← Zurück zum Blog
Frau mit geschlossenen Augen liegt unter einer Decke und hält sich ein kühlendes Kissen an die Schläfe
Behandlung

Migräne Hausmittel: Was ohne Medikamente wirklich hilft

Von Laurine Nicoletti10 min

Du spürst das vertraute Ziehen hinter dem Auge, das Licht wird plötzlich zu grell, und dir ist klar: Eine Migräneattacke kündigt sich an. Vielleicht willst du nicht sofort zur Tablette greifen, oder du hast gerade keine zur Hand. Dann stellst du dir die Frage, welche Migräne Hausmittel wirklich etwas bringen und welche nur gut klingen.

Die ehrliche Antwort: Ruhe, Dunkelheit, Kühle und Schlaf sind die Maßnahmen, die Fachgesellschaften am häufigsten nennen. Eine Attacke komplett wegzaubern können sie nicht, aber sie können sie erträglicher machen. In diesem Artikel erfährst du, was belegt ist, was eher Erfahrungssache bleibt und warum du bei Schmerzmitteln trotzdem auf die Häufigkeit achten solltest. Mehr Hintergründe findest du auch in unserem Bereich Migräne-Behandlung.

Kurz gesagt

  • Bei einer Attacke helfen vor allem Rückzug in einen ruhigen, abgedunkelten Raum, Kühle auf der schmerzenden Seite und, wenn es klappt, Schlaf.
  • Für die akute Attacke ist die Studienlage zu den meisten Hausmitteln dünn; stärker belegt sind nicht-medikamentöse Verfahren wie Ausdauersport und Entspannung zur Vorbeugung.
  • Pfefferminzöl ist vor allem beim Spannungskopfschmerz belegt, nicht als Standard bei Migräne.
  • Wenn du häufig zu Schmerzmitteln greifst, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, denn zu häufige Einnahme kann selbst Kopfschmerzen auslösen.

Was hilft bei einer Migräneattacke ohne Medikamente?

Am besten belegt ist die sogenannte Reizabschirmung: hinlegen, abdunkeln, Ruhe. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) beschreibt den Rückzug in ein ruhiges, dunkles Zimmer und den Versuch, sich zu entspannen, als allgemeine Maßnahme bei Migräneattacken, wie ihre Patienteninformation zeigt.

Das hat einen nachvollziehbaren Grund. Körperliche Aktivität, helles Licht, laute Geräusche und manche Gerüche können die Beschwerden verschlimmern, wie das MSD Manual für Patienten erklärt. Deshalb ziehen sich viele Betroffene instinktiv zurück, legen sich hin und schlafen im besten Fall ein.

Praktisch heißt das:

  • Räume abdunkeln oder eine Schlafmaske tragen.
  • Handy, Laptop und Fernseher ausschalten (mehr dazu im Artikel Migräne und Bildschirm).
  • Gerüche meiden, etwa Essen, Parfüm oder Putzmittel.
  • Wenn es geht, Termine absagen oder verschieben, ohne schlechtes Gewissen.

Warum lohnt es sich, früh zu handeln?

Weil Migränemittel und Gegenmaßnahmen meist besser wirken, wenn du sie früh einsetzt. Die Neurologen und Psychiater im Netz weisen darauf hin, dass spezielle Migränemittel möglichst früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden sollten. Welches Mittel und wann, klärst du am besten mit deiner Praxis.

Dasselbe Prinzip gilt für alles, was du ohne Tablette tust: Wer beim ersten Ziehen den Raum abdunkelt und sich hinlegt, hat oft bessere Karten als jemand, der sich noch drei Stunden durchkämpft. Manche Menschen spüren eine Attacke sogar schon vorher. Bei etwa 30 Prozent der Betroffenen kündigt sich die Migräne Stunden bis zu zwei Tage vorher mit Vorboten an, zum Beispiel Müdigkeit, Heißhunger oder Stimmungsschwankungen.

Wenn du deine Vorboten kennst, kannst du früher reagieren. Das gelingt nicht immer, und es ist keine Schuld, wenn eine Attacke dich trotzdem überrascht.

Welche Migräne Hausmittel haben die beste Grundlage?

Die besten Grundlagen haben die einfachen Dinge: Ruhe, Kühle, Schlaf und sanfte Massage. Sie sind günstig, nebenwirkungsarm und lassen sich fast überall umsetzen.

Kälte auf der schmerzenden Seite

Viele Menschen mit Migräne legen sich in einen ruhigen, dunklen Raum und decken die schmerzende Kopfseite mit etwas Kühlem ab. Gesundheitsinformation.de nennt als Beispiele ein feuchtes Tuch oder ein Kühlelement. Ein Kühlpack sollte nie direkt auf der nackten Haut liegen, wickle es also in ein Tuch.

Ob dir Kälte oder eher Wärme guttut, ist individuell. Probiere es aus und achte darauf, was dich entspannt.

