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Erschöpfter Mann mit geschlossenen Augen, die Hand am Kopf, liegt unter einer Decke auf dem Sofa
Symptome

Migränekater: Warum du nach der Attacke so erschöpft bist (Postdrom)

Von Laurine Nicoletti8 min

Der Schmerz ist weg, aber du fühlst dich trotzdem wie durch den Wfleischwolf gedreht. Dein Kopf ist watteweich, du kannst dich kaum konzentrieren, und schon eine Mail zu lesen kostet Kraft. Viele nennen das Migränekater, in der Fachsprache heißt diese Phase Postdrom (oder Rückbildungs- bzw. Erholungsphase).

Hier erfährst du, was in dieser Phase typischerweise passiert, wie lange sie dauern kann und wie du sie in deinem Kalender erkennst, damit du den Tag danach besser planen kannst. Einen Überblick über alle Beschwerden rund um die Attacke findest du auch in unserem Ratgeber Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Der Migränekater ist die letzte Phase einer Attacke: Der Schmerz klingt ab, doch Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit bleiben oft noch eine Weile.
  • Wie lange der Kater anhält, ist von Mensch zu Mensch und von Attacke zu Attacke verschieden.
  • Ein Migränekalender hilft dir, dein persönliches Muster zu erkennen und den Tag nach der Attacke ruhiger zu planen.

Was ist der Migränekater und welche Symptome hat er?

Der Migränekater ist die Erholungsphase nach dem Kopfschmerz, in der die Beschwerden nach und nach verschwinden und du dich oft müde, benommen oder gereizt fühlst. Eine Migräneattacke verläuft nicht nur als Schmerz, sondern in Phasen: Vorphase, bei manchen eine Aura, die Kopfschmerzphase und zum Schluss die Rückbildungsphase. Das beschreiben zum Beispiel Neurologen und Psychiater im Netz und die Apotheken Umschau.

Am Ende der Schmerzphase wird der pulsierende Schmerz oft gleichmäßiger, danach folgt häufig eine Schlafphase, mit der die Attacke abklingt. Das schreiben Neurologen und Psychiater im Netz. Auch die Barmer nennt ein erhöhtes Schlafbedürfnis, bis die Attacke ganz vorbei ist.

Typische Beschwerden nach dem Schmerz

Welche Symptome genau auftreten, ist von Frau zu Frau verschieden. Häufig genannt werden:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Konzentrationsschwierigkeiten, ein „Nebel im Kopf"
  • Nackensteife oder verspannte Schultern
  • Reizbarkeit oder gedrückte Stimmung
  • Benommenheit, manchmal auch leichter Schwindel

Wenn du dich in diesen Beschwerden wiedererkennst: Du bildest dir das nicht ein. Sie gehören für viele Betroffene zur Attacke dazu.

Warum bist du nach einer Attacke so erschöpft?

Eine einzige, sicher belegte Erklärung dafür gibt es nach unserem Stand der Recherche in den deutschsprachigen Quellen nicht. Was sich aber festhalten lässt: Eine Attacke ist für den ganzen Körper anstrengend, und viele schlafen währenddessen schlecht oder essen und trinken kaum etwas.

Wenn du Stunden mit Schmerz, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit verbracht hast, ist es naheliegend, dass dir danach die Energie fehlt. Wie sich die Erschöpfung im Gehirn erklärt, wird weiter erforscht; Fachleute beschreiben die Migräne als Erkrankung, bei der das Nervensystem für eine Weile aus dem Gleichgewicht gerät (mehr dazu in Migräne Ursachen: Was in deinem Gehirn wirklich passiert).

Interessant ist ein Detail von Neurologen und Psychiater im Netz: Nach der Attacke treten oft Beschwerden auf, die das Gegenteil der Vorboten sind. War dein Körper vorher aufgedreht und voller Heißhunger, kann er danach schlapp und appetitlos sein. Zu den Vorboten zählen laut Neurologen und Psychiater im Netz zum Beispiel Heißhunger, Durst, Gereiztheit oder Hochstimmung. Mehr dazu liest du unter Migräne Vorboten.

Wie lange dauert der Migränekater?

