
Migräne Übelkeit: Warum sie entsteht und wie du sie lindern kannst
Du liegst im abgedunkelten Zimmer, der Kopf pocht, und gleichzeitig dreht sich dir der Magen um. Vielleicht hast du schon einmal eine Tablette genommen und sie wieder erbrochen, oder sie hat ewig gebraucht, bis sie gewirkt hat. Migräne Übelkeit ist keine Einbildung und kein Zeichen, dass du etwas falsch machst: In einer Attacke reagiert auch dein Verdauungstrakt, und er arbeitet langsamer als sonst.
In diesem Artikel erfährst du, warum das so ist, in welcher Phase die Übelkeit meist auftritt, was ohne Medikamente helfen kann und was deine Ärztin oder dein Arzt anbieten kann. Einen Überblick über alle Möglichkeiten findest du in unserem Ratgeber zur Migräne-Behandlung.
Kurz gesagt
- Laut dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at haben etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen während einer Attacke Übelkeit, und 30 bis 50 Prozent müssen erbrechen.
- Bei einer Attacke ist die Magenentleerung oft verlangsamt, deshalb gelangen Schmerzmittel schlechter und später ins Blut.
- Ruhe, Reizabschirmung und kleine, ruhige Schritte können die Übelkeit erträglicher machen, ersetzen aber keine ärztliche Beratung.
- Es gibt Medikamente speziell gegen Übelkeit bei Migräne. Ob und welches für dich passt, klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Migräne Übelkeit: Warum macht der Magen bei einer Attacke mit?
Übelkeit gehört zu den häufigsten Begleitsymptomen der Migräne. Nach gesundheit.gv.at tritt sie bei rund 70 bis 80 Prozent der Betroffenen auf, Erbrechen bei etwa 30 bis 50 Prozent. Auch das MSD Manual beschreibt Übelkeit und Erbrechen als typische Begleiter der pulsierenden Kopfschmerzen, zusammen mit Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen.
Der Grund liegt nicht im Magen selbst, sondern im Gehirn. Das sogenannte Brechzentrum sitzt im Hirnstamm und wird vor allem über die Botenstoffe Dopamin und Serotonin aktiviert, wie das DocCheck Flexikon erklärt. In einer Migräneattacke ist dieses Netzwerk offenbar besonders reizbar. Die genauen Abläufe sind komplex und nicht in jedem Detail geklärt.
Gleichzeitig verändert sich die Verdauung: Magen und Darm bewegen sich langsamer, die Magenentleerung ist verzögert. Das beschreibt unter anderem PTA heute. Der Magen fühlt sich dann schwer und aufgebläht an, und Essen sagt dir erst recht nichts.
Wichtig für dich: Die Übelkeit sagt nichts darüber, ob du etwas Falsches gegessen hast. Sie ist Teil der Migräne selbst.
In welcher Phase der Attacke kommt die Übelkeit?
Übelkeit kann schon vor dem Kopfschmerz anfangen und in der Kopfschmerzphase am stärksten sein. Eine Migräneattacke verläuft oft in mehreren Phasen, und nicht jede Frau erlebt alle davon.
- Vorphase (Prodromalphase): Sie kann Stunden bis zu zwei Tage vor dem Kopfschmerz beginnen. Laut Apotheken Umschau gehören zu den möglichen Vorboten unter anderem Heißhunger, vermehrtes Gähnen, Gereiztheit, Verspannungen im Nacken und manchmal auch Übelkeit.
- Aura: Sie kommt nur bei einem Teil der Betroffenen vor, meist mit Sehstörungen wie Flimmern. Mehr dazu liest du in unserem Artikel zur Migräne mit Aura.
- Kopfschmerzphase: Hier tritt die Übelkeit am häufigsten auf. Das MSD Manual nennt für diese Phase typischerweise 4 bis 72 Stunden Dauer.
- Rückbildungsphase: Der Schmerz lässt nach, viele fühlen sich danach müde und erschöpft.
Wenn du dich fragst, wie lange das alles dauern kann, findest du die Phasen ausführlich in unserem Artikel Wie lange dauert eine Migräne?.
Spannend ist das für dich praktisch: Wenn du merkst, dass dir schon in der Vorphase flau wird, kennst du vielleicht dein persönliches Warnsignal. Das hilft, früher zur Ruhe zu kommen und zu überlegen, was du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt für diesen Moment besprochen hast.
Warum wirkt die Tablette bei Übelkeit oft schlechter?
