen, erklären wir ausführlich in Wie lange dauert eine Migräne? Alle Phasen im Überblick.

Wichtig zu wissen: Laut Neurologen und Psychiater im Netz beginnen Migräneformen ohne Aura häufig langsamer, dauern länger und beeinträchtigen Betroffene stärker als eine Migräne mit Aura. Wenn dir deine Attacken den ganzen Tag nehmen, ist das also nicht „übertrieben", sondern passt zu diesem Bild.

Migräne ohne Aura und mit Aura: die Unterschiede

Der wichtigste Unterschied ist die Aura selbst: Bei der Migräne mit Aura kommen vor oder zu Beginn des Schmerzes vorübergehende neurologische Symptome dazu, bei der Migräne ohne Aura nicht. Der Schmerz und die Begleitsymptome können dagegen sehr ähnlich sein.

Nach Neurologen und Psychiater im Netz und gesundheitsinformation.de lassen sich die beiden Formen so vergleichen:

Ohne AuraMit Aura
Anteil der Betroffenenetwa 85 Prozentetwa 10 bis 15 Prozent
Vorzeichenkeine Aura, manchmal eine Vorphase mit Stimmungs- oder AppetitveränderungenAura, oft Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheit
Aura-Dauerentfälltmeist etwa 15 bis 60 Minuten
Beginnoft langsamerAura kommt zuerst, der Kopfschmerz folgt meist danach
Schmerzphase4 bis 72 Stunden4 bis 72 Stunden

Bei einer Aura entwickeln sich die Symptome laut Neurologen und Psychiater im Netz meist über 5 bis 10 Minuten und halten typischerweise 15 bis 30 Minuten an. Meist setzt der Kopfschmerz erst nach dem Ende der Aura ein, manchmal überlappen sich beide.

Wie eine Aura genau aussieht, liest du in Migräne mit Aura: Die Anzeichen vor der Attacke verstehen. Das Flimmern vor den Augen ist außerdem Thema in unserem Artikel zur Augenmigräne.

Kann man beide Formen haben?

Ja, das ist möglich. Manche Menschen erleben mal Attacken mit und mal ohne Aura. Wenn du bei einzelnen Attacken zum ersten Mal Flimmern, Taubheit oder Sprachprobleme bemerkst, ist das ein Grund, es ärztlich anschauen zu lassen (mehr dazu weiter unten).

Migräne, Spannungskopfschmerz oder „normaler" Kopfschmerz?

Migräne ohne Aura lässt sich vom Spannungskopfschmerz vor allem an Schmerzart, Seite und Begleitsymptomen unterscheiden. Auf der Seite von gesundheitsinformation.de zu Kopfschmerzformen und im MSD Manual wird das so beschrieben:

  • Migräne: pulsierend, hämmernd, meist halbseitig, durch Bewegung schlimmer, oft mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
  • Spannungskopfschmerz: drückend, dumpf oder ziehend, auf beiden Seiten, bei Bewegung nicht schlimmer, ohne die typischen Begleitsymptome wie Übelkeit.

In der Praxis ist es nicht immer so eindeutig. Manche Attacken fühlen sich gemischt an, und auch bei Migräne kann der Nacken verspannt sein. Eine ausführliche Einordnung findest du in Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?.

Wenn du fast täglich Kopfschmerzen hast, lohnt sich außerdem ein Blick in unseren Artikel Jeden Tag Kopfschmerzen.

Wie wird Migräne ohne Aura festgestellt?

Es gibt keinen Bluttest und kein Bild, das Migräne beweist: Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt nach einem Gespräch und einer Untersuchung. Das schreiben Neurologen und Psychiater im Netz. Gefragt wird nach Symptomen, Stärke und Häufigkeit der Attacken, Begleitsymptomen und Medikamenten.

Dabei hilft ein Kopfschmerztagebuch. Laut derselben Quelle kann die Diagnose leichter gestellt werden, wenn du festhältst, wie oft die Attacken kommen, wie schwer sie sind und welche weiteren Symptome auftreten. Auch eingenommene Medikamente und besondere Umstände kannst du notieren.