Wie lange der Migränekater anhält, ist von Mensch zu Mensch verschieden und kann auch von Attacke zu Attacke schwanken. Bei manchen sind es einige Stunden, bei anderen kann er länger dauern. Dein Kalender zeigt dir nach einiger Zeit, wie es bei dir typischerweise aussieht.

Zur Einordnung: Die Schmerzphase selbst dauert bei Erwachsenen laut Apotheken Umschau zwischen 4 und 72 Stunden. Der Kater kommt danach noch dazu. Wie sich die einzelnen Phasen zeitlich zusammensetzen, erklären wir in Wie lange dauert eine Migräne? Alle Phasen im Überblick.

Postdrom, Vorboten oder neue Attacke: Wie unterscheidest du das?

Der Unterschied liegt vor allem in der Reihenfolge: Das Postdrom kommt nach dem Schmerz, die Vorboten kommen davor, und eine neue Attacke bringt wieder echten Kopfschmerz mit. Im Alltag verschwimmt das aber schnell, vor allem wenn mehrere Attacken dicht aufeinander folgen.

Diese Fragen können dir helfen:

  • War der Kopfschmerz zwischendurch wirklich weg? Wenn ja, ist das, was jetzt kommt, eher Erholung oder Vorbote einer neuen Attacke.
  • Fühlt sich das Ganze wie dein Kater oder wie deine üblichen Vorboten an? Heißhunger, Gähnen und Gereiztheit können auf beides passen. Notiere, wie es bei dir war.
  • Kommt der Schmerz mit Übelkeit und Licht- oder Lärmempfindlichkeit zurück? Dann ist es vermutlich eine neue Attacke und kein Kater mehr.

Wenn sich eine Attacke über mehrere Tage hinzieht oder immer wieder aufflammt, hilft dir Migräne dauert mehrere Tage bei der Einordnung. Auch die Form der Migräne spielt eine Rolle: Bei Migräne ohne Aura fehlt eine Phase, die Rückbildungsphase gibt es aber trotzdem.

So erkennst du deinen Migränekater im Migränekalender

Wenn du den Tag nach der Attacke im Kalender festhältst, siehst du nach ein paar Wochen, wie dein Kater typischerweise aussieht und wie lange er dauert. Das klingt nach Kleinkram, ist aber der Schlüssel dazu, dass du Termine, Uni oder Arbeit realistischer planen kannst.

Wir empfehlen, nicht nur die Schmerzphase zu notieren, sondern auch die Stunden und den Tag danach. Mehr zum Aufbau eines hilfreichen Kalenders findest du in Migränekalender: Was du notieren solltest, damit er wirklich hilft.

Was du für den Tag danach festhalten kannst

Ein paar kurze Stichworte reichen völlig:

  • Wann der Schmerz endete und wann du dich wieder „normal" gefühlt hast
  • Wie du dich gefühlt hast (müde, benommen, gereizt, verspannt)
  • Was am Tag danach nicht ging, zum Beispiel Bildschirmarbeit oder Konzentration
  • Wie du geschlafen hast, in der Nacht davor und danach

Nach einigen Attacken erkennst du Muster: Vielleicht brauchst du nach einer langen Attacke immer einen halben Tag mehr, oder der Kater ist nach dem Schlaf deutlich besser. Das sind persönliche Beobachtungen und keine Diagnose. Wenn dich etwas daran verunsichert, nimm den Kalender zum nächsten Arzttermin mit.

So organisierst du den Tag nach der Attacke

Plane nach einer Attacke bewusst einen Puffer ein, statt direkt auf volles Tempo zu schalten. Das hat nichts mit Schwäche zu tun: Dein Körper hat gerade etwas Anstrengendes hinter sich.

