
MRT bei Migräne: Wann ein Kopf-MRT wirklich nötig ist (und wann nicht)
Du hast seit Jahren immer wieder Migräneattacken, und im Freundeskreis hat jemand gefragt: „Warst du schon mal im MRT?“ Oder dein Arzt hat dir bei der Frage nach einer MRT bei Migräne keine Bildgebung angeboten, und du fragst dich, ob da etwas übersehen wurde. Beides ist völlig verständlich.
Die kurze Antwort zur MRT bei Migräne: Bei typischen Attacken und normaler neurologischer Untersuchung ist in der Regel keine Bildgebung nötig. Wann eine MRT oder ein CT trotzdem sinnvoll ist, warum ein unauffälliger Befund eine gute Nachricht ist und wie die Untersuchung abläuft, erfährst du hier. Einen Überblick über den ganzen Weg zur Diagnose findest du in unserem Ratgeber zur Migräne-Diagnose.
Kurz gesagt
- Migräne wird nach Angaben der DMKG nicht mit einem Gerät, sondern im Gespräch und durch die körperliche und neurologische Untersuchung festgestellt.
- Eine MRT oder ein CT dient meist dazu, andere Ursachen auszuschließen, wenn die Beschwerden untypisch sind oder neurologische Symptome dazukommen.
- Eine MRT kommt ohne Röntgenstrahlen aus, ein CT arbeitet damit; beide sind schmerzfrei.
Wird Migräne mit einer MRT festgestellt?
Nein: Es gibt keine MRT, keinen Bluttest und kein anderes Gerät, das eine Migräne beweist. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) beschreibt, dass die Diagnose über das Gespräch (Anamnese) und eine körperliche und neurologische Untersuchung gestellt wird, nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft.
Geräteuntersuchungen dienen demnach vor allem dazu, einen symptomatischen Kopfschmerz auszuschließen. Das ist ein Kopfschmerz, der durch eine andere Erkrankung ausgelöst wird, zum Beispiel durch einen Tumor oder eine Blutung. Sie kommen zum Einsatz, wenn Gespräch oder Untersuchung darauf hinweisen.
Auch Neurologen und Psychiater im Netz schreibt, dass eine Migräne im Gespräch mit der Fachärztin meist klar erkannt wird. Weitere Untersuchungen sind nur nötig, wenn der Verdacht besteht, dass die Kopfschmerzen nicht von einer Migräne stammen.
Ein hilfreiches Werkzeug dafür ist ein Kopfschmerztagebuch über vier bis sechs Wochen, wie die Seite ebenfalls erklärt. Wie du es führst, liest du in unserem Artikel zum Migränekalender.
Warum hat mein Arzt keine MRT veranlasst?
Meistens, weil deine Beschwerden zu einer typischen Migräne passen und die neurologische Untersuchung unauffällig war. In dieser Situation bringt ein Bild in der Regel keine neuen Erkenntnisse.
Dein Arzt hat dich also nicht „vergessen“. Er hat eine Untersuchung weggelassen, die dir nichts nützt und dich vielleicht unnötig verunsichert.
Zur Einordnung: Auch gesundheitsinformation.de nennt die MRT des Kopfes als mögliche Maßnahme, wenn nach Gespräch und körperlicher Untersuchung noch Fragen offen sind. Es kommt also immer auf den Einzelfall an. Wenn du dich unsicher fühlst, frag in Ruhe nach, warum in deinem Fall darauf verzichtet wird. Wer für Migräne überhaupt zuständig ist, erklärt unser Artikel Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?.
Wann veranlasst ein Arzt eine MRT oder ein CT?
Eine Bildgebung wird vor allem dann veranlasst, wenn Gespräch oder Untersuchung auf eine andere Ursache der Kopfschmerzen hinweisen, etwa weil die Beschwerden untypisch sind, sich verändern oder von neurologischen Symptomen begleitet werden.
Bei der Frage nach neurologischen Symptomen denken viele sofort an die Aura. Wie eine typische Aura aussieht, erklärt unser Artikel Migräne mit Aura, und bei Sehstörungen hilft Augenmigräne weiter. Ob bei dir eine Bildgebung sinnvoll ist, kann aber nur dein Arzt oder deine Ärztin im Einzelfall entscheiden.