Weil sich bei einer Attacke die Magenentleerung verlangsamt, kommt ein Schmerzmittel später im Darm an, wo es aufgenommen wird. Das ist der Grund, warum eine Tablette in der Attacke manchmal ewig braucht. Die Pharmazeutische Zeitung beschreibt, dass die Magenmotilität in der Attacke gestört ist und das Schmerzmittel dadurch langsamer in den Zwölffingerdarm gelangt.
Dazu kommt das Erbrechen: Wer sich übergeben muss, verliert unter Umständen das Mittel, bevor es wirken kann. Auch das wird in der Fachliteratur so beschrieben.
Aus diesem Grund wird bei Übelkeit häufig empfohlen, Schmerzmittel mit einem Mittel gegen Übelkeit zu kombinieren (mehr dazu weiter unten). Bei Triptanen, den speziellen Migränemitteln, spielt die Darreichungsform oft eine Rolle. Was du darüber wissen solltest, steht in unserem Artikel zu Triptanen bei Migräne.
Was kannst du ohne Medikamente gegen die Übelkeit tun?
Ohne Medikamente lässt sich die Übelkeit meist nicht ganz wegzaubern, aber oft erträglicher machen. Die folgenden Ideen sind Erfahrungswerte und einfache Entlastungen, keine garantierte Lösung. Mehr dazu findest du in unserem Artikel Migräne Hausmittel: Was ohne Medikamente wirklich hilft.
Ruhe und Reizabschirmung
Viele Betroffene ziehen sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück. Laut Apotheken Umschau reagiert das Gehirn in der Attacke oft besonders empfindlich auf Licht, Geräusche und Gerüche, und Rückzug kann deshalb entlasten. Auch Ruhe und Schlaf werden von der Techniker Krankenkasse als hilfreich genannt.
Gerüche sind bei Übelkeit oft der Auslöser Nummer eins. Frische, kühle Luft, ein geöffnetes Fenster und der Verzicht auf Parfüm oder Kochgerüche im Raum können spürbar helfen.
Eine Position und ein Ort, an dem du bleiben kannst
Such dir einen Platz, an dem du liegen oder halb sitzen kannst und dich möglichst wenig bewegen musst. Bewegung, Autofahren oder Treppen verstärken bei vielen die Übelkeit. Eine Schüssel oder ein Eimer in Reichweite nimmt zusätzlich Druck, weil du dann nicht aufspringen musst.
Trinken und Essen in kleinen Schritten
Wenn du etwas bei dir behalten möchtest, probiere kleine Schlucke Wasser oder ungesüßten Tee statt großer Mengen. Bei Hunger helfen oft ein paar Zwieback oder trockene Kekse mehr als eine Mahlzeit. Das ist keine Studienlage, sondern praktische Erfahrung: Probiere aus, was dir guttut.
Es gilt auch umgekehrt: Wenn du in der Vorphase Heißhunger hast, ist das ein bekanntes Symptom und nicht zwingend der Auslöser. Mehr zu diesem Thema liest du in Migräne Ernährung: Welche Lebensmittel wirklich Auslöser sein können. Regelmäßige Mahlzeiten gelten außerdem als Teil der Vorbeugung, wie auch die Techniker Krankenkasse schreibt.
Und was ist mit Ingwer?
Ingwer wird oft gegen Übelkeit empfohlen, bei Migräne ist die Datenlage aber dünn. DocCheck fasst zusammen, dass für Ingwer bei Migräne bisher nur wenige und kleine Studien vorliegen. Wenn dir ein Ingwertee schmeckt und guttut, spricht wenig dagegen, nur sollte er kein Ersatz für eine ärztlich besprochene Behandlung sein.
Was kann dein Arzt gegen Migräne Übelkeit anbieten?
Es gibt Medikamente, die gezielt gegen Übelkeit und Erbrechen bei Migräne eingesetzt werden, sogenannte Antiemetika. Bei leichten Attacken mit Übelkeit können Schmerzmittel laut Neurologen und Psychiater im Netz mit Antiemetika kombiniert werden. Als erste Wahl nennt der Ratgeber Metoclopramid und Domperidon.
Diese Wirkstoffe bekämpfen nicht nur Übelkeit und Erbrechen. Sie regen auch die Magen-Darm-Tätigkeit an, sodass das Schmerzmittel schneller aufgenommen wird, wie die Pharmazeutische Zeitung schreibt. Für Erwachsene hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) Metoclopramid bei Migräne als unbedenklich eingestuft, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet.
