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Nachdenkliche Frau hält eine Tablette in der Hand, daneben Wasserglas, Blister und verschiedene Medikamente
Behandlung

Migräne Medikamente: Schmerzmittel, NSAR und Triptane im Überblick

Von Laurine Nicoletti10 min

Du stehst in der Drogerie oder Apotheke, der Kopf pocht, und vor dir liegen zehn Schachteln, die alle irgendwie gegen Schmerzen helfen sollen. Oder du hast von einer Freundin gehört, dass es für Migräne „etwas ganz Spezielles“ gibt, und weißt nicht, ob das für dich infrage kommt. Das ist ganz normal: Bei Migräne Medikamente zu verstehen, ist am Anfang tatsächlich verwirrend.

In diesem Artikel bekommst du einen ruhigen Überblick über die vier großen Gruppen der Akutmittel: einfache Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Triptane und Mittel gegen Übelkeit. Du erfährst, wofür sie gedacht sind und warum die Entscheidung am Ende bei Ärztin, Arzt oder Apotheke liegt. Dosierungen nennen wir bewusst nicht, denn die gehören in professionelle Hände. Einen größeren Rahmen findest du in unserem Ratgeber zur Migräne-Behandlung.

Kurz gesagt

  • Bei leichten bis mittelschweren Attacken kommen laut Neurologen und Psychiater im Netz rezeptfreie Mittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) infrage.
  • Triptane gehören laut gesundheitsinformation.de zu den speziellen Migränemitteln und sind verschreibungspflichtig.
  • Mittel gegen Übelkeit können laut Neurologen und Psychiater im Netz helfen, dass auch das Schmerzmittel besser aufgenommen wird.
  • Wer Schmerzmittel an 15 oder mehr Tagen im Monat nimmt, bei Triptanen schon an 10 oder mehr Tagen, riskiert laut gesundheitsinformation.de mehr statt weniger Kopfschmerzen.

Warum gibt es mehrere Migräne Medikamente für dieselbe Attacke?

Weil Migräneattacken unterschiedlich stark sind und unterschiedlich verlaufen, gibt es mehrere Wirkstoffgruppen. Manche Attacken bleiben leicht bis mittelstark, andere sind heftig und mit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit verbunden. Deshalb passt nicht für jede Person und nicht für jede Attacke dasselbe Mittel.

Laut gesundheitsinformation.de kommen zur Behandlung einer Migräneattacke folgende Gruppen infrage: Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR und Paracetamol, Mittel gegen Übelkeit sowie spezielle Migränemittel (Triptane und Ergotamine). Das Wort „Akutmittel“ heißt dabei einfach: Das Medikament ist für den Moment der Attacke gedacht, nicht zur Vorbeugung.

Ob ein Mittel zu dir passt, hängt von mehreren Dingen ab: wie stark deine Attacken sind, welche Begleitsymptome du hast, welche anderen Erkrankungen oder Medikamente es gibt und wie du Nebenwirkungen verträgst. Das lässt sich nicht pauschal sagen. Genau deshalb ist das Gespräch mit einer Fachperson so wichtig.

Einfache Schmerzmittel: Was Paracetamol und ASS leisten

Einfache Schmerzmittel wie ASS oder Paracetamol sind die rezeptfreien Klassiker für leichte bis mittelschwere Attacken. Das MSD Manual beschreibt, dass bei leichten bis mäßigen Anfällen NSAR oder Paracetamol helfen können.

„Rezeptfrei“ bedeutet aber nicht „ohne Risiko“. Laut gesundheitsinformation.de sollten rezeptfreie Schmerzmittel nur wenige Tage hintereinander und nur bis zu einer festgelegten Tages-Höchstdosis genommen werden. Wie hoch diese bei dir liegt und ob das Mittel zu dir passt, klärst du am besten in der Apotheke oder in der Arztpraxis.

Hilfreich ist, wenn du dort offen sagst, welche anderen Medikamente du nimmst und welche Erkrankungen du hast. Dann lassen sich mögliche Wechselwirkungen prüfen. Diese Beratung ist in der Apotheke übrigens ein ganz normaler Service, du musst dich dafür nicht rechtfertigen.

Entzündungshemmer (NSAR): Warum sie so häufig der erste Schritt sind

NSAR, also nicht steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder ASS, hemmen Schmerzen und Entzündungsbotenstoffe und sind ein häufiger erster Schritt bei leichteren Attacken. Die Abkürzung steht für eine ganze Wirkstoffgruppe. Viele Mittel aus der Drogerie gehören dazu.

Ihr Nachteil: Sie können dem Magen zusetzen. Laut gesundheitsinformation.de können NSAR die Funktion der Magenschleimhaut beeinträchtigen und sind für Menschen mit Magengeschwüren daher nicht geeignet. An anderer Stelle nennt das Portal leichte Beschwerden wie Magenverstimmungen und Bauchschmerzen bei etwa 10 von 100 Personen, die entzündungshemmende Schmerzmittel einnehmen. Selten sind auch ernstere Nebenwirkungen wie Magenblutungen oder Herzprobleme möglich.

