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Frau mit geschlossenen Augen hält sich die Schläfe, daneben ein Kalender mit drei Blutstropfen
Symptome

Menstruelle Migräne: Wenn die Periode die Attacke auslöst

Von Laurine Nicoletti9 min

Jeden Monat dasselbe: Ein, zwei Tage vor deiner Periode wirst du empfindlich gegen Licht, dein Kopf pocht, und die Attacke fühlt sich schlimmer an als sonst. Oder sie kommt genau am ersten Blutungstag, und du fragst dich, ob das Zufall ist oder ob eine menstruelle Migräne dahintersteckt.

Vermutlich nicht. Die menstruelle Migräne ist eine Form der Migräne, die mit dem Zyklus zusammenhängt. Hier erfährst du, was hinter der menstruellen Migräne steckt, wie du sie erkennst und welche Möglichkeiten es gibt, damit umzugehen. Mehr zu allen Wegen, Attacken zu lindern, findest du auch in unserem Bereich Migräne-Symptome.

Kurz gesagt

  • Menstruelle Migräne bezeichnet Migräneattacken rund um die Periode. Laut ICHD-3 treten sie in mindestens zwei von drei Zyklen zwischen zwei Tagen vor und drei Tagen nach Blutungsbeginn auf.
  • Als Hauptverdächtiger gilt der Abfall des Hormons Östrogen kurz vor der Periode, wie genau die Abläufe funktionieren, ist aber nicht in allen Punkten geklärt.
  • Ein Kopfschmerzkalender über zwei bis drei Zyklen hilft, ein Muster zu erkennen. Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt.
  • Behandlung, Kurzzeitprophylaxe und Fragen zur Pille gehören in ärztliche Hände.

Was ist menstruelle Migräne?

Die menstruelle Migräne (auch Menstruationsmigräne genannt) beschreibt Migräneattacken, die rund um die Periode auftreten. Nach der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) leiden etwa 7 Prozent aller Frauen mit Migräne darunter.

Die internationale Kopfschmerzklassifikation unterscheidet zwei Varianten. Bei der rein menstruellen Migräne kommen die Attacken ausschließlich um die Periode herum. Sie ist selten und betrifft laut einer Fortbildung zur menstruellen Migräne nur etwa 1 Prozent der Frauen mit Migräne.

Viel häufiger ist die menstruationsassoziierte Migräne. Dabei treten die Attacken oft rund um die Periode auf, aber auch zu anderen Zeiten im Zyklus. Wenn du also auch mitten im Zyklus Migräne hast, kann deine Migräne trotzdem hormonell mitbeeinflusst sein.

Warum löst die Periode eine Migräne aus?

Als Hauptverdächtiger gilt der Abfall des Hormons Östrogen kurz vor der Periode. Laut DMKG ist der Östrogenabfall im Blut die Ursache hormonell bedingter Kopfschmerzen. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass weibliche Geschlechtshormone beeinflussen, wie das Gehirn Schmerzreize verarbeitet.

Das heißt nicht, dass bei dir etwas „nicht stimmt“. Dein Gehirn reagiert bei Migräne einfach empfindlicher auf Veränderungen, und der Hormonwechsel im Zyklus ist eine solche Veränderung. Wie genau die Abläufe im Detail funktionieren, ist noch nicht in allen Punkten geklärt.

Hormone sind außerdem nie der einzige Faktor. Schlafmangel, Stress oder Bildschirmzeit können die Schwelle zusätzlich senken (mehr dazu in unserem Artikel über Migräne und Bildschirm und im Bereich Migräne-Auslöser).

Wie fühlt sich eine menstruelle Migräne an?

Die Symptome sind im Grunde dieselben wie bei anderer Migräne: meist einseitiger, pochender Kopfschmerz, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Bei der menstruellen Migräne ist das häufigste Muster eine Migräne ohne Aura.

Viele Betroffene berichten, dass die Attacken rund um die Periode stärker, länger und hartnäckiger sind. Laut der Fortbildung zur menstruellen Migräne gelten sie oft als schwerer behandelbar als andere Attacken. Das ist frustrierend, aber es bedeutet auch: Es gibt einen vorhersehbaren Zeitpunkt, und mit dem lässt sich arbeiten.