CT im Notfall
Die DMKG beschreibt als Notfall, wenn extrem heftige Kopfschmerzen schlagartig auftreten und innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten ihr Maximum erreichen. Dasselbe gilt bei Nackensteife, hohem Fieber, epileptischen Anfällen, Bewusstseinsstörungen oder neu auftretenden neurologischen Ausfällen. In diesem Fall gehört nicht ein Termin in der Radiologiepraxis auf deine Liste, sondern der Anruf beim Notruf. Eine ruhige Übersicht dazu findest du in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt und wann kannst du abwarten?.
Wenn dich die Frage nach Risiken grundsätzlich beschäftigt, lies auch Migräne gefährlich? Was die Studien über die Risiken sagen.
Ein unauffälliger Befund ist eine gute Nachricht
Ein normales Bild bedeutet nicht, dass deine Migräne „nicht echt“ ist, sondern dass keine andere Ursache für deine Beschwerden gefunden wurde. Migräne ist eine Funktionsstörung des Gehirns, die auf einem MRT-Bild in der Regel keine Spuren hinterlässt (mehr dazu in Migräne Ursachen: Was in deinem Gehirn passiert).
MRT oder CT: Was ist der Unterschied?
Eine MRT arbeitet mit Magnetfeldern und liefert sehr detaillierte Bilder, ein CT arbeitet mit Röntgenstrahlen und geht dafür schneller. Beide zeigen Schnittbilder von Kopf und Gehirn.
Neurologen und Psychiater im Netz erklärt, dass bei der MRT (Kernspintomographie) im Gegensatz zum CT keine Röntgenstrahlung verwendet wird. Das MSD Manual ergänzt, dass eine MRT-Untersuchung länger dauert als ein CT.
Für die Praxis heißt das:
- MRT: sehr detailreiche Bilder des Gehirns, keine Röntgenstrahlen, dafür längere Untersuchung in einer engen Röhre.
- CT: schnell, deshalb in Notfällen oft die erste Wahl, aber mit Röntgenstrahlung. Laut MSD Manual eignet es sich gut, wenn es schnell gehen muss.
Welches Verfahren in deinem Fall passt, entscheidet die Ärztin anhand der Frage, die sie klären möchte. Du musst dir dazu nichts merken, es hilft aber zu wissen, warum sie das eine oder das andere vorschlägt.
Wie läuft eine MRT des Kopfes ab?
Du liegst entspannt auf einer Liege, die in die Röhre des Geräts fährt, und musst vor allem ruhig bleiben. Eine Kopf-MRT dauert nach Angaben von praktischarzt.de je nach Fragestellung ungefähr 15 bis 30 Minuten.
So läuft es typischerweise ab:
- Vorgespräch: Das Team fragt nach Metall im Körper. Laut MSD Manual kann eine MRT bei bestimmten Implantaten nicht durchgeführt werden, etwa bei Herzschrittmachern, Cochlea-Implantaten, Medikamentenpumpen, Nervenstimulatoren oder Metallklammern an einem Hirngefäß.
- Lagerung: Du legst Schmuck, Uhr und Metallteile ab und legst dich auf die Liege. Die meisten Geräte sind eng, manche haben laut MSD Manual eine größere, seitlich offene Röhre.
- Messung: Du musst still liegen. Das Gerät macht laute, klopfende Geräusche, deshalb bekommst du in der Regel Kopfhörer oder Ohrschutz, wie praktischarzt.de beschreibt.
- Kontrastmittel (manchmal): Bei einigen Verfahren wird laut MSD Manual ein Kontrastmittel in eine Armvene gespritzt, damit Strukturen besser sichtbar werden. Ob das nötig ist, hängt von der Fragestellung ab.
Wenn dich enge Räume nervös machen, sag das vorher dem Team. Es kann dir erklären, was dich erwartet, und gemeinsam mit deiner Ärztin überlegen, was dir helfen könnte. Welche Medikamente dafür infrage kommen, ist aber ihre Entscheidung und nicht Teil dieses Artikels.
Wie läuft ein CT des Kopfes ab?
Beim CT liegst du auf einer Liege, die durch einen ringförmigen Scanner fährt, und die Untersuchung ist meist nach wenigen Minuten vorbei. Das MSD Manual beschreibt, dass ein CT-Scan gewöhnlich ein paar Sekunden bis wenige Minuten dauert.