Das ist kein Grund zur Sorge, sondern ein Grund, bei Unsicherheit nachzufragen. Wenn du zum Beispiel schon einmal Magenprobleme hattest oder regelmäßig andere Medikamente nimmst, sprich das in der Apotheke an, bevor du etwas kaufst.

Triptane: Die Migräne Medikamente, die gezielt an der Attacke ansetzen

Triptane wurden speziell gegen Migräne entwickelt.

Zur Wirkung: Laut gesundheitsinformation.de verengen Triptane die Hirngefäße und hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe. Sie können Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit lindern. Das MSD Manual beschreibt sie als Serotonin-Agonisten, die am wirkungsvollsten sind, wenn sie zu Beginn der Migräne genommen werden.

Wie gut wirken Triptane tatsächlich?

Triptane sind kein Wundermittel, aber im Vergleich oft deutlich besser als nichts. Bei Sumatriptan verschwanden die Beschwerden laut gesundheitsinformation.de innerhalb von zwei Stunden bei 20 bis 30 von 100 Personen. Ohne das Medikament war das nur bei etwa 10 von 100 Personen der Fall.

Das heißt auch: Nicht jede Attacke lässt sich damit stoppen, und nicht jedes Triptan wirkt bei jeder Person gleich. Manche Betroffene sprechen auf einen Wirkstoff besser an als auf einen anderen. Das ist ein Thema für die Arztpraxis, nicht für Selbstversuche.

Was du praktisch wissen solltest

  • Rezeptpflicht: Triptane sind laut Neurologen und Psychiater im Netz verschreibungspflichtig.
  • Darreichungsform: Es gibt sie als Tabletten, aber auch als Zäpfchen, Nasensprays oder Fertigspritzen zur Selbstinjektion. Das kann bei starker Übelkeit eine Rolle spielen, mehr dazu unten.
  • Nicht für alle geeignet: Laut einem Fachartikel der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft gelten zum Beispiel koronare Herzkrankheit, ein früherer Herzinfarkt oder Schlaganfall und nicht kontrollierter Bluthochdruck als Gegenanzeigen. Deine Ärztin oder dein Arzt prüft das vorher.

Eine ausführliche Erklärung findest du in unserem Artikel Triptane bei Migräne.

Was hilft, wenn Übelkeit alles verkompliziert?

Bei Übelkeit und Erbrechen gibt es eigene Mittel, sogenannte Antiemetika, die auch die Wirkung der anderen Medikamente verbessern können. Der Grund: Laut Neurologen und Psychiater im Netz kann die Bewegungsfähigkeit des Verdauungstrakts im Anfall gestört sein. Dadurch nimmt der Magen-Darm-Trakt Schmerzmittel schlechter auf.

Antiemetika mit den Wirkstoffen Metoclopramid oder Domperidon regen die Magen-Darm-Tätigkeit an. Dann werden Migräne- und Schmerzmittel besser aufgenommen und wirken schneller. Beide sind laut Neurologen und Psychiater im Netz verschreibungspflichtig. Werden sie nicht vertragen, kann Dimenhydrinat eine Alternative sein. Was davon zu dir passt und wann, bespricht du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Auch die Darreichungsform kann helfen: Wenn Tabletten schwer bei dir bleiben, sind Zäpfchen oder Nasenspray manchmal eine Option, die du mit der Praxis besprechen kannst. Wie Übelkeit entsteht und was sonst noch helfen kann, liest du in unserem Artikel Migräne Übelkeit.

Und wenn Triptane nicht infrage kommen? Neuere Optionen

Für Menschen, die Triptane nicht nehmen dürfen oder nicht vertragen, gibt es neuere Wirkstoffe, die deine Ärztin oder dein Arzt kennt. Dazu zählen laut dem Fachartikel der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Lasmiditan, das nicht gefäßverengend wirkt, und Rimegepant, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Gepante.

Rimegepant ist laut gesundheitsinformation.de seit April 2022 für Erwachsene zugelassen, sowohl bei akuten Attacken mit oder ohne Aura als auch zur Vorbeugung bei mindestens vier Migränetagen im Monat. Es hemmt das Eiweiß CGRP, das bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielt. Zum Thema Vorbeugung mit CGRP-Antikörpern gibt es einen eigenen Artikel: CGRP-Antikörper bei Migräne.

Wichtig: Das sind Verschreibungsfragen, die in die Praxis gehören. Wir erklären hier nur, dass es sie gibt.

Wie oft ist zu oft? Das Risiko von Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch

Wer Akutmittel zu häufig nimmt, kann dadurch mehr Kopfschmerzen bekommen. Das klingt unfair, ist aber gut beschrieben. Laut gesundheitsinformation.de gilt es bei Schmerzmitteln wie Paracetamol, ASS oder Ibuprofen als übermäßiger Gebrauch, wenn man sie an 15 oder mehr Tagen pro Monat nimmt. Bei Migränemitteln wie Triptanen und Ergotaminen sind es schon zehn Einnahmetage pro Monat.

