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Mann liegt mit Kopfschmerzen im Bett, die Hand an der Schläfe, daneben Wasserglas, Tabletten und Kalender
Symptome

Migräne dauert mehrere Tage: Warum sie nicht aufhört und wann du zum Arzt solltest

Von Laurine Nicoletti8 min

Du wachst am dritten Tag in Folge mit demselben pochenden Schmerz auf. Die Tablette hat kurz geholfen, dann war er wieder da, und langsam fragst du dich, ob das noch „normal“ ist. Wenn deine Migräne mehrere Tage dauert, ist das anstrengend und verunsichernd, aber es gibt dafür bekannte Erklärungen und Wege, die du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt gehen kannst.

In diesem Artikel erfährst du, ab wann man von einer ungewöhnlich langen Attacke spricht, was dahinterstecken kann und wann ein Termin sinnvoll ist. Einen Überblick über die verschiedenen Beschwerden findest du auch in unserem Ratgeber Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Eine Migräneattacke dauert laut Neurologen und Psychiater im Netz in der Regel 4 bis 72 Stunden; hält sie länger an, sprechen Fachleute von einem Status migraenosus.
  • Zu häufig eingenommene Schmerz- oder Migränemittel können selbst Kopfschmerzen auslösen: Bei Triptanen gelten laut gesundheitsinformation.de schon 10 Einnahmetage pro Monat als zu viel.
  • Sofort ärztliche Hilfe brauchst du laut DMKG bei schlagartig einsetzenden, ungewohnt heftigen Kopfschmerzen oder wenn neurologische Ausfälle dazukommen.

Wie lange dauert eine Migräneattacke normalerweise?

Eine Migräneattacke dauert in der Regel zwischen 4 und 72 Stunden, so beschreibt es Neurologen und Psychiater im Netz. Das MSD Manual für Patienten spricht von Stunden bis zu mehreren Tagen. Drei Tage sind also schon die obere Grenze des Üblichen.

Dazu kommt: Vor den eigentlichen Kopfschmerzen kann es eine Vorphase geben, und auch danach fühlen sich viele noch erschöpft. Deshalb kann sich eine Attacke länger anfühlen, als die reine Kopfschmerzphase dauert. Wie die einzelnen Phasen ablaufen, erklären wir in Wie lange dauert eine Migräne?.

Was ist ein Status migraenosus?

Ein Status migraenosus ist eine schwere Migräneattacke, die länger als 72 Stunden anhält. Der Schmerz ähnelt dabei meist deinen üblichen Attacken, nur dass er einfach nicht abklingt.

Das heißt für dich: Es ist ein bekanntes Bild, für das Ärztinnen und Ärzte ein Vorgehen haben. Du musst es nicht aushalten, bis es von allein vorbeigeht.

Falls dir Begriffe wie Aura oder Prodrom begegnen, hilft dir unser Migräne-Glossar.

Warum geht eine Migräne manchmal nicht weg?

Es gibt mehrere Erklärungen für eine Migräne, die nicht aufhört, und sie können sich überlagern. Die drei häufigsten sind ein Übergebrauch von Schmerzmitteln, ein Wiederkehr-Kopfschmerz und Auslöser, die weiter wirken.

Schmerzmittel, die den Kreislauf selbst antreiben

Wer Schmerz- oder Migränemittel sehr oft einnimmt, kann dadurch zusätzliche Kopfschmerzen bekommen. gesundheitsinformation.de nennt die Grenzen: Bei Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen gelten 15 oder mehr Einnahmetage pro Monat als zu häufig, bei Triptanen und Ergotaminen schon 10 Tage.

Die DMKG empfiehlt deshalb, Kopfschmerz- und Migränemittel nicht länger als drei Tage in Folge und nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat einzunehmen. Gerade in einer langen Attacke ist die Versuchung groß, immer wieder nachzulegen. Genau das kann den Kreislauf aus Schmerz, Tablette und neuem Schmerz in Gang halten.

Von einem Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch spricht man, wenn die Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate bestehen und regelmäßig Mittel genommen werden. Laut Neurologen und Psychiater im Netz sind in Deutschland rund eine halbe Million Menschen davon betroffen. Du bist damit also nicht allein.

