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Frau mit geschlossenen Augen und Hand an der Schläfe neben Barometer, Regenwolke, Flugzeug und Berg
Auslöser

Migräne Luftdruckabfall: Was hPa, Flugzeug und Berge bedeuten

Von Laurine Nicoletti9 min

Draußen zieht ein Tief auf, das Wetter-App-Symbol wechselt von Sonne zu Wolke, und dein Kopf meldet sich schon, bevor der erste Tropfen fällt. Oder du sitzt im Flieger, wanderst auf 2.500 Metern und fragst dich, ob dein Kopfschmerz vom Druck kommt. Ein Migräne Luftdruckabfall wird oft als Auslöser genannt, aber was eine Zahl wie „1003 hPa“ bedeutet und ab wann der Körper reagieren könnte, erklärt dir selten jemand.

In diesem Artikel lernst du, wie du einen hPa-Wert liest, warum das Tempo der Veränderung wichtiger sein kann als die Zahl selbst und was Studien (und ihre Grenzen) zu Schwellenwerten sagen. Dazu schauen wir auf drei Alltagssituationen: Flugzeug, Berge und Gewitter. Einen allgemeinen Überblick zum Thema findest du in unserem Pillar-Artikel zu den Migräne-Auslösern, die Forschungslage zum Luftdruck im Detail in Luftdruck und Migräne.

Kurz gesagt

  • Der Luftdruck wird in Hektopascal (hPa) angegeben, der Normwert auf Meereshöhe liegt bei 1013,25 hPa, und Wetter-Apps rechnen ihre Werte meist auf Meereshöhe um.
  • Es gibt keinen gesicherten Schwellenwert in hPa, ab dem Migräne beginnt: Studien zeigen im Schnitt einen Zusammenhang, aber bei jeder Person fällt er anders aus.
  • Im Flugzeug herrscht ein Druck wie auf rund 2.500 Metern, in den Bergen kommt der Sauerstoffmangel dazu, beides kann Kopfschmerzen auslösen, die einer Migräne ähneln.
  • Ob du druckempfindlich bist, findest du am besten mit einem Tagebuch heraus, in dem du Attacken und Luftdruckverlauf nebeneinanderlegst.

Was bedeutet ein Wert in hPa?

Ein Hektopascal (hPa) entspricht 100 Pascal und ist die gebräuchliche Einheit für den Luftdruck in der Meteorologie, so erklärt es das Wetterlexikon von wetter.de. Je mehr Luft über dir lastet, desto höher der Wert.

Als Bezugspunkt gilt der Normaldruck von 1013,25 hPa auf Meereshöhe, wie das Wetterlexikon beschreibt. Liegt der Wert darunter, sprechen Meteorologen von Tiefdruck, darüber von Hochdruck. In der Schweiz liegt der langjährige Durchschnitt laut MeteoSchweiz bei rund 1018 hPa, typische Hochdruckwerte bei etwa 1023 hPa im Sommer und 1034 hPa im Winter.

Warum dein Wohnort die Zahl verändert

Wetterdienste „reduzieren“ den Druck auf Meereshöhe, damit Orte vergleichbar sind. Der Wert zeigt also, was eine Messstation auf Meereshöhe anzeigen würde (MeteoSchweiz). Der tatsächliche Druck an deinem Standort ist in Höhenlagen niedriger: Nahe dem Meeresspiegel sinkt er um etwa 1 hPa pro 8 Höhenmeter.

Das ist praktisch wichtig. Ein einzelner Wert wie 1008 hPa sagt dir wenig, denn er ist für sich weder „gut“ noch „schlecht“. Interessant ist, wie er sich bei dir im Verlauf verändert.

Langsam oder schnell: Was zählt wirklich?

Für Migräne dürfte weniger der absolute Wert zählen als die Veränderung, vor allem eine rasche. Ein Tief, das sich über drei Tage langsam aufbaut, ist für den Körper etwas anderes als ein Druckabfall innerhalb weniger Stunden.

Hinter dieser Annahme stehen Beobachtungen und Berichte von Betroffenen. Dass Kopf und Gefäße auf Druckunterschiede reagieren, ist plausibel, bewiesen ist der genaue Mechanismus aber nicht. Ein Teil der Studien deutet auf einen Zusammenhang mit fallendem Druck hin, andere finden ihn nicht.

Praktisch heißt das: Schau nicht nur auf den Momentanwert, sondern auf die Kurve. Fällt der Druck in 24 Stunden deutlich, ist das für dich ein anderes Signal als ein konstanter niedriger Wert über eine ganze Woche. Auch bei einem Wetterumschwung ändern sich oft mehrere Dinge gleichzeitig (Temperatur, Feuchtigkeit, Licht), was die Zuordnung schwierig macht.