Etwa 1 bis 2 von 100 Menschen haben Kopfschmerzen, weil sie zu häufig Schmerz- oder Migränemittel anwenden. Meist sind laut demselben Portal Frauen mittleren Alters betroffen, die Migräne haben. Möglicherweise gewöhnt sich das Nervensystem an die Medikamente und reagiert empfindlicher auf Schmerzreize.

Das ist kein Grund für Schuldgefühle, sondern ein Hinweis, genau hinzuschauen. Wenn du merkst, dass du sehr oft zu Akutmitteln greifst, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Auch wenn du fast täglich Kopfschmerzen hast, lohnt sich ein Blick in unseren Artikel Jeden Tag Kopfschmerzen.

Die gute Nachricht: Laut Neurologen und Psychiater im Netz und den dort zitierten Leitlinien ist dieser Kopfschmerz behandelbar. Wie du dabei vorgehst, entscheidet eine Fachperson mit dir, nicht du allein.

Akutmittel und Vorbeugung: Was ist der Unterschied?

Akutmittel behandeln die einzelne Attacke, vorbeugende Behandlungen sollen Attacken seltener oder leichter machen. Das ist ein wichtiger Unterschied, der oft verwechselt wird. Ein Triptan nimmt man also nicht „vorsichtshalber“ jeden Tag, sondern in der Attacke.

Zur Vorbeugung gehören je nach Situation verschiedene Möglichkeiten, die dein Arzt oder deine Ärztin mit dir bespricht, etwa CGRP-Antikörper oder bei chronischer Migräne Botox. Ergänzend kann es sinnvoll sein, dich mit nicht medikamentösen Wegen zu beschäftigen. Eine Übersicht dazu findest du unter Migräne Hausmittel. Sie ersetzen keine ärztliche Behandlung, können aber ein Baustein sein.

So bereitest du das Gespräch mit Arzt oder Apotheke vor

Mit ein paar Notizen wird das Gespräch viel konkreter. Gerade bei Medikamenten ist es hilfreich, wenn du Fakten statt Erinnerungen mitbringst. Das gilt für die Hausarztpraxis genauso wie für die Neurologie. Wer eigentlich zuständig ist, erfährst du in Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?.

Das kannst du vorbereiten:

  • Wie oft kommen deine Attacken pro Monat, und wie lange dauern sie?
  • Wie stark sind sie, und welche Begleitsymptome hast du (Übelkeit, Licht-, Lärmempfindlichkeit, Aura)?
  • Was hast du bisher genommen, und wie oft im Monat? Wie hat es gewirkt, und gab es Nebenwirkungen?
  • Welche anderen Medikamente und Erkrankungen gibt es bei dir? Dazu zählt auch die Pille.
  • Wo hakt es im Alltag? Zum Beispiel, wenn du bei Übelkeit keine Tablette bei dir behältst.

Wie du das am besten festhältst, zeigt unser Artikel zum Migränekalender. In Mellow kannst du außerdem einen Bericht für deinen Arzt nutzen, der dir das Zusammentragen erleichtert.

Fazit: Du musst nicht alles allein entscheiden

Bei Migräne Medikamenten gilt: Es gibt mehrere gute Werkzeuge, aber das passende wählst du nicht allein im Drogeriemarkt aus. Einfache Schmerzmittel und NSAR sind der Einstieg bei leichten bis mittleren Attacken. Triptane sind speziell gegen Migräne entwickelt, Mittel gegen Übelkeit können den Rest erleichtern, und neuere Wirkstoffe sind für besondere Situationen da.

Achte auf die Häufigkeit, frage in der Apotheke nach, wenn du unsicher bist, und sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn die Mittel nicht ausreichen. Diesen Artikel verstehst du am besten als Landkarte, nicht als Behandlungsempfehlung.

Häufige Fragen

Welche Migräne Medikamente bekomme ich rezeptfrei in der Apotheke?

Rezeptfrei sind vor allem einfache Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol und bestimmte NSAR. Triptane sowie die Mittel gegen Übelkeit Metoclopramid und Domperidon sind dagegen laut Neurologen und Psychiater im Netz verschreibungspflichtig. Die Apotheke berät dich, welches rezeptfreie Mittel zu deiner Situation passt.

Wirken Triptane auch gegen Übelkeit?

Ja, sie können Übelkeit und Lichtempfindlichkeit lindern, wie gesundheitsinformation.de beschreibt. Bei starker Übelkeit kann zusätzlich ein eigenes Mittel gegen Übelkeit sinnvoll sein. Das besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Kann ich Schmerzmittel bei Migräne zu oft nehmen?

Ja. Laut gesundheitsinformation.de kann die Einnahme an 15 oder mehr Tagen im Monat bei einfachen Schmerzmitteln und an zehn oder mehr Tagen bei Triptanen die Kopfschmerzen verstärken. Wenn du dich in diesen Bereichen wiederfindest, sprich bald mit einer Fachperson.

Ersetzen Hausmittel die Medikamente?

Nein, sie sind eher eine Ergänzung und kein Ersatz für ärztlich abgestimmte Behandlung. Was ohne Medikamente tatsächlich helfen kann und was nicht, erklärt unser Artikel Migräne Hausmittel.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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