In der Röhre rotieren eine Röntgenquelle und ein Detektor um dich herum. Du spürst davon nichts. Manchmal bekommst du ein Kontrastmittel über die Vene.
Laut Neurologen und Psychiater im Netz ist bei manchen Fragen zum Schädel-CT kein Kontrastmittel nötig. Tumoren oder Entzündungen lassen sich damit aber besser erkennen. Weil ein CT Röntgenstrahlen nutzt, wird es gezielt eingesetzt und nicht „zur Sicherheit“.
So bereitest du das Gespräch mit deinem Arzt vor
Mit konkreten Angaben zu deinen Attacken kann deine Ärztin am besten einschätzen, ob eine Bildgebung sinnvoll ist. Du musst dafür nichts Medizinisches wissen, sondern nur beobachten und aufschreiben.
Diese Punkte helfen:
- Wie oft hast du Attacken, und wie lange dauern sie?
- Wie fühlt sich der Schmerz an (einseitig, pulsierend, drückend), und was kommt dazu (Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit)?
- Hat sich etwas verändert, zum Beispiel Stärke, Ort oder Begleitsymptome?
- Gibt es neue Symptome wie Sehstörungen, Taubheit oder Sprachprobleme, die du früher nicht hattest?
- Welche Auslöser vermutest du?
Und ein paar Fragen, die du ruhig stellen darfst: „Warum empfehlen Sie in meinem Fall keine Bildgebung?“ oder „Bei welchen Veränderungen sollte ich mich sofort melden?“ Wie du Verlauf, Dauer und Intensität später auswertest, zeigt Migränetagebuch auswerten.
Fazit: Bildgebung ist bei Migräne die Ausnahme, nicht die Regel
Wenn deine Migräne typisch verläuft und die neurologische Untersuchung unauffällig ist, brauchst du in der Regel keine MRT und kein CT. Dass keine Bildgebung angeordnet wurde, heißt nicht, dass dein Leiden nicht ernst genommen wird. Es heißt, dass deine Ärztin die Diagnose aus dem Gespräch und der Untersuchung sicher stellen kann.
Anders sieht es aus, wenn sich dein Kopfschmerz verändert, plötzlich neu und untypisch auftritt oder neurologische Symptome dazukommen. Dann ist es richtig, das abklären zu lassen, und bei Alarmzeichen wie einem plötzlichen Vernichtungskopfschmerz zählt der Notruf. Alles andere besprichst du am besten in Ruhe mit der Ärztin oder dem Arzt deines Vertrauens.
Häufige Fragen
Kann man Migräne auf einem MRT-Bild sehen?
Nein, Migräne selbst lässt sich auf einem MRT-Bild nicht nachweisen. Laut DMKG gibt es keinen Test und keine Gerätuntersuchung, die eine Migräne beweist. Die MRT dient dazu, andere Ursachen auszuschließen.
Ist ein Kopf-MRT gefährlich oder schmerzhaft?
Die Untersuchung tut nicht weh, und eine MRT kommt laut Neurologen und Psychiater im Netz ohne Röntgenstrahlung aus. Wichtig ist, vorher auf Metall im Körper hinzuweisen, denn bei bestimmten Implantaten ist laut MSD Manual keine MRT möglich.
Wie lange dauert eine MRT vom Kopf?
Nach Angaben von praktischarzt.de dauert eine Kopf-MRT ungefähr 15 bis 30 Minuten, je nach Fragestellung. Ein CT ist laut MSD Manual meist nach ein paar Sekunden bis wenigen Minuten fertig.
Soll ich mir selbst eine MRT wünschen, wenn ich Angst vor einem Tumor habe?
Sprich die Sorge offen an, denn das gehört zum Arztgespräch dazu. Ob eine Bildgebung sinnvoll ist, richtet sich nach Warnzeichen und Verlauf, nicht allein nach der Sorge. Deine Ärztin kann dir erklären, warum sie in deinem Fall eine Bildgebung für nötig hält oder nicht.
Quellen
- MIGRÄNE ©Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
- DEUTSCHE MIGRÄNE- UND KOPFSCHMERZ- GESELLSCHAFT Kopfschmerzen:
- Migräne » Diagnostik »
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- Migräne
- Magnetresonanztomographie (MRT) - Spezialthemen - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- Computertomographie (CT) - Spezialthemen - MSD Manual Ausgabe für Patienten
- www.praktischarzt.de
Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel
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