Bei starker Übelkeit oder Erbrechen gibt es außerdem andere Darreichungsformen. Das Gesundheits-Lexikon nennt in solchen Fällen Zäpfchen oder die Gabe über eine Spritze als Möglichkeit. Manche Triptane gibt es auch als Nasenspray, wie zum Beispiel die Apotheken Umschau in einem Beipackzettel zeigt.
Wichtig ist: Was für dich passt, hängt von deinem Alter, deinen anderen Erkrankungen und deinen Attacken ab. Das entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt, nicht eine Webseite. Ändere nichts an Mitteln oder Reihenfolge, ohne das vorher zu besprechen. Einen größeren Überblick bekommst du in der Migräne-Behandlung.
Wann solltest du zum Arzt?
Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn die Übelkeit bei fast jeder Attacke dein Hauptproblem ist oder deine Mittel nicht bei dir bleiben. Auch wenn du merkst, dass Schmerzmittel regelmäßig zu spät oder gar nicht wirken, lohnt sich ein Gespräch. Dann lässt sich gemeinsam schauen, ob ein Mittel gegen Übelkeit oder eine andere Darreichungsform sinnvoll ist.
Ein Termin ist ebenfalls angebracht, wenn sich der Kopfschmerz anders anfühlt als sonst oder zusammen mit neuen Symptomen auftritt. In unserem Artikel Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten? liest du, woran du solche Situationen erkennst.
Hilfreich fürs Gespräch: Notiere dir, in welcher Phase die Übelkeit beginnt, wie stark sie ist und was du bisher probiert hast. Mit solchen Notizen kann dein Arzt viel gezielter helfen.
Fazit: Übelkeit gehört dazu, und du musst sie nicht einfach aushalten
Die Übelkeit bei Migräne ist ein bekanntes, gut beschriebenes Symptom, kein Zeichen von Schwäche und keine Folge dessen, was du gegessen hast. Sie entsteht im Zusammenspiel von Gehirn und Verdauung und kann Schmerzmittel ausbremsen. Ruhe, frische Luft und kleine Schritte beim Trinken können sie lindern, und für schwere Fälle gibt es ärztliche Optionen, die du gezielt ansprechen darfst.
Probiere aus, was dir guttut, achte auf deine ersten Warnzeichen, und nimm deine Beobachtungen zum nächsten Arztgespräch mit.
Häufige Fragen
Ist es normal, bei Migräne zu erbrechen?
Ja, das ist häufig. Laut dem Gesundheitsportal gesundheit.gv.at erbrechen etwa 30 bis 50 Prozent der Betroffenen während einer Attacke, und 70 bis 80 Prozent haben Übelkeit. Wenn es bei dir bei fast jeder Attacke vorkommt, sprich deine Ärztin oder deinen Arzt darauf an.
Kann die Übelkeit schon vor dem Kopfschmerz anfangen?
Ja, in der Vorphase kann Übelkeit auftreten. Die Apotheken Umschau nennt sie neben Heißhunger, Gähnen und Nackenverspannungen als möglichen Vorboten, der bis zu zwei Tage vor dem Kopfschmerz beginnen kann.
Helfen Ingwer und Hausmittel gegen Migräne Übelkeit?
Für Ingwer bei Migräne ist die Datenlage laut DocCheck sehr dünn. Ruhe, frische Luft und Reizabschirmung sind einfache Entlastungen, ersetzen aber keine ärztlich besprochene Behandlung, wenn die Übelkeit stark ist.
Sind Medikamente gegen Übelkeit bei Migräne sicher?
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft hat Metoclopramid für Erwachsene mit Migräne als unbedenklich eingestuft, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. Welches Mittel zu dir passt und wie du es anwendest, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Quellen
- www.gesundheit.gv.at
- www.msdmanuals.com
- flexikon.doccheck.com
- erst erbrechen dann kopfschmerzen migraene in der selbstmedikation
- Prodromalphase: Diese Vorboten kündigen eine Migräne an
- Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
- Logo der Apotheken Umschau
- migraene mehr als nur kopfschmerzen 2210736
- 199 migraene kann ingwer alles
- Migräne: Schmerzmittel können mit Medikamenten gegen Übelkeit kombiniert werden: Neurologen und Psychiater im Netz
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- Migräne – Medikamentöse Therapie
- Logo der Apotheken Umschau
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
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