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Frau mit lockigem Haar, Hand an der Schläfe, ein Schmerzring um die Stirn, daneben zwei Kopfprofile im Vergleich
Diagnose

Spannungskopfschmerzen: Symptome, Dauer und der Unterschied zur Migräne

Von Laurine Nicoletti9 min

Du sitzt am Nachmittag am Schreibtisch, und plötzlich fühlt sich dein Kopf an, als würde jemand ein enges Band darumlegen. Es pocht nicht, dir ist nicht übel, aber der dumpfe Druck lässt sich auch nicht wegdenken. Genau so beschreiben viele Menschen die typischen Spannungskopfschmerzen Symptome, bei der häufigsten Kopfschmerzform überhaupt.

In diesem Artikel erfährst du, welche Spannungskopfschmerzen-Symptome typisch sind, wie lange der Schmerz meist anhält und woran du ihn von einer Migräne unterscheiden kannst. Außerdem geht es darum, warum beides gleichzeitig vorkommen kann. Eine Diagnose kann dieser Text nicht ersetzen, aber er hilft dir, deine Beschwerden besser zu beschreiben. Einen größeren Überblick darüber, wie Ärztinnen und Ärzte Kopfschmerzen einordnen, findest du in unserem Leitfaden zur Migräne-Diagnose.

Kurz gesagt

  • Spannungskopfschmerzen fühlen sich dumpf und drückend an, meist beidseitig und leicht bis mittelstark, ohne typische Begleitsymptome wie Übelkeit.
  • Eine einzelne Episode dauert sehr unterschiedlich lang, von etwa einer halben Stunde bis zu mehreren Tagen.
  • Migräne ist meist stärker, oft einseitig und pulsierend und kommt häufig mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
  • Beide Kopfschmerzformen können bei derselben Person auftreten, ein Kopfschmerzkalender hilft, sie auseinanderzuhalten.

Was sind Spannungskopfschmerzen?

Spannungskopfschmerzen gehören zu den primären Kopfschmerzen, also zu Kopfschmerzen, die nicht Folge einer anderen Erkrankung sind. Zusammen mit Migräne und Cluster-Kopfschmerz sind sie laut gesundheitsinformation.de die häufigsten primären Kopfschmerzarten. In der Fachsprache heißen sie auch „Kopfschmerz vom Spannungstyp“.

Wie verbreitet sie sind, zeigen die Zahlen: Mehr als 300 von 1000 Menschen haben Spannungskopfschmerzen, bei Migräne sind es etwa 100 bis 150 von 1000 (gesundheitsinformation.de). Das heißt: Wenn du manchmal solche Kopfschmerzen hast, bist du in guter Gesellschaft. Meistens sind sie lästig, aber nicht gefährlich.

Fachleute unterscheiden zwei Verlaufsformen:

  • Episodisch: Die Kopfschmerzen kommen in einzelnen Episoden, mit Tagen oder Wochen ohne Schmerz dazwischen.
  • Chronisch: Die Kopfschmerzen treten sehr häufig und über einen längeren Zeitraum auf.

Wenn du fast täglich Kopfschmerzen hast, lies auch unseren Artikel Jeden Tag Kopfschmerzen: Mögliche Ursachen.

Welche Symptome haben Spannungskopfschmerzen?

Typisch ist ein dumpfer, drückender Schmerz auf beiden Kopfseiten, der leicht bis mittelschwer ist und nicht pulsiert. Laut gesundheitsinformation.de werden Spannungskopfschmerzen als dumpf, drückend und leicht bis mittelschwer erlebt, Begleitsymptome wie Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit fehlen. Das MSD Manual beschreibt das Gefühl als Band, das um den Kopf liegt, deshalb sprechen viele vom „Kopfschmerz wie ein Helm“ oder „wie ein Band“.

Typische Hinweise sind:

  • Druck oder Enge auf beiden Seiten, oft an Stirn, Schläfen oder Hinterkopf
  • ein dumpfes, ziehendes Gefühl statt Pochen oder Stechen
  • Schmerz, der leicht bis mittelstark ist: Du kannst meist weitermachen, auch wenn es nervt
  • keine oder kaum Begleitsymptome

Ganz streng ist diese Regel nicht. Die DMKG weist darauf hin, dass Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit gelegentlich auch bei Spannungskopfschmerzen auftreten können. Genau das macht die Abgrenzung zur Migräne manchmal knifflig.

Sitzt der Schmerz vor allem im Nacken und zieht in den Kopf? Dann lohnt sich ein Blick in unseren Artikel Migräne und Nackenschmerzen, denn auch eine Migräne kann den Nacken einbeziehen.