Schlaf

Bei vielen klingt eine Attacke im Schlaf ab. Das MSD Manual beschreibt, dass sich Betroffene wenn möglich hinlegen und einschlafen. Das klappt bei starken Schmerzen und Übelkeit nicht immer, und Schlaf ist auch kein Garant. Aber schon das Liegen im Dunkeln entlastet.

Sanfte Massage und Entspannung

Laut DMKG kann eine sanfte Massage von Gesicht und Kopfhaut im Einzelfall eine Attacke beeinflussen. Das ist keine Garantie, aber ein schonender Versuch. Dazu passen ruhiges Atmen und kurze Entspannungsübungen, solange sie dich nicht zusätzlich anstrengen.

Flüssigkeit und etwas Kleines essen

Trinken und etwas Leichtes essen schaden nicht, vor allem wenn du Übelkeit hast und länger nichts zu dir genommen hast. Dazu habe ich keine belastbare Studie aus den hier genutzten Quellen gefunden, es ist also eher eine alltagspraktische Empfehlung als ein bewiesener Effekt.

Was ist mit Pfefferminzöl, Akupunktur und Co.?

Pfefferminzöl ist bei Spannungskopfschmerz gut untersucht, bei Migräne dagegen weniger klar. Die DMKG beschreibt für den Kopfschmerz vom Spannungstyp, dass Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken die akute Behandlung unterstützen kann. Für die Migräneattacke selbst habe ich keine belastbare Quelle gefunden, die einen Nutzen belegt.

Das heißt nicht, dass es dir nicht guttun kann. Viele empfinden den kühlen Duft als angenehm. Achte aber darauf, es nicht in die Augen zu bekommen, und frage bei Hautproblemen, Schwangerschaft oder Kindern vorher in der Apotheke oder Praxis nach.

Akupunktur

Zur Vorbeugung gibt es Hinweise auf einen Nutzen: Die Neurologen und Psychiater im Netz berichten über Studien, in denen Akupunktur zur Migränevorbeugung gut geeignet war. Für die akute Attacke habe ich keine belastbare Quelle gefunden. Ob Akupunktur für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Akupressur, Lavendel, Ingwer

Für diese beliebten Hausmittel habe ich keine belastbare Quelle zur Wirkung bei der akuten Attacke gefunden. Wenn dir etwas davon guttut und es dich nicht belastet, kannst du es als Baustein nutzen. Erwarte aber keine bewiesene Wirkung, und verlass dich nicht darauf, wenn die Attacke stark ist.

Gibt es nicht-medikamentöse Verfahren mit besserer Studienlage?

Ja, aber sie gehören meist eher in die Zeit zwischen den Attacken. Die DMKG betont, dass Stressbewältigung, Entspannungsübungen, Bewegung und Biofeedback vor allem bei häufigen Kopfschmerzen im Vordergrund stehen sollten, und zwar als Vorbeugung.

Wenn du dich für weitergehende Verfahren interessierst, etwa Geräte oder Trainings, sprich bei deiner Neurologin oder deinem Neurologen darüber. Allein auszuprobieren und zu bestellen ist hier nicht der beste Weg.

Was kannst du zwischen den Attacken ohne Medikamente tun?

Zwischen den Attacken hast du die größten Hebel, denn nicht-medikamentöse Verfahren können die Häufigkeit der Migräne senken. Das betrifft vor allem Ausdauersport, Entspannung und Biofeedback.

  • Ausdauersport: Regelmäßige Bewegung kann die Zahl der Attacken senken. Das ist laut Neurologen und Psychiater im Netz für Ausdauersportarten wie Walking, Joggen oder Radfahren untersucht. Fang sanft an, denn zu viel Anstrengung auf einmal kann bei manchen selbst Beschwerden auslösen.
  • Entspannungsverfahren: Die DMKG beschreibt in ihrer Leitlinie zu Entspannungsverfahren die Wirkung von Verfahren wie der progressiven Muskelentspannung. Sie lässt sich mit Kursen oder Anleitungen leicht erlernen.
  • Biofeedback: Dabei lernst du, Körpervorgänge bewusst zu steuern. Laut Gesundheitsinformation.de deutet eine Zusammenfassung von Studien an, dass es in der Migränevorbeugung hilfreich sein könnte.

Mehr zu Auslösern, Schlaf und Alltag findest du im Bereich Migräne-Auslöser. Und wenn die Attacken sehr häufig sind, gibt es ärztliche Optionen wie Botox nach dem PREEMPT-Schema bei chronischer Migräne.

Warum solltest du Schmerzmittel trotzdem nicht zu oft nehmen?

Weil zu häufige Einnahme selbst Kopfschmerzen auslösen kann. Das nennt man Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch. Dieser Abschnitt ist keine Aufforderung, Schmerzmittel zu meiden, sondern erklärt, warum die Häufigkeit zählt.

Die DMKG empfiehlt in ihrer Patienteninformation, Kopfschmerz- und Migränepräparate nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an 10 Tagen pro Monat anzuwenden. Laut MSD Manual gilt bei einfachen Schmerzmitteln die Einnahme an 15 oder mehr Tagen im Monat als übermäßig, bei Migränemitteln wie Triptanen schon an zehn Tagen.

