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Frau mit türkisfarbenem Kopftuch schaut auf ihr Smartphone, daneben eine abgehakte Checkliste
Leben mit Migräne

Migräne App: 10 Kriterien, mit denen du die passende findest (2026)

Von Laurine Nicoletti11 min

Du liegst mit pochendem Kopf im abgedunkelten Zimmer und sollst jetzt auch noch ein Formular mit zwanzig Feldern ausfüllen? Oder du hast schon drei Migräne Apps ausprobiert und nach einer Woche wieder aufgegeben, weil sie zu kompliziert waren? Dann liegt es meistens nicht an dir, sondern an der App.

Eine gute Migräne App ist ein digitales Tagebuch, das dir hilft, deine Attacken zu verstehen. Sie heilt nichts und ersetzt keine ärztliche Beratung. In diesem Artikel findest du 10 Kriterien, mit denen du in Ruhe die App auswählst, die zu deinem Alltag passt. Er gehört zu unserem Themenbereich Leben mit Migräne.

Ein Hinweis vorab: Wir sind das Team hinter Mellow, einer eigenen Migräne App. Deshalb bekommst du hier bewusst keine Rangliste, sondern Kriterien, die für jede App gelten, auch für unsere.

Kurz gesagt

  • Die beste Migräne App ist die, die du auch an schlechten Tagen in wenigen Sekunden bedienen kannst.
  • Wichtig sind eine schnelle Eingabe, sinnvolle Auslöser, verständliche Statistiken, ein Bericht für die Arztpraxis, ein klarer Umgang mit deinen Daten und ein fairer Preis.
  • Im Test der Stiftung Warentest erreichte 2022 keine von 16 Kopfschmerz- und Migräne-Apps mehr als „befriedigend“.
  • Eine App dokumentiert, sie diagnostiziert und behandelt nicht: Therapiefragen gehören in die ärztliche Hand.

Was ist die beste Migräne App?

Die beste Migräne App ist die, die du dauerhaft nutzt. Ein Tagebuch, das nach zwei Wochen verstaubt, liefert keine Muster, egal wie viele Funktionen es hat.

Warum der Aufwand sich lohnt: Ein Kopfschmerztagebuch hilft, den Verlauf und den Erfolg einer Behandlung zu beurteilen, und macht sichtbar, welche Auslöser bei dir eine Rolle spielen. Das beschreibt das Portal krankenkasseninfo.de und empfiehlt, mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, worauf du beim Ausfüllen achten sollst.

Dabei sind Apps nicht automatisch besser als Papier. Die Stiftung Warentest hat 16 deutschsprachige Kopfschmerz- und Migräne-Apps geprüft: Keine war besser als „befriedigend“. Laut Apotheken Umschau lag das unter anderem an einer lückenhaften Erfassung der Krankengeschichte und an fehlenden wissenschaftlichen Belegen für den Nutzen mehrerer Apps. Die Tester raten, solche Apps in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt zu nutzen.

Das ist keine Absage an Apps. Es heißt nur: Schau genau hin, bevor du dich entscheidest.

Die 10 Kriterien für eine gute Migräne App

Die folgenden zehn Punkte kannst du wie eine Checkliste durchgehen. Du musst nicht alle erfüllt sehen, aber die ersten drei sind für die meisten Menschen entscheidend.

1. Schnelle Eingabe: wenige Taps statt langer Formulare

Eine App, in der du eine Attacke in wenigen Sekunden festhalten kannst, wird auch genutzt, wenn es dir schlecht geht. Das ist das wichtigste Kriterium überhaupt.

Prüfe: Wie viele Taps brauchst du, um „Attacke jetzt“ zu speichern? Kannst du Details später ergänzen? Gute Apps trennen das Wesentliche (Beginn, Stärke) vom Optionalen (Begleitsymptome, Notizen).

2. Die richtigen Daten: Beginn, Dauer, Stärke, Begleitsymptome, Medikamente

Eine App sollte genau die Angaben abfragen, die später wirklich nützen. Dazu gehören Beginn und Ende, Schmerzstärke, Begleitsymptome wie Übelkeit oder Aura und eingenommene Akutmedikamente.