Wie lange dauern Spannungskopfschmerzen?

Die Dauer einer einzelnen Episode ist sehr unterschiedlich. gesundheitsinformation.de beschreibt sie als eine halbe Stunde bis zu mehreren Tagen. In der Praxis sind es bei vielen Menschen eher einige Stunden.

Wichtig ist die Spanne: Ein Spannungskopfschmerz kann ein kurzer Nachmittagsdruck sein oder sich über mehrere Tage ziehen. Bei der chronischen Form kehrt er so häufig wieder, dass kaum noch schmerzfreie Phasen bleiben.

Zum Vergleich: Eine Migräneattacke dauert nach der Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft zwischen 4 und 72 Stunden (Neurologen und Psychiater im Netz). Mehr zu den einzelnen Phasen liest du in Wie lange dauert eine Migräne?.

Spannungskopfschmerz oder Migräne: Woran erkennst du den Unterschied?

Der Schmerzcharakter, die Stärke und die Begleitsymptome sind die drei wichtigsten Unterscheidungsmerkmale. Bei einer Migräne ist der Schmerz mäßig bis stark, oft einseitig und pulsierend, und er wird häufig von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet (gesundheitsinformation.de). Laut Neurologen und Psychiater im Netz ist der Schmerz bei etwa 70 Prozent der Betroffenen einseitig.

SpannungskopfschmerzMigräne
Schmerzartdumpf, drückend, ziehendpulsierend, pochend, oft stechend
Seitemeist beidseitigoft einseitig
Stärkeleicht bis mittelmäßig bis stark
Begleitsymptomemeist keinehäufig Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit
Dauer pro Episode30 Minuten bis mehrere Tage4 bis 72 Stunden

Diese Tabelle fasst Typisches zusammen, nicht mehr. Nicht jede Migräne hat jedes dieser Merkmale, und nicht jeder Spannungskopfschmerz ist perfekt „typisch“. Eine Übersicht über die verschiedenen Formen findest du in Migräne Arten: Die Formen im Überblick.

Ein hilfreicher Gedanke im Alltag: Kannst du trotz des Schmerzes weitermachen, oder zwingt dich der Schmerz zum Rückzug? Wenn du dich am liebsten in ein dunkles Zimmer legst und jede Bewegung den Schmerz verstärkt, spricht das eher für eine Migräne. Ob es bei dir tatsächlich eine ist, kann aber nur ein Arzt oder eine Ärztin beurteilen. Mehr zur Abgrenzung findest du in Migräne oder Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?.

Woher kommen Spannungskopfschmerzen? Was man weiß und was offen ist

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht abschließend geklärt. Das MSD Manual schreibt, dass sie möglicherweise mit einer niedrigen Schmerzschwelle zusammenhängen. Die frühere Vorstellung, es seien einfach „verspannte Muskeln“, greift also vermutlich zu kurz.

Als mögliche Auslöser oder Verstärker nennt das MSD Manual:

  • Stress
  • Schlafstörungen
  • Schmerzen im Nacken- oder Kieferbereich
  • Belastung der Augen

Auch hier gilt: Das sind Faktoren, die Beschwerden begünstigen können, keine sicheren Ursachen. Was bei dir eine Rolle spielt, ist individuell. Wie eng Stress und Kopfschmerz zusammenhängen können, erklären wir in Stress und Migräne: So durchbrichst du den Teufelskreis. Vieles davon gilt ähnlich für Spannungskopfschmerzen.

Wichtig ist außerdem ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Wer sehr häufig rezeptfreie Schmerzmittel nimmt, riskiert, dass die Mittel selbst Kopfschmerzen verursachen. Darauf weist auch Neurologen und Psychiater im Netz hin. Wenn du merkst, dass du öfter zu Tabletten greifst, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber.

Kannst du Spannungskopfschmerz und Migräne gleichzeitig haben?

Ja, das kommt vor und ist ein bekanntes Problem in der Diagnostik. Die DMKG beschreibt, dass das gleichzeitige Auftreten von Spannungskopfschmerz und Migräne häufig beobachtet wird und der Kopfschmerz dann manchmal wie eine Mischung aus beidem wirkt.

Im Alltag kann das so aussehen: An manchen Tagen hast du einen dumpfen Druck, der nach ein paar Stunden von allein verschwindet. An anderen Tagen kommt ein einseitiger, pochender Schmerz mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit, und du musst dich hinlegen. Beides sind dann vermutlich unterschiedliche Kopfschmerzen, auch wenn du sie „Kopfweh“ nennst.