Die Neurologen und Psychiater im Netz raten, bei zunehmend häufiger Einnahme von Schmerzmitteln ärztlichen Rat zu suchen. Das ist ein weiterer Grund, warum gute nicht-medikamentöse Strategien wertvoll sind: Sie können Einnahmetage sparen. Wichtig bleibt: Ob, wann und welches Mittel für dich passt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt, nicht dieser Artikel.

Wie kombinierst du die Maßnahmen am besten?

Am besten wirkt eine Kombination, die du früh startest. Die Neurologen und Psychiater im Netz schreiben, dass eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Strategien am wirksamsten ist, und dass die Wirksamkeit nicht-medikamentöser Verfahren bei der akuten Attacke bisher nicht ausreichend untersucht wurde.

Ein einfacher Ablauf könnte so aussehen, als Idee zum Ausprobieren, nicht als Behandlungsplan:

  1. Beim ersten Anzeichen: Aufgaben pausieren, Bildschirm aus, Raum abdunkeln.
  2. Hinlegen, ein kühles Tuch auf die schmerzende Seite, ruhig atmen.
  3. Etwas trinken, wenn es möglich ist.
  4. Wenn du ärztlich verordnete Mittel hast, verwende sie so, wie du es mit deiner Praxis besprochen hast.
  5. Danach in Ruhe regenerieren, auch wenn die Schmerzen nachlassen.

Wie findest du heraus, was bei dir wirkt?

Indem du deine Attacken aufschreibst und vergleichst. Ein Kopfschmerztagebuch hilft laut Gesundheitsinformation.de bei der Diagnose und zeigt, wie oft Attacken auftreten, wie schwer sie sind und welche Begleitsymptome sie haben. Es ist laut dem MSD Manual für Fachleute auch wichtig, um zu prüfen, ob eine Behandlung oder Vorbeugung wirkt.

Notiere Datum, Dauer, Stärke, mögliche Auslöser wie Stress, Schlaf oder Wetter und was du getan hast. Nach ein paar Wochen siehst du Muster: Vielleicht sind Attacken mit frühem Rückzug kürzer, vielleicht hilft dir Kälte mehr als gedacht. Diese Übersicht kannst du auch zum Arzttermin mitnehmen.

Fazit

Ruhe, Dunkelheit, Kühle und Schlaf sind die Basis, wenn du eine Migräneattacke ohne Medikamente durchstehen willst. Früh handeln hilft, einzelne Hausmittel wie Pfefferminzöl oder Akupressur bleiben Zugaben mit unsicherer Wirkung. Die größte Wirkung auf die Häufigkeit haben nicht-medikamentöse Verfahren zwischen den Attacken, vor allem Ausdauersport und Entspannung.

Sei dabei nicht streng mit dir. Manche Attacken lassen sich mit Hausmitteln gut abfedern, andere nicht, und beides ist normal. Wenn du häufig leidest, Schmerzmittel oft brauchst oder dich unsicher fühlst, lass dich in einer Hausarzt- oder Neurologiepraxis beraten.

Häufige Fragen

Was hilft sofort gegen Migräne ohne Tablette?

Am schnellsten hilft meist der Rückzug in einen ruhigen, abgedunkelten Raum, am besten mit einem kühlen Tuch auf der schmerzenden Seite. Die DMKG nennt Reizabschirmung und Entspannung als allgemeine Maßnahme bei Attacken. Ein sofortiges Verschwinden der Schmerzen darfst du davon nicht erwarten.

Hilft Pfefferminzöl bei Migräne?

Pfefferminzöl ist vor allem beim Spannungskopfschmerz belegt. Bei Migräne ist die Studienlage weniger klar. Viele empfinden es trotzdem als angenehm, du kannst es also vorsichtig ausprobieren.

Kann Schlaf eine Migräneattacke beenden?

Bei vielen Menschen klingt eine Attacke im Schlaf ab, wie das MSD Manual für Patienten beschreibt. Das gelingt aber nicht immer, besonders bei starken Schmerzen oder Übelkeit. Ruhig im Dunkeln zu liegen entlastet auch, wenn du nicht einschläfst.

Wann solltest du wegen Migräne zum Arzt?

Sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn deine Attacken häufiger werden, du Schmerzmittel immer öfter brauchst oder die Hausmittel nicht mehr reichen. Neue, ungewöhnlich heftige oder anders verlaufende Kopfschmerzen solltest du ebenfalls abklären lassen. Ein Kopfschmerztagebuch hilft dabei, das Gespräch gut vorzubereiten.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

Ähnliche Artikel

Alle Artikel zu „Behandlung“

Lade Mellow herunter

Kostenlos herunterladen. Erfasse deine erste Attacke in wenigen Sekunden.

4,8 bei 62 Bewertungen
Im App Store ladenJetzt bei Google Play