Diese Ideen haben sich für viele Betroffene bewährt (sie sind Erfahrungswerte, keine belegten Therapien):

  • Wichtiges verschieben, wenn es geht. Prüfungen, Präsentationen und Gespräche, die du dir aussuchen kannst, lieber nicht auf den Tag nach einer Attacke legen.
  • Den Start sanft gestalten. Etwas essen, genug trinken, frische Luft. Das hilft vielen, auch wenn es keine Wunder bewirkt.
  • Aufgaben in kleine Teile zerlegen. Bei Nebel im Kopf sind eine Liste und zwei, drei Prioritäten leichter als ein voller Terminkalender.
  • Bildschirmpausen einplanen. Wenn du merkst, dass dich Licht und Bildschirm schneller erschöpfen, gönn deinen Augen Pausen.
  • Dir Bescheid sagen lassen. Wenn es dir hilft, informiere Kolleginnen, Dozentinnen oder Freunde vorab, dass du nach einer Attacke manchmal langsamer bist.

Auch der Schlaf spielt eine Rolle. Wie du mit Schlafproblemen und Kopfschmerz beim Aufwachen umgehst, erklärt Migräne am Morgen. Und weil Hausmittel immer nur ergänzen und nicht ersetzen, was du mit deiner Ärztin besprichst: Migräne Hausmittel zeigt, was ohne Medikamente wirklich helfen kann.

Wann solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen?

Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn der Kater dich im Alltag regelmäßig stark einschränkt oder sich anders anfühlt als sonst. Das gilt zum Beispiel, wenn die Erschöpfung nach den Attacken immer länger anhält oder du kaum noch zu dir selbst findest, bevor die nächste Attacke kommt.

Auch dann lohnt sich ein Termin, wenn deine Attacken häufiger werden oder neue Symptome dazukommen. Wer dafür zuständig ist und wie du dich vorbereitest, steht in Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?.

Bei plötzlichen, ungewöhnlich heftigen Kopfschmerzen oder neuen neurologischen Ausfällen warte nicht ab. Wann du schnell medizinische Hilfe brauchst, liest du in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt?.

Welche Medikamente für dich passen oder ob du etwas anpassen solltest, kann nur dein Arzt beurteilen. Einen allgemeinen Überblick bekommst du unter Migräne Medikamente.

Fazit

Der Migränekater ist keine Einbildung, sondern ein bekannter Teil der Attacke. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit sind nach dem Schmerzende für viele Betroffene typisch, und wie lange sie anhalten, ist individuell verschieden.

  • Rechne mit Erholungszeit. Plane den Tag nach einer Attacke wenn möglich mit Puffer, statt dich zu überfordern.
  • Beobachte dein Muster. Notiere ein paar Wochen lang, wann der Schmerz endete und wie du dich danach gefühlt hast.
  • Hol dir Rat, wenn es dich belastet. Wenn der Kater dein Leben stark einschränkt oder sich verändert, sprich mit deinem Arzt.

Die Wissenslage zum Postdrom ist noch dünner als zur Schmerzphase. Dein eigener Kalender sagt dir deshalb oft mehr als jede Durchschnittsangabe.

Häufige Fragen

Was ist der Migränekater?

Der Migränekater ist die Phase nach dem Ende der Kopfschmerzen, in der Müdigkeit, Benommenheit und Konzentrationsprobleme bleiben können. Fachleute sprechen von Rückbildungs- oder Erholungsphase, im Englischen von Postdrom.

Ist es normal, nach einer Migräne tagelang müde zu sein?

Müdigkeit nach der Attacke gehört für viele Betroffene zum Migränekater. Wie lange sie anhält, ist unterschiedlich. Wenn sie über Tage anhält oder dich stark belastet, sprich mit deinem Arzt.

Kann ich nach einer Migräne wieder arbeiten oder lernen?

Das hängt davon ab, wie stark dein Kater ist und wie sehr du dich konzentrieren musst. Viele fahren am Tag danach lieber einen Gang runter und verschieben Wichtiges, wenn möglich. Wenn das öfter nötig ist, kann ein Gespräch mit deiner Ärztin über deine Situation sinnvoll sein.

Woran erkenne ich, ob es ein Kater oder schon die nächste Attacke ist?

Beim Kater ist der Kopfschmerz weitgehend weg, und du fühlst dich vor allem erschöpft oder benommen. Kommt wieder Schmerz mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit zurück, ist es wahrscheinlich eine neue Attacke. Ein Kalender mit Zeitangaben macht den Unterschied nach einigen Wochen sichtbar.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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