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Nachdenklicher Mann im gelben T-Shirt, in der Gedankenblase drei verschiedene Tabletten und ein Fragezeichen
Behandlung

Schmerzmittel bei Kopfschmerzen: Paracetamol, Ibuprofen und ASS im Vergleich

Von Laurine Nicoletti9 min

Es pocht hinter der Stirn, im Bad liegt eine Packung Ibuprofen, im Schrank daneben Paracetamol und irgendwo noch ASS. Welche Tablette passt jetzt? Bei Schmerzmittel bei Kopfschmerzen ist die Auswahl groß, und die Frage ist berechtigt: Ist es eigentlich egal, ob es „nur" ein Spannungskopfschmerz oder eine Migräne ist?

Bei Schmerzmitteln bei Kopfschmerzen unterscheiden sich die drei Klassiker vor allem in Wirkweise, Verträglichkeit und Vorsichtsregeln. Dieser Artikel erklärt dir die Unterschiede, ohne Dosierungen und ohne persönliche Empfehlung. Welches Mittel für dich passt, klärst du am besten in der Apotheke oder bei deiner Ärztin. Einen größeren Überblick über alle Optionen findest du in unserem Ratgeber zur Migräne-Behandlung.

Kurz gesagt

  • Paracetamol, Ibuprofen und ASS sind die gängigsten rezeptfreien Schmerzmittel bei Kopfschmerzen, sie wirken aber unterschiedlich und haben unterschiedliche Risiken.
  • Ibuprofen und ASS gelten bei Spannungskopfschmerz und Migräne als gut belegt, Paracetamol gilt eher als mildere, zweite Wahl.
  • Zu häufig eingenommen können Schmerzmittel selbst Kopfschmerzen verstärken: Bei einfachen Schmerzmitteln gilt die Grenze von etwa 15 Tagen pro Monat, bei Kombinationspräparaten und Triptanen von 10 Tagen.
  • Wenn du regelmäßig Schmerzmittel brauchst oder sie kaum noch helfen, ist ein Gespräch mit Arzt oder Ärztin der nächste Schritt.

Welche Schmerzmittel gibt es bei Kopfschmerzen ohne Rezept?

Die drei bekanntesten rezeptfreien Wirkstoffe sind Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS). Laut gesundheitsinformation.de gehören zu den häufigsten rezeptfreien Schmerzmitteln außerdem Diclofenac und Naproxen. Die größte Gruppe davon sind die sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR.

Zu den NSAR zählen Ibuprofen, ASS, Diclofenac und Naproxen. Sie lindern Schmerzen und wirken zugleich entzündungshemmend. Paracetamol gehört nicht dazu: Es nimmt Schmerzen und senkt Fieber, hat aber keine entzündungshemmende Wirkung.

Das ist der Grund, warum die Wirkstoffe nicht austauschbar sind. Wie die einzelnen Gruppen bei Migräne im Zusammenspiel mit Triptanen stehen, erklärt unser Überblick Migräne Medikamente: Schmerzmittel, NSAR und Triptane.

Paracetamol: mild und gut verträglich, aber nicht der Stärkste

Paracetamol ist für viele die erste Wahl, weil es den Magen weniger belastet als NSAR. Bei Kopfschmerzen ist es aber im Vergleich meist die schwächere Option.

Bei Spannungskopfschmerzen kann Paracetamol helfen: In den von gesundheitsinformation.de ausgewerteten Studien wurden durch Paracetamol zusätzlich 5 Personen innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei (verglichen mit einem Scheinmedikament). Bei Ibuprofen waren es zusätzlich 7. Die DMKG (Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft) nennt in ihrer Leitlinie zur Selbstmedikation ASS, Ibuprofen und eine feste Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein als Mittel der ersten Wahl, Paracetamol dagegen eher als zweite Wahl.

Bei Migräne fällt der Vergleich ähnlich aus: Laut der DMKG-Leitlinie war Ibuprofen in systematischen Vergleichen Paracetamol überlegen.

Eine Besonderheit hat Paracetamol: Es wird über die Leber abgebaut. Laut gesundheitsinformation.de kann es in zu hohen Mengen die Leber stark schädigen und ist für Menschen mit Lebererkrankungen nicht geeignet. Deshalb ist es wichtig, die Packungsbeilage zu lesen und die Höchstmengen einzuhalten.

Ibuprofen und andere NSAR: oft wirksamer, mit mehr Vorsicht

Ibuprofen wirkt bei Spannungskopfschmerz und Migräne meist besser als Paracetamol, hat aber mehr mögliche Nebenwirkungen im Magen. Die DMKG-Leitlinie für Patientinnen und Patienten hält fest, dass die Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken für ASS und Ibuprofen belegt ist.