Besonders die Medikamentenangaben sind wichtig: Zu häufige Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln kann selbst Kopfschmerzen auslösen, den sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Welche Mittel du wann nimmst, entscheidest du aber nicht mit der App, sondern mit deinem Arzt. Welche Angaben im Alltag am meisten bringen, erklären wir in Migränekalender: Was du notieren solltest.

3. Auslöser erfassen, ohne dich zu überfordern

Eine gute App lässt dich mögliche Auslöser einfach markieren, statt jeden Tag lange Listen abzufragen. Typische Kandidaten sind Stress, Schlafmangel, ein veränderter Tagesrhythmus oder die Menstruation, wie es auch krankenkasseninfo.de beschreibt.

Wichtig ist, dass du selbst Auslöser ergänzen kannst, denn jede Migräne ist anders. Und bedenke: Ein Auslöser ist kein Beweis. Erst wenn sich ein Muster über viele Attacken zeigt, wird es aussagekräftig. Wie du dabei vorgehst, steht in Migräne Auslöser erkennen.

4. Wetter und Luftdruck: nützlich, aber kein Orakel

Wenn du vermutest, dass das Wetter bei dir eine Rolle spielt, ist ein automatisch erfasster Luftdruck praktisch, weil du ihn nicht von Hand nachschlagen musst. Die Studienlage ist allerdings gemischt.

Viele Betroffene halten Wettereinflüsse für einen Auslöser. Aponet.de fasst zusammen, dass Temperatur und Luftdruck in einer Auswertung von 31 Studien als wichtigste Wetter-Trigger gelten. Genau deshalb ist dein eigenes Tagebuch spannend: Es zeigt, ob das für dich zutrifft. Mehr dazu liest du in Luftdruck und Migräne.

5. Zyklus, Schlaf und Stress an einem Ort

Für viele Frauen ist der Zyklus ein wichtiger Teil des Puzzles, deshalb lohnt sich eine App, die ihn berücksichtigt. Wenn du vermutest, dass deine Attacken mit der Periode zusammenhängen, sollte die App Zyklustage und Attacken im selben Kalender zeigen. Hintergründe findest du in Migräne und Periode.

Dasselbe gilt für Schlaf und Stress. Je weniger du zwischen verschiedenen Apps hin und her springen musst, desto eher bleibst du dabei.

6. Statistiken, die du ohne Mathestudium verstehst

Gute Statistiken zeigen dir auf einen Blick, wie oft, wie lange und wie stark deine Attacken waren. Ein Kalender mit farbigen Tagen, eine Übersicht zur Dauer und Intensität und ein Trend über mehrere Monate reichen oft völlig aus.

Vorsicht bei Apps, die dir aus wenigen Daten „Vorhersagen“ oder „Risikowerte“ präsentieren. Ohne ausreichend Daten sind solche Zahlen reine Dekoration. Wie du Kalender, Dauer und Intensität sinnvoll liest, erklären wir in Migränetagebuch auswerten.

7. Ein Bericht für die Arztpraxis

Eine App sollte deine Einträge so zusammenfassen können, dass du sie in der Praxis zeigen kannst. Ein übersichtlicher Bericht spart im Termin Zeit und verhindert, dass du aus dem Gedächtnis rekonstruieren musst, was vor drei Monaten war.

Die kostenlose App der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ist dafür ein gutes Beispiel: Laut Apotheken Umschau lassen sich dort Angaben wie Symptome erfassen und für Arzttermine anzeigen. Wer dich behandelt und wie du dich auf den Termin vorbereitest, steht in Migräne: Welcher Arzt ist zuständig?.

8. Datenschutz: Gesundheitsdaten sind besonders sensibel

Deine Einträge sind Gesundheitsdaten, und die gelten nach der DSGVO als besondere Kategorie personenbezogener Daten. Für ihre Verarbeitung ist in der Regel eine ausdrückliche Einwilligung nötig.

Die Verbraucherzentrale NRW hat 17 kostenlose deutschsprachige Gesundheits-Apps untersucht: Keine erfüllte alle Kriterien zu 100 Prozent, und bei vielen fehlten vor dem Download wichtige Informationen. Das betraf Gesundheits-Apps allgemein, nicht nur Migräne-Apps, es zeigt aber, wie wichtig ein genauer Blick ist.