Es kann auch sein, dass eine Migräne mit einem dumpfen Druck beginnt oder ausklingt, oder dass du schon vor der Attacke einen steifen Nacken spürst. Solche Frühzeichen beschreiben wir in Migräne Vorboten.

Warum ein Kopfschmerzkalender hier so hilft

Für die Unterscheidung ist ein Kalender oft aussagekräftiger als die Erinnerung. Laut DMKG hilft der Kopfschmerzkalender dem Arzt oder der Ärztin einzuschätzen, an welcher Kopfschmerzart du leidest, und er zeigt, ob eine Therapie wirkt. Interessant sind vor allem diese Punkte:

  • Wie oft und an welchen Tagen tritt der Kopfschmerz auf?
  • Wie stark ist er, und wie lange hält er an?
  • Ist er einseitig oder beidseitig, dumpf oder pulsierend?
  • Gab es Übelkeit oder Licht- und Lärmempfindlichkeit?
  • Welche Tabletten hast du an welchen Tagen genommen?

Weitere Ideen findest du in Migränekalender: Was du notieren solltest. Die DMKG bietet außerdem einen eigenen Kopfschmerzkalender und eine App zur Dokumentation an (DMKG).

Was kannst du tun, wenn du dich wiedererkennst?

Als Erstes hilft es, ein paar Wochen genau zu beobachten, und dann in der Praxis zu besprechen, was du siehst. Eine Diagnose stellt immer ein Arzt oder eine Ärztin, nach einem ausführlichen Gespräch und gegebenenfalls einer Untersuchung. Wer dafür zuständig ist, erklärt dir Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?.

Zur Orientierung, ohne dass es ein Behandlungsplan wäre: Entspannung und Stressbewältigung können nach dem MSD Manual bei Spannungskopfschmerzen helfen. Welche Maßnahmen für dich sinnvoll sind, klärst du am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Ärztlich abklären solltest du Kopfschmerzen besonders dann, wenn sie neu sind, sich plötzlich verändern, immer häufiger werden oder du oft Schmerzmittel brauchst. Bei plötzlichen, extrem heftigen Kopfschmerzen oder zusätzlichen Ausfällen wie Lähmungen oder Sprachstörungen ist das ein Fall für den Notruf. Eine Orientierung gibt dir unser Artikel Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt?.

Fazit

Spannungskopfschmerzen fühlen sich meist wie ein dumpfer Druck oder ein enges Band um den Kopf an. Sie sind leicht bis mittelstark, beidseitig und kommen in der Regel ohne Übelkeit. Sie sind die häufigste Kopfschmerzform und meist nicht gefährlich, auch wenn sie sehr belasten können.

Migräne ist dagegen oft stärker, einseitig und pulsierend, mit Begleitsymptomen. Weil beides zusammen auftreten kann, lohnt es sich, deine Kopfschmerzen aufzuschreiben. So kannst du in der Praxis konkret beschreiben, was du erlebst, und ihr könnt gemeinsam herausfinden, was dahintersteckt.

Häufige Fragen

Wie fühlen sich Spannungskopfschmerzen an?

Sie fühlen sich dumpf und drückend an, oft wie ein enges Band um den Kopf, und sie sind leicht bis mittelschwer (gesundheitsinformation.de). Anders als bei einer Migräne pocht der Schmerz nicht, und typische Begleitsymptome wie Übelkeit fehlen meist.

Wie lange dauern Spannungskopfschmerzen?

Die Dauer ist sehr unterschiedlich und reicht von einer halben Stunde bis zu mehreren Tagen (gesundheitsinformation.de). Bei vielen Menschen sind es eher einige Stunden.

Woran erkenne ich, ob es Spannungskopfschmerz oder Migräne ist?

Hinweise sind Schmerzart, Stärke und Begleitsymptome: Migräne ist eher pulsierend, stärker und kommt oft mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit (gesundheitsinformation.de). Sicher unterscheiden kann dich aber nur ein Arzt oder eine Ärztin, am besten mit einem Kopfschmerzkalender als Grundlage.

Kann man Migräne und Spannungskopfschmerz zusammen haben?

Ja, die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft beschreibt das gleichzeitige Auftreten beider Formen als häufig beobachtet und diagnostisch anspruchsvoll (DMKG). Ein Kalender, in dem du jede Episode einträgst, hilft dabei, sie auseinanderzuhalten.

Sind Spannungskopfschmerzen gefährlich?

In der Regel sind sie nicht gefährlich, aber sie können den Alltag stark beeinträchtigen. Häufige Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel kann selbst Kopfschmerzen auslösen (Neurologen und Psychiater im Netz), deshalb gehören häufige Kopfschmerzen in ärztliche Hände.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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