Genau dafür ist Mellow gedacht: Du siehst in der App Kalender, Dauer, Intensität und Trends deiner Attacken und kannst das bei Bedarf in einem Bericht für deine Ärztin oder deinen Arzt zeigen. Welche Auslöser bei dir eine Rolle spielen könnten, erfährst du in Migräne Auslöser erkennen.

Wann zur Ärztin oder zum Arzt, wann den Notruf wählen?

Die meisten Migräneattacken sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Es gibt jedoch Warnzeichen, bei denen du schnell handeln solltest.

Laut Neurologen und Psychiater im Netz und dem MSD Manual solltest du sofort den Notruf 112 wählen, wenn:

  • ein Kopfschmerz plötzlich wie ein Donnerschlag einsetzt oder deutlich stärker ist als sonst,
  • zum Kopfschmerz Fieber, Nackensteifigkeit, Hautausschlag, Verwirrtheit, Krämpfe, Doppelbilder oder Sprachstörungen kommen,
  • Lähmungen, Sprech- oder Sehstörungen länger anhalten als gewohnt.

Zu den Anzeichen eines Schlaganfalls informiert auch gesundheitsinformation.de. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig.

Einen normalen Termin solltest du vereinbaren, wenn deine Attacken neu sind, häufiger werden, sich verändern oder dein Alltag darunter leidet. Das gilt auch, wenn du dir nicht sicher bist, ob es wirklich Migräne ist. Über Medikamente oder andere Behandlungen sprichst du immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Was du schon jetzt tun kannst

Du musst nicht auf einen Termin warten, um deine Attacken besser zu verstehen. Ein paar kleine Schritte helfen oft schon:

  • Attacken festhalten: Datum, Dauer, Stärke, Begleitsymptome und was davor los war. Fehlt eine Aura, notierst du das ebenfalls, denn das ist für die Einordnung nützlich.
  • Muster suchen: Schlaf, Stress, Bildschirmzeit, Zyklus und Essen sind häufige Kandidaten. Lies dazu Stress und Migräne, Migräne und Periode oder Migräne am Morgen.
  • Vorboten ernst nehmen: Wenn du Heißhunger oder ungewöhnliche Müdigkeit bemerkst, kann das ein Hinweis auf die Vorphase sein. Notiere es und beobachte, ob sich ein Muster zeigt.
  • Dir Ruhe erlauben: Dunkelheit und Ruhe sind während einer Attacke völlig in Ordnung. Ideen ohne Medikamente findest du in Migräne Hausmittel.

Und noch etwas: Eine Migräne ohne Aura ist keine „mildere" Migräne, nur weil sie keine sichtbaren Vorzeichen hat. Deine Beschwerden sind echt, und es lohnt sich, sie ernst zu nehmen.

Häufige Fragen

Ist Migräne ohne Aura gefährlicher oder harmloser als Migräne mit Aura?

Keine der beiden Formen ist grundsätzlich „harmloser". Laut Neurologen und Psychiater im Netz dauert die Migräne ohne Aura häufig länger und beeinträchtigt Betroffene stärker. Bei Migräne mit Aura weisen Fachleute dagegen darauf hin, dass bei neuen oder ungewöhnlichen Symptomen auch an einen Schlaganfall gedacht werden muss.

Kann ich Migräne haben, ohne dass mir übel wird?

Übelkeit gehört zu den typischen Begleitsymptomen, aber nicht jede Attacke sieht gleich aus. Entscheidend ist das Gesamtbild aus Schmerzart, Begleitsymptomen und Dauer, das eine Ärztin oder ein Arzt einordnet. Ein Kopfschmerztagebuch hilft dir, dieses Bild zu zeigen.

Wie erkenne ich Migräne ohne Aura am Anfang einer Attacke?

Manche Menschen bemerken Stunden vorher eine Vorphase, etwa Heißhunger, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen, wie Neurologen und Psychiater im Netz beschreiben. Bei vielen beginnt der Schmerz aber ohne jedes Vorzeichen, meist einseitig und langsam zunehmend.

Kann sich eine Migräne ohne Aura in eine mit Aura verwandeln?

Beide Formen können bei derselben Person vorkommen, auch im Wechsel. Wenn du neue Symptome wie Flimmern, Taubheit oder Sprachprobleme bemerkst, sprich bald mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Bei plötzlichen oder anhaltenden Ausfällen wählst du den Notruf 112.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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