Der Preis dafür: Laut gesundheitsinformation.de können NSAR den Magen reizen und Übelkeit, Erbrechen oder, seltener, Magengeschwüre verursachen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind ein erhöhtes Blutungsrisiko, Wassereinlagerungen und Nierenprobleme (siehe Rezeptfreie Schmerzmittel sicher anwenden).

Das klingt nach viel, trifft aber vor allem Menschen, die Schmerzmittel hoch dosiert oder lange einnehmen, oder die Vorerkrankungen haben. Wenn du einen empfindlichen Magen hast, Nierenprobleme, Asthma oder blutverdünnende Medikamente nimmst, frag vorher in der Apotheke nach.

ASS: ein Entzündungshemmer mit Besonderheiten

ASS (Acetylsalicylsäure) gehört zu den NSAR und gilt bei Kopfschmerzen als gut belegte Option, wird aber nicht für alle empfohlen. Die DMKG zählt ASS bei Spannungskopfschmerz zu den Mitteln der ersten Wahl, und bei Migräne ist die Wirksamkeit laut Patientenleitlinie belegt.

Zur Datenlage gibt es allerdings einen ehrlichen Hinweis: Laut gesundheitsinformation.de hilft ASS bei Spannungskopfschmerzen wahrscheinlich ebenfalls, es gibt aber nicht genügend Daten, die das für diese Schmerzform eindeutig belegen.

Bei Kindern und Jugendlichen ist ASS ein Sonderfall. Es darf nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, weil es das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom auslösen kann. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zur Migräne bei Kindern und Jugendlichen.

Spannungskopfschmerz oder Migräne: Ändert das die Wahl?

Die Wirkstoffe sind bei beiden Kopfschmerzarten dieselben, aber bei Migräne reichen einfache Schmerzmittel häufiger nicht aus. Bei leichten bis mittleren Attacken können sie helfen. Bei vielen Betroffenen sind sie jedoch teilweise zu schwach.

Dann kommen Triptane ins Spiel, spezielle Migränemittel. Wie sie wirken und für wen sie infrage kommen, erklärt unser Artikel Triptane bei Migräne. Nach Informationen von Neurologen und Psychiater im Netz gilt grundsätzlich: Migränemittel sollten möglichst früh genommen werden, also zu Beginn der Kopfschmerzphase und nicht schon während der Aura.

Opioid-Schmerzmittel sollen laut DMKG-Patientenleitlinie bei akuten Migräneattacken nicht verwendet werden.

Wenn du unsicher bist, ob du Migräne oder einen Spannungskopfschmerz hast, hilft dir Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?. Ein typischer Spannungskopfschmerz beschreibt unser Artikel zu Spannungskopfschmerzen.

Und wenn dir bei der Migräne übel ist?

Bei Übelkeit können Schmerzmittel mit einem Mittel gegen Übelkeit kombiniert werden. Laut Neurologen und Psychiater im Netz regen solche Mittel die Magen-Darm-Tätigkeit an, sodass Schmerz- und Migränemittel besser aufgenommen werden und schneller wirken. Was du selbst gegen die Übelkeit tun kannst, steht in Migräne Übelkeit. Welches Mittel für dich passt, entscheiden Arzt oder Ärztin.

Kann man Schmerzmittel kombinieren oder abwechseln?

Verschiedene NSAR solltest du nicht miteinander kombinieren, NSAR und Paracetamol sind dagegen möglich, wenn ein Mittel allein nicht reicht. So fasst es gesundheitsinformation.de zusammen. Ibuprofen und ASS gleichzeitig zu nehmen ist also keine gute Idee, weil sich die Nebenwirkungen addieren können.

Ob und wie du kombinierst, solltest du aber nicht auf eigene Faust planen. Genaue Abstände und Höchstmengen unterscheiden sich je nach Präparat, deshalb sind Apotheke oder Arztpraxis die richtigen Ansprechpartner.

Auch Kombinationspräparate verdienen einen zweiten Blick. Die feste Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein wird von der DMKG bei Spannungskopfschmerz als Mittel der ersten Wahl genannt. Für Kombinationspräparate gilt aber eine strengere Grenze bei der Häufigkeit der Einnahme, dazu gleich mehr.

Wie oft ist zu oft? Kopfschmerz durch Schmerzmittel

Schmerzmittel können Kopfschmerzen verstärken, wenn du sie zu oft nimmst: bei einfachen Mitteln an 15 oder mehr Tagen im Monat, bei Triptanen und Kombinationspräparaten schon an 10 Tagen. Das beschreiben gesundheitsinformation.de und die DMKG-Patientenleitlinie. Fachleute sprechen von Medikamentenübergebrauchskopfschmerz.

Warum das passiert, ist nicht vollständig geklärt. Nach gesundheitsinformation.de gewöhnt sich das Nervensystem möglicherweise an die Mittel und reagiert empfindlicher auf Schmerzreize. Ein Reiz, den das Gehirn sonst nicht als Schmerz melden würde, wird dann als schmerzhaft empfunden.