Wie erkennst du, ob deine Migräne menstruell ist?

Eine Diagnose kann nur ärztliches Fachpersonal stellen. Du kannst aber die Grundlage dafür liefern. Nach den Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3, deutsche Übersetzung der DMKG) muss die Attacke in mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen in einem bestimmten Zeitfenster auftreten: zwei Tage vor Beginn der Blutung bis drei Tage danach.

Dafür brauchst du einen Kopfschmerzkalender über mehrere Zyklen. Auch die Fachliteratur nennt das Führen eines Kopfschmerztagebuchs mit Zyklusangabe über 2 bis 3 Monate als Weg zur Einordnung.

Hilfreich zu notieren:

  • Tag deiner Attacke und Tag des Zyklus (erster Blutungstag als Tag 1)
  • Stärke und Dauer der Kopfschmerzen
  • Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit
  • Was du genommen hast und ob es geholfen hat
  • Andere mögliche Auslöser wie Schlaf, Stress oder Essen

Was hilft bei einer akuten Attacke?

Hier ist es wichtig, dass du die Behandlung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst. Wir geben hier keine Empfehlung für dich persönlich.

Für die Akuttherapie der Migräne gibt es spezielle Medikamente, zum Beispiel Triptane. Sie wirken gezielt bei Migräne und können rezeptfrei oder verschreibungspflichtig sein, je nach Wirkstoff. Gegen Übelkeit gibt es eigene Medikamente. Welche Mittel für dich infrage kommen, besprichst du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Dass menstruelle Attacken oft hartnäckiger sind, spricht dafür, früh mit der Behandlung zu beginnen. Ob und wann das für dich sinnvoll ist, klärst du am besten in der Sprechstunde.

Was ist eine Kurzzeitprophylaxe rund um die Periode?

Weil der Zeitpunkt so gut vorhersehbar ist, gibt es eine besondere Strategie: die Kurzzeitprophylaxe, auch Mini-Prophylaxe genannt. Dabei wird nicht dauerhaft vorgebeugt, sondern nur an wenigen Tagen rund um die erwartete Periode.

Ob so etwas für dich infrage kommt, welches Mittel dafür geeignet ist und wann es eingesetzt wird, legt dein Arzt oder deine Ärztin mit dir fest. Dafür ist ein regelmäßiger Zyklus und ein gut geführter Kopfschmerzkalender sehr hilfreich.

Menstruelle Migräne und Pille: Was ist bekannt?

Die Frage, ob die Pille Migräne besser oder schlechter macht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Laut DMKG ist unklar, ob hormonelle Verhütung die Migräne positiv oder negativ beeinflusst: Manche Studien zeigen eine Verschlechterung, andere eine Besserung.

Pille ohne Pause

Weil der Hormonabfall in der Pillenpause eine Rolle spielen kann, wird bei menstrueller Migräne manchmal die Einnahme ohne Pause diskutiert. Das ist in der Fortbildung zu hormonellen Kontrazeptiva bei menstrueller Migräne beschrieben. Die DMKG empfiehlt, so etwas nur unter ärztlicher Aufsicht auszuprobieren und zu beobachten, wie sich die Kopfschmerzen verhalten.

Wichtig bei Migräne mit Aura

Hast du Migräne mit Aura (also Sehstörungen oder andere Ausfälle vor dem Kopfschmerz), ist das Thema heikler. Die WHO rät laut Apotheke Adhoc von der kombinierten Pille bei Migräne mit Aura ab, weil das Schlaganfallrisiko erhöht sein kann. Die deutschen Fachgesellschaften sehen das differenzierter. Entscheide das also nie allein, sondern immer gemeinsam mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.

Nimm die Pille nicht auf eigene Faust ab oder an. Auch wenn du sie wegen der Migräne umstellen möchtest, gehört das in ärztliche Hände.

Was passiert in Schwangerschaft und Wechseljahren?

Schwangerschaft

Viele Frauen mit menstrueller Migräne erleben in der Schwangerschaft eine Pause. Das gilt besonders für Migräne ohne Aura und für menstruelle Formen. Migräne mit Aura bleibt dagegen eher bestehen.