Was sagen Studien zu Schwellenwerten in hPa?

Einen allgemeingültigen Schwellenwert in hPa gibt es nicht: Die Studien zeigen Tendenzen, keine feste Grenze. Eine Auswertung von 31 Studien durch ein Team der Sichuan-Universität in China kam laut aponet.de zum Ergebnis, dass Temperatur und Luftdruck die Wetterfaktoren sind, die signifikant mit Migräneattacken zusammenhängen. Für die Luftfeuchtigkeit fand sich dagegen kein klarer Zusammenhang.

Eine ältere Studie, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtet (erschienen in Neurology, 2009), nennt eine Größenordnung: Pro 5 mmHg weniger auf dem Barometer, das sind umgerechnet rund 6,7 hPa, stieg das Risiko für eine Kopfschmerzattacke um 6,1 Prozent. Dabei ging es um Kopfschmerzen insgesamt, Migräne war eine Untergruppe. Das ist ein statistischer Durchschnitt über viele Menschen, keine Regel für dich persönlich.

Und wenn es nur wenige Betroffene trifft?

Es gibt auch Gegenstimmen, und die Forschung ist bei diesem Thema nicht einheitlich. Beide Befunde können zugleich stimmen. Wahrscheinlich reagiert nur ein Teil der Menschen mit Migräne spürbar auf Druckänderungen, und in Durchschnittswerten verschwindet das.

Migräne im Flugzeug: Liegt es am Kabinendruck?

Im Reiseflug entspricht der Druck in der Kabine dem auf etwa 2.500 Metern Höhe, wie aerotelegraph beschreibt. Für den Körper ist das ein spürbarer Druckabfall innerhalb weniger Minuten nach dem Start, größer als jeder Wetterwechsel am Boden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass dich Fliegen migräniert. Es gibt aber eine eigene Kopfschmerzform, den Flugkopfschmerz: ein plötzlicher, sehr starker, meist einseitiger Schmerz im Bereich von Stirn und Auge, der vor allem im Landeanflug auftritt und oft nach unter 30 Minuten wieder vergeht (aerotelegraph). Als Hauptursache gilt ein Druckproblem in den Stirnhöhlen, die sich nicht schnell genug angleichen. Nach einer skandinavischen Umfrage soll bis zu 8,3 Prozent der Fluggäste davon betroffen sein.

Der Flugkopfschmerz ist also nicht dasselbe wie eine Migräne. Schmerzort und Dauer unterscheiden sich, außerdem fehlen meist Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Trotzdem kann Fliegen gleichzeitig andere Auslöser bündeln: früh aufstehen, wenig Schlaf, trockene Kabinenluft, Stress am Flughafen. Das Auslöser-Muster lässt sich nur im Zusammenhang erkennen.

Wenn Flüge für dich ein Problem sind, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Welche Medikamente für unterwegs sinnvoll sind, entscheidet nur dein Behandlungsteam.

Migräne in den Bergen: Höhe, Druck und Sauerstoff

In den Bergen kommt zum sinkenden Druck der Sauerstoffmangel hinzu, und der gilt als Hauptursache von Höhenkopfschmerzen. Dabei fällt nicht nur der Druck, sondern auch der Sauerstoffgehalt der eingeatmeten Luft.

Die Beschwerden ähneln oft einer Migräne: pulsierender Schmerz, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, das Bedürfnis, sich hinzulegen. Ob Höhenkopfschmerz und Migräne zusammenhängen, wird fachlich diskutiert.

Was hilft bei Ausflügen in die Höhe?

Die wichtigste Maßnahme ist nach gesundheit.gv.at langsames Aufsteigen. Oberhalb von 2.500 Metern wird empfohlen, höchstens 300 bis 500 Höhenmeter pro Tag zu steigen und möglichst tief zu schlafen. Etwa jede vierte Person, die ohne Akklimatisation über 2.500 Meter geht, bekommt Anzeichen der Höhenkrankheit.

Zwei Dinge sind wichtig. Erstens: Kopfschmerz in der Höhe ist nicht automatisch Migräne und kann auch ein Zeichen der Höhenkrankheit sein, die ernst genommen werden muss. Zweitens: Die Symptome kommen oft erst Stunden nach dem Aufstieg, meist nachts. Bei starken Beschwerden holst du ärztliche Hilfe, mehr dazu in unserem Artikel zu Kopfschmerzen und Notarzt.

Falls dir in der Höhe außerdem schwindelig wird: Schwindel kann auch ein Hauptsymptom einer Migrämeform sein, mehr dazu in Vestibuläre Migräne.