Der erste Schritt aus dem Kreislauf ist, ehrlich nachzuzählen, wie oft du Mittel nimmst. Ein Kopfschmerz- oder Medikamentenkalender hilft dabei, wie gesundheitsinformation.de beschreibt. Ob und wie du die Mittel für eine Weile weglässt, solltest du unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen, nicht auf eigene Faust.

Die Attacke kommt zurück

Manchmal ist es gar keine einzelne Attacke, sondern mehrere hintereinander. Es kann vorkommen, dass ein Kopfschmerz nach einer zunächst wirksamen Einnahme wieder stärker wird, nachdem er verschwunden oder deutlich besser war. Dann fühlt es sich an, als hätte die Attacke nie aufgehört.

Wie du damit am besten umgehst, ist eine Sache für das Arztgespräch. Mehr zu Triptanen findest du in Triptane bei Migräne.

Auslöser, die weiter wirken

Ein weiterer möglicher Grund: Der Auslöser ist noch da. Das kann Stress sein, der nicht nachlässt, ein gestörter Schlaf oder die Periode, die gerade läuft. Das ist eine plausible Erklärung, aber keine, die sich im Einzelfall von außen beweisen lässt. Dein Kalender kann Hinweise liefern.

Wie du solche Zusammenhänge erkennst, zeigen wir in Migräne Auslöser erkennen. Zum Zusammenspiel mit Stress lies Stress und Migräne.

Ist es wirklich eine Migräne?

Nicht jeder lange Kopfschmerz ist eine Migräne, und das lohnt sich zu klären. Die DMKG rät, dass ein Arzt oder eine Ärztin die Ursache abklären sollte, wenn Kopfschmerzen lange anhalten oder immer wieder kommen.

Auch bei einer bereits bekannten Migräne gilt: Eine erneute Diagnostik ist nötig, wenn sich der Kopfschmerz verändert. Das gilt etwa, wenn Häufigkeit und Intensität zunehmen, sich die Schmerzqualität ändert oder neue Begleitsymptome auftreten.

Zwei Artikel helfen dir bei der Einordnung: Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied? und Jeden Tag Kopfschmerzen. Sie ersetzen aber keine Untersuchung.

Was kann helfen, wenn sich die Attacke hinzieht?

Wenn die Migräne schon länger andauert, helfen vor allem Ordnung und frühe Rücksprache, mehr als das nächste Mittel. Das sind sinnvolle Schritte, die du ohne Risiko gehen kannst:

  • Aufschreiben, was passiert: Beginn, Stärke, Begleitsymptome und was du wann eingenommen hast. Was in einen Kalender gehört, steht in Migränekalender: Was du notieren solltest.
  • Reize reduzieren und für dich sorgen: Ruhe, Dunkelheit, ausreichend trinken und kleine Mahlzeiten. Welche Maßnahmen ohne Medikamente wirklich Sinn ergeben, liest du in Migräne Hausmittel.
  • Die Grenzen deiner Mittel kennen: Nicht länger als drei Tage in Folge, nicht öfter als an 10 Tagen im Monat, so die oben genannte DMKG-Empfehlung.
  • Früh nachfragen: Wenn du unsicher bist, ob du eine Praxis aufsuchen solltest, kannst du laut MSD Manual zunächst telefonisch in der Hausarztpraxis nachfragen.

Wann solltest du ärztliche Hilfe holen?

Es gibt zwei Stufen: Manche Zeichen verlangen sofortiges Handeln, andere einen zeitnahen Termin. Die Unterscheidung ist wichtig, damit du weder zu lange wartest noch unnötig Angst bekommst.

Sofort: Notarzt oder Notaufnahme

Sofortige Hilfe ist nötig, wenn Kopfschmerzen schlagartig und in ungewohnter Stärke auftreten. Wenn zusätzlich neurologische Störungen hinzukommen, ist das laut DMKG ein Notfall, der in einer Klinik behandelt werden muss.

Das MSD Manual nennt als Warnzeichen unter anderem:

  • Veränderungen des Sehvermögens
  • Schwäche, Benommenheit oder Verwirrtheit
  • Gleichgewichtsstörungen oder Schwierigkeiten beim Sprechen
  • Fieber mit steifem Nacken
  • sehr starke Kopfschmerzen, die wie ein Donnerschlag einsetzen

Dann zögere nicht, die 112 zu wählen. Mehr dazu in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?.