Das kannst du vor dem Download prüfen:

  • Wer ist der Anbieter und wo sitzt er?
  • Was steht in der Datenschutzerklärung zu Weitergabe an Dritte, Werbung und Analyse?
  • Kannst du deine Daten exportieren und deinen Account samt Daten löschen?
  • Wirst du um Berechtigungen gebeten, die nichts mit einem Migränetagebuch zu tun haben?

Lies das bei jeder App nach, auch bei unserer. Bei Unklarheiten ist es völlig in Ordnung, eine andere App zu wählen.

9. Preis und Werbung: Was ist wirklich kostenlos?

Eine gute Migräne App kostet entweder nichts oder sagt dir vorab klar, was sie kostet. Kostenlose Basisfunktionen sind der Normalfall, bei manchen Apps stecken wichtige Auswertungen aber hinter einem Abo.

Achte auf diese Punkte:

  • Welche Funktionen sind dauerhaft kostenlos, welche nur in einer Testphase?
  • Gibt es Werbung, die Gesundheitsdaten nutzt?
  • Wie kündigst du ein Abo, und endet es automatisch?

Eine kostenlose Alternative aus der Fachwelt ist die DMKG-App, die laut der Gesellschaft kostenlos und werbefrei angeboten wird. Auch Mellow ist kostenlos auf iPhone und Android nutzbar.

10. Ein ruhiges Design und Erinnerungen, die nicht nerven

Wenn dir Licht, Lärm und Reize bei einer Attacke zusetzen, brauchst du eine App, die dich nicht zusätzlich stresst. Ruhige Farben, klare Schrift und wenig Ablenkung machen im Alltag einen größeren Unterschied, als du denkst.

Das Gleiche gilt für Erinnerungen: Eine einzige freundliche Nachricht am Tag kann helfen, ein Tagebuch lückenlos zu führen. Zehn Push-Meldungen am Tag führen dazu, dass du die App stummschaltest oder löschst.

Was kann eine Migräne App nicht?

Eine Migräne App kann dokumentieren, aber nicht diagnostizieren oder behandeln. Das gilt für jede App, egal wie überzeugend ihre Werbung klingt.

Das bedeutet konkret:

  • Sie kann nicht sagen, welche Art von Kopfschmerz du hast. Das klärt eine Ärztin oder ein Arzt.
  • Sie kann dir nicht vorschreiben, welches Medikament du nehmen oder absetzen sollst.
  • Sie beweist keine Auslöser, sie macht nur Muster sichtbar, die du dann überprüfen kannst.
  • Sie ersetzt keine Untersuchung, wenn deine Kopfschmerzen neu, ungewöhnlich oder sehr heftig sind. Wann das der Fall ist, steht in Kopfschmerzen: Wann zum Notarzt?.

Auch der Nutzen ist nicht bei jeder App belegt: Die Stiftung Warentest bemängelte, wie oben beschrieben, fehlende wissenschaftliche Belege bei mehreren Apps. Sei also skeptisch, wenn eine App verspricht, deine Migräne zu „besiegen“ oder „zu heilen“. Das kann seriös niemand versprechen.

Gibt es eine Migräne App auf Rezept?

Grundsätzlich ja: In Deutschland können Ärztinnen und Ärzte „digitale Gesundheitsanwendungen“ (DiGA) verordnen, die dann die Krankenkasse zahlt. Für Migräne gab es mit „M-sense Migräne“ eine solche DiGA, sie konnte aber ab 2022 nicht mehr verordnet werden, nachdem sie aus dem DiGA-Verzeichnis zurückgezogen wurde.

Welche Anwendungen aktuell gelistet sind, ändert sich. Den aktuellen Stand findest du im DiGA-Verzeichnis auf gesund.bund.de. Frag auch in der Praxis oder bei deiner Krankenkasse nach, ob für dich etwas infrage kommt.

Wie testest du eine App in einer Woche?