Gewitter und Tief: Warum die Attacke oft vor dem Regen kommt

Dass der Kopf vor dem Gewitter schmerzt, hat einen plausiblen Hintergrund: Vor einer Wetterfront ändern sich Druck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit oft innerhalb kurzer Zeit. Nach aponet.de setzen rasche Wetterwechsel mit Hitze, Abkühlung und Gewitter vielen Menschen zu, am häufigsten mit Kopfschmerzen und Migräne.

Das Ärzteblatt berichtet zudem von einem Tiefdruckgebiet im Winter mit milderen Temperaturen als möglichem Auslöser bei empfindlichen Menschen (Deutsches Ärzteblatt). In derselben Studie stieg das Risiko pro Grad Celsius mehr um 7,5 Prozent.

Der Grund, warum die Attacke oft schon vor dem Regen kommt: Der Druck fällt schon, bevor die Front da ist. Bewiesen ist der genaue Weg nicht. Es spricht aber vieles dafür, dass nicht nur der Druck allein eine Rolle spielt, sondern ein Zusammenspiel mit Temperatur, Schlaf und Stress. Zum Thema Stress findest du mehr in Stress und Migräne.

Wie findest du heraus, ob du druckempfindlich bist?

Du erkennst eine Druckempfindlichkeit nur an deinen eigenen Daten, nicht an Durchschnittswerten aus Studien. Dafür brauchst du über mehrere Wochen, besser Monate, ein Tagebuch, das Attacken und Umstände festhält.

So gehst du vor:

  • Notiere jede Attacke mit Datum, Beginn, Dauer und Stärke. Was in einen guten Migränekalender gehört, ist weniger, als du denkst.
  • Halte den Luftdruckverlauf der letzten 24 bis 48 Stunden daneben, nicht nur den Wert am Tag der Attacke.
  • Notiere auch andere Faktoren wie Schlaf, Stress, Zyklus und Ernährung, damit du nicht dem Wetter anlastest, was eigentlich der Schlafmangel war.
  • Vergleiche auch Tage mit Druckabfall ohne Attacke. Erst dann siehst du, ob das Muster wirklich da ist.

Wie du die Einträge anschließend liest, erklärt der Artikel Migränetagebuch auswerten. Selbst wenn sich ein Muster zeigt, kannst du das Wetter nicht ändern, aber du kannst bei Warnwetter gelassener planen, etwa auf Schlaf und Pausen achten. Vor allem wirst du merken: Du bist nicht „empfindlich“, du hast ein Muster.

Was du mitnehmen kannst

Ein Migräne-Luftdruckabfall ist ein möglicher Auslöser, aber kein sicherer. Studien zeigen im Schnitt einen Zusammenhang, ein fester Schwellenwert in hPa lässt sich daraus nicht ablesen. Bei Flugzeug und Höhe wirken zusätzliche Faktoren wie Sauerstoffmangel und trockene Luft.

Was dir am meisten bringt: Beobachte deine eigenen Attacken, achte auf die Kurve statt auf eine einzelne Zahl, und sprich bei häufigen Attacken mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Wenn du nicht weißt, wer zuständig ist, hilft Migräne: Welcher Arzt ist zuständig.

Häufige Fragen

Ab wie vielen hPa Unterschied bekommt man Migräne?

Dafür gibt es keinen gesicherten Wert. Eine Studie, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtet, fand pro 5 mmHg (rund 6,7 hPa) weniger Druck ein um 6,1 Prozent höheres Kopfschmerzrisiko, im Durchschnitt vieler Menschen. Bei dir persönlich kann die Schwelle höher, niedriger oder gar nicht vorhanden sein.

Ist niedriger Luftdruck oder ein schneller Abfall schlimmer für Migräne?

Vermutet wird, dass vor allem rasche Veränderungen belasten, nicht der absolute Wert. Gesichert ist das nicht, die Studienlage ist uneinheitlich. Ein Tagebuch zeigt dir am besten, was bei dir zutrifft.

Warum bekomme ich im Flugzeug Kopfschmerzen?

Im Reiseflug herrscht in der Kabine ein Druck wie auf etwa 2.500 Metern Höhe (aerotelegraph). Der sogenannte Flugkopfschmerz entsteht vor allem beim Landeanflug durch ein Druckproblem in den Stirnhöhlen. Bei anderen Kopfschmerzen im Flugzeug können Schlafmangel, Stress oder trockene Luft mitspielen.

Können Migräneattacken in den Bergen häufiger werden?

Das ist möglich, denn in der Höhe kommen sinkender Druck und Sauerstoffmangel zusammen. Wichtig ist, bei starken Beschwerden an eine Höhenkrankheit zu denken und ärztlichen Rat zu holen.

Quellen

Geschrieben von Laurine Nicoletti, Gründerin von Mellow, die seit ihrem 21. Lebensjahr mit Migräne lebt. Mehr erfahren · So schreiben wir unsere Artikel

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