Welche Mittel in Schwangerschaft und Stillzeit infrage kommen, besprichst du bitte immer mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Wechseljahre

In der Perimenopause, den Jahren vor der letzten Regel, schwanken Östrogen und Progesteron stark. Weil Migräne so stark auf Hormonveränderungen reagiert, können Attacken in dieser Zeit unregelmäßiger oder häufiger werden. Bei manchen Frauen wird es nach den Wechseljahren besser, bei anderen nicht. Wie es bei dir verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen.

Wann solltest du zur Ärztin oder zum Arzt?

Ein Besuch lohnt sich, wenn deine Attacken regelmäßig mit der Periode zusammenhängen, wenn sie dich im Alltag stark einschränken oder wenn du dich mit Schmerzmitteln allein nicht mehr gut versorgt fühlst. Das gilt auch, wenn du Fragen zur Verhütung hast.

Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis, die Gynäkologie oder die Neurologie. Spezialisierte Kopfschmerzzentren findest du über die DMKG. Wenn eine Attacke plötzlich ganz anders ist als gewohnt, etwa ein „Donnerschlag“-Kopfschmerz, neue Lähmungen oder Sprachstörungen, rufe bitte den Notruf 112.

Wie bereitest du dich auf den Arzttermin vor?

Ein gut vorbereiteter Termin spart Zeit und bringt mehr. Das hilft dir dabei:

  1. Kopfschmerzkalender über mindestens zwei bis drei Zyklen, mit Zyklustag, Dauer und Stärke.
  2. Eine kurze Liste mit allen Medikamenten, die du nimmst, auch der Pille.
  3. Deine Fragen, zum Beispiel zur Kurzzeitprophylaxe, zur Verhütung oder zu Kinderwunsch.
  4. Dein Ziel: Möchtest du weniger Attacken, kürzere oder eher planbarere?

Wenn du Mellow nutzt, kannst du Attacken, Auslöser und Verlauf übersichtlich zeigen. Zusätzlich gibt es in der App einen Bericht für dein Arztgespräch.

Fazit: Der Zyklus ist ein Muster, mit dem du arbeiten kannst

Menstruelle Migräne ist keine Einbildung. Sie hängt mit dem Hormonwechsel im Zyklus zusammen und lässt sich oft gut einordnen, wenn du ein paar Monate lang genau hinschaust. Der Vorteil: Der Zeitpunkt ist vorhersehbar, und genau darauf bauen die ärztlichen Strategien auf.

Du musst nichts allein entscheiden. Sammle deine Daten, geh gut vorbereitet in die Sprechstunde und lass dich beraten. Wenn du mehr über das Thema Vererbung wissen möchtest, schau auch in unseren Artikel Migräne erblich?.

Häufige Fragen

Was ist menstruelle Migräne?

Menstruelle Migräne beschreibt Migräneattacken, die rund um die Periode auftreten. Bei der rein menstruellen Form kommen die Attacken nur dann vor, bei der häufigeren menstruationsassoziierten Form auch zu anderen Zeiten im Zyklus.

Warum löst die Periode eine Migräne aus?

Als Hauptverdächtiger gilt der Abfall des Hormons Östrogen kurz vor der Periode. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ist er die Ursache hormonell bedingter Kopfschmerzen. Wie genau die Abläufe funktionieren, ist noch nicht in allen Punkten geklärt.

Wie erkenne ich, ob meine Migräne menstruell ist?

Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) muss die Attacke in mindestens zwei von drei aufeinanderfolgenden Zyklen auftreten, und zwar von zwei Tagen vor bis drei Tage nach Beginn der Blutung. Ein Kopfschmerzkalender über mehrere Zyklen hilft bei der Einordnung. Die Diagnose stellt ärztliches Fachpersonal.

Was ist eine Kurzzeitprophylaxe rund um die Periode?

Die Kurzzeitprophylaxe, auch Mini-Prophylaxe genannt, beugt nicht dauerhaft vor, sondern nur an wenigen Tagen rund um die erwartete Periode. Ob sie infrage kommt, legst du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt fest.

Macht die Pille Migräne besser oder schlechter?

Laut DMKG ist unklar, ob hormonelle Verhütung die Migräne positiv oder negativ beeinflusst, manche Studien zeigen eine Verschlechterung, andere eine Besserung. Bei Migräne mit Aura solltest du das immer mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt besprechen.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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