Gib einer App sieben Tage, bevor du dich festlegst, und beobachte dabei nicht die Funktionen, sondern dein Gefühl. So gehst du vor:

  1. Tag 1: Lade die App herunter und lies die Datenschutzerklärung. Lege nur an, was wirklich nötig ist.
  2. Tag 2 bis 3: Trage täglich ein, auch an Tagen ohne Kopfschmerzen. Stoppe, wie lange das dauert.
  3. Falls eine Attacke kommt: Teste die Eingabe in der echten Situation. Ist sie in wenigen Sekunden erledigt?
  4. Tag 5: Schau dir die Auswertung an. Verstehst du sie ohne Erklärung?
  5. Tag 7: Prüfe den Bericht für die Praxis. Würdest du ihn jemandem zeigen?

Frag dich am Ende: Habe ich die App gern geöffnet, oder musste ich mich dazu zwingen? Wenn nicht, probiere die nächste. Das ist kein Scheitern, sondern gehört zur Auswahl.

Fazit: In Ruhe wählen, ehrlich bleiben

Die richtige Migräne App ist schnell zu bedienen, fragt nur Sinnvolles ab, zeigt dir verständliche Muster, erstellt einen Bericht für die Praxis und geht transparent mit deinen Daten und deinem Geld um. Mehr braucht es nicht, und mehr kann sie auch nicht.

Nimm dir Zeit, probiere ein bis zwei Apps eine Woche lang aus und entscheide nach deinem Gefühl. Wenn du Papier lieber magst, ist das genauso in Ordnung: Auf der Seite der DMKG gibt es laut Apotheken Umschau auch Kalendervorlagen zum Ausdrucken. Wichtig ist nur, dass du dranbleibst und die Ergebnisse mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst. Weitere Ideen für deinen Alltag findest du auf unserer Seite Leben mit Migräne.

Und was ist mit Mellow?

Mellow ist die App dieser Seite, und sie wurde rund um genau diese Kriterien entwickelt. So erfüllt sie sie:

  • Schnelle Eingabe: Du hältst eine Attacke in zwei Taps fest, auch mitten in der Attacke.
  • Auslöser: Du verfolgst Stress, Schlaf, Bildschirmzeit, Zyklus und Ernährung.
  • Luftdruck: Er wird automatisch erfasst, du musst ihn nicht selbst eintragen.
  • Statistiken und Verlauf: Kalender, Dauer, Intensität und Trends, dazu ein Bericht für deine Ärztin oder deinen Arzt.
  • Preis und Plattformen: Die App ist kostenlos, für iPhone und Android verfügbar und bietet außerdem Kurse, die dir helfen, Migräne zu verstehen, ihr vorzubeugen und mit ihr umzugehen.

Wenn du dir selbst ein Bild machen möchtest, teste sie eine Woche lang nach der oben beschriebenen Methode. Öffnest du sie ganz selbstverständlich, ist das ein gutes Zeichen. Wenn nicht, weißt du danach zumindest besser, was dir wichtig ist.

Häufige Fragen

Ist eine Migräne App kostenlos?

Viele Migräne Apps sind in der Grundversion kostenlos, manche verlangen für Auswertungen oder Berichte ein Abo. Die DMKG-App der Fachgesellschaft ist laut Kopfschmerzregister kostenlos und werbefrei. Prüfe vor dem Download im Store, was kostenlos ist und was nicht.

Reicht ein Papierkalender statt einer Migräne App?

Ja, ein Papierkalender erfüllt denselben Zweck, wenn du ihn regelmäßig ausfüllst. Vorlagen zum Ausdrucken bietet unter anderem die DMKG. Eine App erleichtert vor allem die Auswertung und das Teilen mit der Praxis.

Wie sicher sind meine Daten in einer Migräne App?

Das hängt vom Anbieter ab. Gesundheitsdaten gelten nach der DSGVO als besonders schützenswert, und die Verbraucherzentrale NRW fand bei untersuchten Gesundheits-Apps Lücken. Lies die Datenschutzerklärung und prüfe, ob du Daten exportieren und löschen kannst.

Kann mir eine App sagen, welche Migräne ich habe?

Nein. Welche Kopfschmerzform vorliegt, klärt eine Ärztin oder ein Arzt anhand deiner Beschwerden und Untersuchungen. Dein Tagebuch aus der App ist dafür eine wertvolle Grundlage, ersetzt die Diagnose aber nicht. Mehr zu den Formen findest du in Migräne Arten im Überblick.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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