Zeitnah: ein Termin in der Praxis

Auch ohne Notfall ist ein Gespräch sinnvoll, wenn eine Attacke trotz deiner üblichen Behandlung länger als 72 Stunden anhält. Das gilt ebenso, wenn du Mittel an mehr als 10 (Triptane) beziehungsweise 15 Tagen (einfache Schmerzmittel) im Monat brauchst oder sich dein Kopfschmerz verändert.

Wenn Attacken regelmäßig sehr lang dauern, kann auch eine vorbeugende Behandlung ein Thema sein. Welche Optionen es gibt, zeigt zum Beispiel unser Artikel zu CGRP-Antikörpern.

Bei häufigen oder schweren Attacken kann laut Neurologen und Psychiater im Netz eine Neurologin oder ein Neurologe helfen, die beste Behandlungsstrategie zu entwickeln.

So bereitest du deinen Termin vor

Je genauer du berichten kannst, desto gezielter kann dir geholfen werden. Diese Punkte lohnt es sich vorab zu sammeln:

  1. Ablauf der langen Attacke: Wann begann sie, wie stark war sie, was hat kurz geholfen?
  2. Eingenommene Mittel: Name des Mittels und an wie vielen Tagen pro Monat du es nimmst.
  3. Veränderungen: Ist etwas anders als früher, etwa Schmerzqualität, Häufigkeit oder neue Symptome?
  4. Mögliche Auslöser: Stress, Schlaf, Periode oder anderes in den Tagen davor.
  5. Deine Fragen: Was möchtest du wissen, was sorgt dich am meisten?

Ein paar Wochen Aufzeichnungen reichen oft schon, damit Muster sichtbar werden.

Eine lange Attacke heißt nicht, dass es so bleibt

Eine Migräne, die mehrere Tage dauert, ist belastend, aber sie ist kein Urteil über deine Zukunft mit Migräne. Meist gibt es Stellschrauben: die Häufigkeit der Mittel, die Strategie bei wiederkehrenden Schmerzen, die Vorbeugung. Gefährliche Ursachen sind selten, nach der DMKG betrifft das nur etwa acht Prozent der Menschen mit Kopfschmerzen.

Praktisch heißt das: Notiere, was du erlebst, zähle deine Einnahmetage und hol dir frühzeitig Unterstützung, statt eine lange Attacke allein durchzustehen. Weder die Dauer noch die Wiederkehr sind ein Zeichen dafür, dass du etwas falsch gemacht hast.

Häufige Fragen

Ist es gefährlich, wenn meine Migräne mehrere Tage dauert?

Die Dauer allein ist meist kein Zeichen für eine gefährliche Ursache, aber sie sollte ärztlich besprochen werden. Laut DMKG ist gefährlicher Kopfschmerz selten (etwa acht Prozent der Kopfschmerzpatienten). Notfallzeichen wie schlagartiger Beginn, Fieber mit steifem Nacken oder neurologische Ausfälle gehören sofort in eine Klinik.

Ab wann spricht man von einem Status migraenosus?

Von einem Status migraenosus spricht man, wenn eine schwere Migräneattacke länger als 72 Stunden anhält. Er sollte ärztlich abgeklärt und behandelt werden.

Kann zu viel Schmerzmittel eine Migräne verlängern?

Ja, ein häufiger Gebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln kann selbst Kopfschmerzen verursachen. Nach gesundheitsinformation.de gelten bei einfachen Schmerzmitteln 15 oder mehr Einnahmetage im Monat und bei Triptanen 10 Tage als zu häufig. Wenn du dich darin wiedererkennst, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du etwas veränderst.

Gehe ich bei einer langen Migräne zur Hausärztin oder zum Neurologen?

Du kannst mit der Hausarztpraxis anfangen, auch telefonisch. Bei häufigen oder schweren Attacken kann laut Neurologen und Psychiater im Netz zusätzlich eine Neurologin oder ein Neurologe helfen. Bei Warnzeichen wie Donnerschlagkopfschmerz oder Lähmungen wählst du direkt die 112.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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