Als einfache Faustregel für die Selbstbehandlung nennen Neurologen und Psychiater im Netz höchstens zehn Einnahmetage pro Monat und nicht länger als drei Tage hintereinander.

Woran du es erkennen kannst

Typische Hinweise sind Kopfschmerzen an immer mehr Tagen, während die Tabletten immer weniger helfen. Wenn dich das an deinen Alltag erinnert, lies auch Jeden Tag Kopfschmerzen: Mögliche Ursachen. Es gibt dafür viele mögliche Gründe, nicht nur Schmerzmittel.

Die gute Nachricht: Das Problem lässt sich behandeln. Üblich ist laut gesundheitsinformation.de eine Pause von etwa 7 bis 14 Tagen. Wenn der Kopfschmerz vom Übergebrauch kommt, bessert er sich danach innerhalb weniger Tage und tritt seltener auf. Alternativ kann eine vorbeugende Behandlung begonnen werden, damit eine komplette Pause nicht nötig ist. Beides solltest du mit ärztlicher Begleitung planen und nicht allein durchziehen.

Zählen hilft dabei, die Grenzen im Blick zu behalten. Wie du Kalender, Dauer und Intensität sinnvoll liest, zeigt Migränetagebuch auswerten.

Wann solltest du Arzt, Ärztin oder Apotheke fragen?

Sprich mit Fachleuten, sobald Schmerzmittel regelmäßig nötig werden oder nicht mehr ausreichen. Konkret heißt das:

  • Du brauchst Schmerzmittel an vielen Tagen im Monat, oder die Zahl steigt.
  • Die Mittel helfen kaum noch, oder du musst immer früher nachlegen.
  • Du hast Vorerkrankungen (Magen, Niere, Leber, Asthma) oder nimmst andere Medikamente.
  • Du bist schwanger oder möchtest es werden, oder es geht um ein Kind.
  • Die Kopfschmerzen fühlen sich neu, ungewöhnlich oder plötzlich sehr heftig an. In diesem Fall hilft dir Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt?.

Welche Praxis die richtige ist, erfährst du in Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?. Dort steht auch, wie du dich auf den Termin vorbereitest.

Fazit: So wählst du bewusster

Es gibt kein bestes Schmerzmittel für alle. Paracetamol ist milder, Ibuprofen und ASS sind bei Kopfschmerzen besser belegt, brauchen aber mehr Vorsicht. Bei Migräne reichen einfache Mittel oft nicht aus, und bei jeder Art von Kopfschmerz gilt: Je häufiger du sie brauchst, desto wichtiger ist ein Gespräch mit Ärztin oder Arzt.

Praktisch hilft dir das:

  1. Lies die Packungsbeilage und frag in der Apotheke, wenn du Vorerkrankungen hast oder weitere Medikamente nimmst.
  2. Kombiniere nicht verschiedene NSAR.
  3. Zähle, an wie vielen Tagen im Monat du Schmerzmittel nimmst.
  4. Such dir ärztlichen Rat, wenn die Zahl steigt oder die Wirkung nachlässt.

Du musst Kopfschmerzen nicht einfach aushalten, aber du musst auch nicht alles allein regeln.

Häufige Fragen

Ist Ibuprofen oder Paracetamol besser bei Kopfschmerzen?

Bei Spannungskopfschmerz und Migräne schneidet Ibuprofen in Studien meist besser ab. Laut DMKG war es in systematischen Vergleichen Paracetamol überlegen. Paracetamol ist dafür für den Magen milder. Welches Mittel zu dir passt, besprichst du am besten mit der Apotheke oder deiner Ärztin.

Kann man von Schmerzmitteln noch mehr Kopfschmerzen bekommen?

Ja, das ist möglich. Nach gesundheitsinformation.de gilt eine Einnahme von einfachen Schmerzmitteln an 15 oder mehr Tagen im Monat als übermäßig. Bei Triptanen sind es schon zehn Tage. Fachleute sprechen dann von arzneimittelbedingten Kopfschmerzen.

Kann ich ASS bei Kopfschmerzen auch Kindern geben?

Nur nach ärztlicher Anweisung. Gesundheitsinformation.de weist darauf hin, dass ASS bei Kindern und Jugendlichen das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom auslösen kann. Frag bei Kindern immer zuerst Kinderarzt oder Kinderärztin.

Helfen Kopfschmerztabletten auch bei Migräne?

Bei leichten bis mittleren Attacken können einfache Schmerzmittel helfen. Die DMKG-Patientenleitlinie bestätigt die Wirksamkeit von ASS und Ibuprofen. Reichen sie nicht aus, sprichst du mit deiner Ärztin über andere Optionen wie Triptane.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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